Nach SEB-ImmoInvest-AbwicklungCS Euroreal wagt Blitzöffnung
Die milliardenschwere und in Schieflage befindliche Branche der Offenen Immobilienfonds in Deutschland steht vor einem weiteren Schicksalstermin. Am 21. Mai öffnet sich der CS Euroreal seinen Anlegern. Steigen dann zuviele aus, droht die Abwicklung des Milliarden-Fonds - des zweiten Branchen-Flaggschiffs nach dem SEB ImmoInvest. Leidtragende wären erneut Kleinanleger.
Nach dem SEB ImmoInvest legt mit dem eingefrorenen CS Euroreal ein weiterer Offener Immobilienfonds sein Schicksal in die Hände der Anleger. Fondsmanager Karl-Heinz Heuß kündigte eine Blitzöffnung des seit Mai 2010 eingefrorenen Fonds für den 21. Mai an. Bis dahin werden die Verkaufsorders der Investoren gesammelt. Nur wenn die vorhandene Netto-Liquidität von 25 Prozent ausreicht, um alle Rückgabewünsche zu bedienen, hat der 6 Mrd. Euro schwere Fonds eine Zukunft und geht dann nach den Richtlinien des neuen Anlegerschutzgesetzes an den Start und erlaubt Anteilsrückgaben nur noch einmal jährlich im März.
Sollten allerdings zu viele Anleger aussteigen wollen, wird der Fonds abgewickelt. Beim ungefähr gleich großen SEB ImmoInvest war das Experiment gescheitert - die liquiden Mittel reichten nicht, der Fonds wird nun aufgelöst.
Branchen-Flaggschiff
Heuß schreckt das nicht. Er glaubt, dass der CS Euroreal, in dem ebenfalls vor allem Kleinsparer investiert sind, trotz der schlechten Vorzeichen eine Chance hat. "Die Signale unserer Vertriebspartner sind im Grundsatz gut", sagte er. Allerdings sei eine exakte Prognose der Rückgabewünsche nicht möglich, deshalb würden die Verkaufsorders nun gesammelt und am 21. Mai nach dem Prinzip alle oder keiner abgerechnet. "Das ist die einzige Möglichkeit, alle Anleger gleich zu behandeln."
Der CS Euroreal und der SEB ImmoInvest sind wegen ihrer Größe die Flaggschiffe unter den Offenen Immobilienfonds in Deutschland. Wie etliche andere Produkte auch gerieten sie in der Finanzkrise in Turbulenzen, weil institutionelle Investoren damals auf einen Schlag Milliardensummen abzogen. Die langfristigen Immobilienanlagen stehen der kurzfristigen Verfügbarkeit von Geldern aber entgegen - ein Konstruktionsfehler, der erst mit dem neuen Anlegerschutzgesetz behoben wurde, das 2013 in Kraft tritt. Um nicht in Schieflage zu geraten, machten deshalb viele Fonds in der Finanzkrise ihre Schotten dicht und stoppten die Rücknahme von Anteilsscheinen. Das erlaubt der Regulierer aber nur vorübergehend.
Anpassung der Risikovorsorge
Im Mai lief nun sowohl beim SEB ImmoInvest als auch beim CS Euroreal die maximale Schließungsfrist ab. Die Fondsmanager mussten entscheiden, ob eine nachhaltige Wiedereröffnung möglich ist oder nicht. Die von der SEB vorgemachte Blitzöffnung ist ein Experiment, das es bis zu dieser Woche nicht gegeben hat.
Bei den liquiden Mitteln hat der CS Euroreal ungefähr gleich viel vorzuweisen wie der SEB ImmoInvest, bei dem die Gelder nicht reichten, um alle Ausstiegswilligen auszuzahlen und hinterher noch genug für den laufenden Betrieb zu haben. Allerdings bastelt Heuß nach eigenem Bekunden an einem weiteren Verkauf, der noch in dieser Woche rund 100 Mio. Euro zusätzlich in die Kasse spülen könnte.
Egal wie die Anleger am Ende abstimmen - sie müssen akzeptieren, dass der Wert ihrer Anteilsscheine um 3,5 Prozent herabgesetzt wird. Der CS Euroreal begründete das mit einer Anpassung der Risikovorsorge und Steuerbelastungen im Ausland. Mit dem Wert des Immobilienbestandes habe dies nichts zu tun, beteuerte Heuß. Alle bisherigen Verkäufe lägen auf oder sogar über dem Verkehrswert der Immobilien.
Der CS Euroreal hat etwa Einzelhandels- und Büroimmobilien in mehreren europäischen Ländern im Portfolio.