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Mittwoch, 19. Juli 2017

Ärger in China: Audi steht im Shitstorm

Von Jan Gänger

Wie läuft man Gefahr, es sich mit mindestens der Hälfte der Bevölkerung Chinas zu verscherzen? Indem man einen Werbespot dreht, der als sexistisch empfunden wird. Und ihn dann tatsächlich zeigt. Das weiß Audi jetzt auch.

Audi hat in China einen veritablen Shitstorm ausgelöst. Grund ist ein Werbespot, der Frauen erst mit Nutztieren und dann mit gebrauchten Autos vergleicht.

Worum es geht? In einem etwa 30 Sekunden langen Spot macht Audi Werbung für seine Gebrauchtwagenzentren in China. Zu sehen ist ein Hochzeitspaar, das im Freien kurz vor dem Ja-Wort steht. Plötzlich stürmt die Mutter des Bräutigams auf das Paar zu, sie hat vor der Trauung offenbar noch Klärungsbedarf.

Dann greift sie - unter den entsetzten Blicken von Priester und Gästen - der Braut schmerzhaft an Nase und Ohren. Die junge Frau muss dann den Mund öffnen, damit ihre künftige Schwiegermutter noch schnell die Zähne inspizieren kann. Zufrieden mit dem Ergebnis kehrt diese dann zu ihrem Platz zurück - allerdings nicht, ohne sich umzudrehen und ihr Einverständnis zu signalisieren. Gäste und Brautpaar sind erleichtert.

Doch zu früh gefreut! Plötzlich ein stechender Blick auf die durch das Kleid vorteilhaft in Szene gesetzten Brüste der Braut. Die junge Frau bedeckt sie schnell mit den Händen, ihr künftiger Gatte starrt nun auch dorthin.

Schnitt. Ein roter Audi gleitet über eine Straße. "Eine wichtige Entscheidung muss sorgfältig getroffen werden", verrät eine männliche Stimme. Dann endet der Spot mit dem Hinweis auf die eigenen Gebrauchtwagenzentren und den Worten: "Nur mit einem offiziellen Zertifikat kann man wirklich sicher sein."

"Absolut dämlich"

Dieser Werbespot war offensichtlich keine gute Idee. Er läuft zwar schon seit einigen Monaten in den Kinos, erlebt aber erst jetzt bemerkenswerte Resonanz. Allerdings eine andere als von Audi erwünscht. "Mist", "sexistisch", "diskriminierend", schimpfen Chinesen auf Weibo, dem Twitter-Pendant der Volksrepublik. Andere bezeichnen die Werbung als "absolut dämlich".

Ein Audi-Sprecher sagte der "South China Morning Post", das Unternehmen habe eine Überprüfung eingeleitet. Verantwortlich für den Spot sei das Joint-Venture, das der Mutterkonzern Volkswagen mit dem chinesischen Partner FAW betreibe.

Der Shitstorm kommt Audi durchaus ungelegen: China ist der wichtigste Markt für den Autohersteller, der dort erst im Juni nach langer Durststrecke wieder auf Wachstumskurs gegangen war. Wegen eines Konflikts mit den Händlern war der Absatz sechs Monate in Folge geschrumpft. Deshalb hatte Audi im ersten Halbjahr weltweit nur 909.000 Autos verkauft - 4,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dem Blog "The Shanghaiist" zufolge gibt es vereinzelt sogar die Forderung, Audi zu boykottieren. Außerdem fragen sich viele Chinesen, warum ein internationales Unternehmen wie Audi so einen Spot überhaupt produzieren lassen kann - und dann auch noch zeigt. "So viele einflussreiche Frauen in China sind potenzielle Audi-Kunden", sagt die Lifestyle-Redakteurin Guo Zimeng "CNN". "Und das ist der Weg, mit dem Audi Käuferinnen erreichen will?"

Sexistische und rassistische Spots

Andere Chinesen reagieren dagegen völlig entspannt und fragen sich, was die ganze Aufregung und Empörung eigentlich sollen. "Ich denke, da machen Leute zu viel Drama", sagt Marla Yuan, die in Peking wohnt, dem Sender. "Wenn diese Werbung einen Mann mit Gebrauchtwagen vergleichen würde, würde man zweifellos sagen, dass sie witzig und kreativ ist."

Mit dem Humor ist das jedoch so eine Sache. Und in China gibt es immer wieder überaus fragwürdige Spots. So hatte Anfang des Jahres eine Kokosnuss-Saft-Marke für Gesprächsstoff gesorgt. Ihre Werbung versprach, dass das Getränk hilft, die Haut von Frauen heller zu machen - und ihre Brüste zu vergrößern. Im vergangenen Jahr musste sich ein Waschmittel-Fabrikant für einen Werbefilm entschuldigen: In dem Spot wurde ein Schwarzer, der zudem mit Farbe überzogen war, von einer Chinesin in die Waschmaschine gesteckt. Er entstieg dem Gerät als sauberer, hellhäutiger Chinese.

Quelle: n-tv.de