Wirtschaft
Mittwoch, 03. Februar 2010

K1-Skandal: Anleger ohne Illusionen

Sandy Island gehört zu den Britischen Jungferninseln.
Sandy Island gehört zu den Britischen Jungferninseln.(Foto: picture-alliance / dpa)

Zahlreiche Opfer des mutmaßlichen Anlagebetrügers Helmut Kiener haben ihre Investitionen in die Fonds K1 Invest und K1 Global offensichtlich abgeschrieben. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, nahmen an der ersten Gläubigerversammlung auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik lediglich vier Gläubigervertreter teil. Diese Zahl erhielt das Blatt von den beiden Anwälten Daniel Fischer und Andreas Tilp. Deren Kanzleien entsandten jeweils Vertreter in den Gläubigerausschuss.

Die in dem nur lax regulierten Steuerparadies der Britischen Jungfraueninseln domizilierten Fonds K1 Global und K1 Invest stehen im Zentrum der angeblichen Anlagestrategie des Diplom-Psychologen Helmut Kiener. Von dem Fondsskandal dürften nach Schätzungen von Anwälten jedoch mindestens 5000 Anleger sowie mehrere Banken und Versicherungen betroffen sein. Der Gesamtschaden könnte sich auf rund 600 Millionen US-Dollar belaufen. Kiener sitzt seit Oktober wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Untreue in Untersuchungshaft.

Bei dem Wirtschaftsprüfer Grant Thorton, der die Kiener-Fonds abwickelt, sind zudem bisher nur ein Bruchteil der potenziellen Forderungen eingegangen. "Es sind nur je 30 Millionen Dollar Forderungen angemeldet worden", sagte Fischer. Dabei habe Kiener in den vergangenen Jahren je rund 300 Millionen Dollar in K1 Invest und in K1 Global eingesammelt.

Zu dem geringen Interesse an der Gläubigerversammlung passt, dass laut Anlegeranwalt Peter Mattil von der Kanzlei Mattil und Kollegen ehemalige Vermittler von Kiener-Finanzprodukten ihren Kunden nach wie vor versicherten, dass ihr Geld noch da sei.

Verdacht auf Schneeballsystem

Laut Staatsanwaltschaft Würzburg soll Kiener Investoren vorgegaukelt haben, das eingesammelte Geld nach einem selbst entwickelten System in Hedgefonds zu investieren. Bei diesen Fonds soll es sich aber teils um Tarnfirmen gehandelt haben, die von Kiener nahestehenden Personen gegründet wurden. Deren Zuflüsse soll Kiener nach Abzug von Gebühren wieder in sein System eingespeist und so einen betrügerischen Geldkreislauf aufgebaut haben.

Thorton habe den Verdacht auf ein Schneeballsystem auf der Gläubigerversammlung bestätigt, sagte Tilp. Mögliche Hinweise auf den Verbleib von Anlegergeldern erhoffen sich Grant Thorton und die Gläubigervertreter von einer Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Würzburg und einer Befragung Kieners. Bisher sind lediglich 280.000 Dollar auf zwei Konten aufgetaucht, ein Learjet und eine Immobilie in den USA.

Quelle: n-tv.de