Wirtschaft
Donnerstag, 28. Oktober 2010

Wiedergeburt einer alten Tradition: Bergbau im Erzgebirge

Im 12. Jahrhundert führten Silberfunde zu einer Blütezeit des Bergbaus im Erzgebirge. Die glorreichen Zeiten sind zwar lange vorbei. Doch steigende Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt bringen dem Bergbau nun auch hier eine Renaissance.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hohe Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt machen den klassischen Bergbau auch in Deutschland wieder lukrativ. 1991 schien die Förderung von Erzen bereits Geschichte. Damals machten die letzten Gruben in Ost- und Westdeutschland dicht. Im Osten betraf das den Zinnbergbau in Altenberg und Ehrenfriedersdorf, im Westen Bad Grund im Harz (Blei, Zink) und Meggen im Sauerland (Zink, Schwefelkies). Seit 2006 hat Sachsen als rohstoffreichstes deutsches Bundesland wiederholt eine Bewilligung für die Suche nach Bodenschätzen erteilt. Die Preisentwicklung führt nun dazu, dass das Erzgebirge seinem Namen bald wieder alle Ehre machen könnte.

Am Donnerstagabend soll eine unterirdische Detonation die Renaissance für den Erzbergbau in Sachsen einläuten. Hier geht es vordergründig um die Fluss- und Schwerspat, als Nebenprodukte fallen Metalle wie Kupfer und Blei an. Auch sie sollen verarbeitet werden. Die Idee für ein Bergwerk in Niederschlag bei Oberwiesenthal gab es schon zu DDR-Zeiten. Vermutlich fehlten aber Investitionsmittel, um den hier liegenden Flussspat auf dem Weltmarkt zu versilbern.

Der Chef der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatcompagnie (EFS), Wolfgang Schilka, sieht sein Unternehmen als Vorreiter in Deutschland. "Wir liefern den Beweis, dass wir teure Rohstoffe nicht zu hohen Preisen auf den Supermärkten der Welt kaufen müssen, sondern zu kostendeckenden Preisen im eigenen Land fördern können", sagt der 58 Jahre alte Professor. Um das Projekt realistisch anzugehen, hat Schilka für die Kalkulation die Durchschnittspreise für Flussspat auf dem Weltmarkt vorsichtig angesetzt - mit 230 Euro pro Tonne. Aktuell werden 265 Euro erzielt. 18,5 Mio. Euro hat die ESF - hinter der neben der Nickelhütte Aue ein Ingenieurbüro aus Freiberg steht - in das Bergwerk investiert.

Weitere Bergwerke denkbar

Bergleute für die Unternehmung zu finden, war nicht schwierig. "Wir haben in den vergangenen beiden Jahren 180 Bewerbungen erhalten, zumeist aus der Region", sagt Schilka. 35 Menschen gibt das Bergwerk nun Arbeit, 20 davon im Bergbau selbst. Wenn 2014 die letzte Ausbaustufe erreicht ist, sollen jährlich 135.000 Tonnen Fluss- und Schwerspat gefördert werden. "Dann rechnen wir auch mit schwarzen Zahlen", so Schilka. Als drittes Endprodukt soll Sulfidkonzentrat entstehen. Lkw bringen das Material aus dem Berg und dann zur Weiterverarbeitung in die Nickelhütte nach Aue.

Schilka geht davon aus, dass angesichts der Preisentwicklung weitere Bergwerke im Erzgebirge entstehen. "Rohstoffe werden noch richtig teuer", sagt der Experte. Auch das Riesengebirge auf polnischer Seite, das französische Zentralmassiv oder der Harz könnten wieder zur Bergbauregion werden. Bei dem Hunger der Industrie nach Rohstoffen sei die Renaissance für die Branche in Europa eine Frage der Zeit.

Experten wie Schilka gehen davon aus, dass die Förderung selbst in Entwicklungsländern immer teuerer wird. "Auch die Chinesen können ihre Bergleute perspektivisch nicht mehr wie Kulis bezahlen". Zudem komme man an manche Lagerstätten nur noch mit hohem Aufwand heran.

Reinhard Schmidt, Präsident des Sächsischen Oberbergamtes, hält Deutschland für kein rohstoffarmes Land. Das gilt vor allem für Bodenschätze wie Braunkohle, Kaolin, Salz oder Ölschiefer. "Bei Metallen könnte man sagen: Wir sind reich an armen Lagerstätten." Es bleibe immer eine unternehmerische Frage, ob man Gruben wieder öffnet. Schmidt denkt neben Flussspat auch an Kupfer, Wolfram und Zinn. Wer das holen wolle, brauche erstmal Geld. "Bergbau ist nichts für arme Leute", sagt Schmidt.

Quelle: n-tv.de