Wirtschaft

Schiffsunglück der "Costa Concordia" Carnival-Aktie rutscht ab

DAB4733-20120116.jpg3523323273720539612.jpg

Rettungskräfte auf der "Costa Concordia": Das Wrack ist riesig.

(Foto: AP)

Der Untergang der "Costa Concordia" vor der Küste der Toskana bringt den Kreuzfahrtkonzern Carnvial an der Börse schwer in Bedrängnis. Die Katastrophe mit bislang sechs Toten trifft das Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

DAB4723-20120116.jpg8431243841895868268.jpg

Fast 100 Mio. Dollar Schaden - und das ist nur der Schiffsverlust: Dazu kommen wohl noch Schadenersatz, Zivil-Klagen und mögliche Umweltschäden.

(Foto: AP)

Das Unglück des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" vor der Westküste Italiens hat für den Kreuzfahrtkonzern Carnival unmittelbar Konsequenzen. An der Londoner Börse bricht der Aktienkurs des Schiffseigners Carnival um fast 30 Prozent ein. Nach dem Kursabsturz zur Eröffnung des Handels schien sich die Lage etwas zu beruhigen. Am späten Vormittag notierte die Carnival-Aktie noch 18 Prozent im Minus bei 1847 Pence.

Am Freitagabend war die Costa Concordia mit 4229 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und gekentert. Betreiber des havarierten Schiffes ist das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere mit Sitz in Genua. Im Jahr 2000 war es von der britisch-amerikanischen Carnival Corporation, dem größten Kreuzfahrtveranstalter der Welt, übernommen worden.

Unter diversen Tochtergesellschaften und Marken wie P&O, Cunard and Princess Cruises vertreibt das in New York und London börsennotierte Unternehmen weltweit mehr als 100 Schiffe. Carnival selbst bezifferte den entgehenden Gewinn durch das Unglück und damit den Verlust des Schiffes inzwischen auf 85 bis 95 Mio. US-Dollar. "Dazu kommen weitere Kosten, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber unmöglich zu beziffern sind", teilte das Unternehmen mit.

Carnival
Carnival 35,39

Der Selbstbehalt für Schiffschäden belaufe sich auf annähernd 30 Mio. Dollar und für Haftpflichtschäden auf bis zu 10 Mio. Dollar. Auch der komplette Verlust des Schiffes sei versichert. Derzeit würden die Schäden noch geschätzt. Das Schiff selbst dürfte aber mindestens für die restliche Zeit des Fiskaljahres ausfallen.

Unzählige offene Fragen

Carnival trifft das Unglück nach einem bereits sehr schwachen Börsenjahr. 2011 hatte sich der Wert des Unternehmens um ein Drittel verringert. Analysten verwiesen auf die Belastungen durch steigende Kraftstoffpreise und eine schwache Nachfrage nach Kreuzfahrten. Und gerade die Nachfrage dürfte durch das Unglück nicht gerade gefördert werden.

Die ersten kritischen Kommentare zu den Geschäftsaussichten von Carnival lassen nicht lange auf sich warten: Morgan Stanley stufte die Aktie herunter und senkte das Kursziel von 2700 auf 1800 Pence. Sollten die Ermittlungen ergeben, dass die Sicherheitsvorschriften verschärft werden müssten oder Passagiere längere Zeit ausbleiben, dürfte die Ertragsschmälerung noch höher ausfallen als nun erwartet, erklärten die Analysten.

Numis Securities glaubt allerdings, dass die Buchungszahlen nur kurzfristig von der Katastrophe belastet werden. In der Vergangenheit hätten sich diese nach ähnlichen Unfällen rasch erholt. Der Deutschen Bank zufolge verringert sich nach dem Unglück die Gesamtkapazität im Kreuzfahrtgeschäft um 1,5 Prozent. Da das betroffene Schiff innerhalb der Flotte nicht auffällig profitabel zu Buche geschlagen habe, dürften die Kostenauswirkungen aber gering bleiben. Am stärksten dürfte der Schaden aufgrund möglicherweise ausbleibender Buchungen ausfallen.

Rückversicherer unter Druck

Mit im Boot sind bei dem Unglück auch deutsche Versicherer. Wie eine Sprecherin der Hannover Rück angab, handelt es sich um ein Großereignis im Bereich Transportschäden, in dem das Unternehmen gut vertreten sei. Die Hannover Rück definiert ein Ereignis als einen Großschaden, wenn die Schadenshöhe bei über 10 Mio. Euro liegt.

Unter Transportschäden fallen laut der Sprecherin rückversicherte Kaskoschäden für das relativ neue Schiff sowie Rückversicherungen für Haftpflichtschäden, zu denen nicht nur die geschädigten Passagiere zählten, sondern auch die zu erwartenden Bergungskosten. Für eine genauere Schätzung der Kosten sei es aber noch zu früh, sagte die Sprecherin. Bei Munich Re und der Allianz wollte man aus dem gleichen Grund zunächst keine Schätzung zu möglichen Schäden abgeben.

Quelle: n-tv.de, DJ

Mehr zum Thema