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Die Nigerianerinnen sind immer für eine Überraschung gut.
Die Nigerianerinnen sind immer für eine Überraschung gut.(Foto: dpa)
Donnerstag, 23. Juni 2011

Teamporträt Gruppe A: Nigeria, die Wundertüte

Mehr als deutlich endete im vergangenen November der letzte Vergleich zwischen Nigeria und den deutschen Frauen: Mit 0:8 kam der Afrikameister unter die Räder. Ausgerechnet ein Deutscher soll nun dabei helfen, das ehrgeizige Minimalziel Viertelfinale zu realisieren.

Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz wird im zweiten WM-Vorrundenspiel der deutschen Fußballerinnen am 30. Juni in ihrer Heimatstadt Frankfurt auf jeden Fall eine Überraschung erleben. "Nigeria ist die Wundertüte - mal so, mal so. Da kann man ganz toll aussehen, aber man kann genauso gut verlieren, weil sie sehr unorthodox spielen", sagte die 33-Jährige mit Blick auf die Partie gegen den Afrikameister.

In Afrika sind Nigerias Fußballerinnen eine Macht, doch auf internationalem Terrain warten die "Super Falcons" noch auf den Durchbruch. Mit dem Finaleinzug bei der zurückliegenden U20-WM im vergangenen Jahr in Deutschland unterstrichen die Westafrikanerinnen jedoch ihre Ambitionen - auch wenn es nicht zum Titel reichte.

Uche fliegt bei Misserfolg

Nun soll ein Deutscher die Nigerianerinnen einen entscheidenden Schritt voranbringen. Die Afrikaner verpflichteten Thomas Obliers, zuvor Coach beim Bundesligisten SC Bad Neuenahr, als Technischen Assistenten. Der Deutsche schritt sofort zur Tat und organisierte als WM-Vorbereitung ein dreiwöchiges Trainingslager in Österreich mit zahlreichen Testspielen. "Minimalziel ist das Viertelfinale", sagte Obliers: "Es ist ein ungewohnter Job. Es ist eine andere Art, vor allem weniger strukturiert."

Sollte Nigeria bei der Wm nicht erfolgreich abschneiden, muss Eucharia Uche gehen.
Sollte Nigeria bei der Wm nicht erfolgreich abschneiden, muss Eucharia Uche gehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Vor dem Einstieg von Obliers hatte das Team von Trainerin Eucharia Uche, der ersten weiblichen Trainerin überhaupt auf der nigerianischen Bank, bei der Afrikameisterschaft mit dem Einzug ins Endspiel das WM-Ticket gelöst. Die Kontinentalkrone setzte sich Nigeria mit einem 4:2 gegen Äquatorial-Guinea zum achten Mal auf.

In der laufenden Olympia-Qualifikation zeigte das Team bisher sehr große Leistungsschwankungen. Dies veranlasste den Verband, die Trainerin unter Druck zu setzen. Wenn sich die Resultate nicht bessern und die WM nicht anständig absolviert wird, wird Uche entlassen. Das wurde bereits öffentlich erklärt. Allerdings fehlten der Trainerin in der Vorbereitung wichtige Spielerinnen, weil sie in Europa unter Vertrag standen und nicht abgestellt wurden.

"Nigeria ist unberechenbar"

Bundestrainerin Silvia Neid ist trotz der Probleme ein heimlicher Fan der Nigerianerinnen. Doch beim 0:8-Debakel gegen die DFB-Auswahl in Leverkusen im November 2010 wurde auch das große Manko der antiquierten Verteidigung mit Libera und zwei Innenverteidigerinnen ersichtlich.

Perpetua Nkwocha (r.) trifft in der Vorrunde wieder auf Ariane Hingst.
Perpetua Nkwocha (r.) trifft in der Vorrunde wieder auf Ariane Hingst.(Foto: picture alliance / dpa)

Für Neid hat dieses Ergebnis aber keine große Aussagekraft. "Nigeria ist unberechenbar. Wenn sie Ihre Deckung stabilisieren, wird es ganz schwer gegen sie', sagte Neid: "Sie sind individuell sehr stark, pfeilschnell und läuferisch stark. Außerdem sind sie sehr robust in den Zweikämpfen."

Zu den auffälligsten Spielerinnen Nigerias gehört Perpetua Nkwocha. Die in Schweden aktive Angreiferin wurde zweimal (2004 und 2005) zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt. Cynhia Uwak aus Saarbrücken war auch schon mal Afrikas beste Spielerin, wurde aber von Uche wegen mangelnder Fitness ausgebootet.

Quelle: n-tv.de