Weltwirtschaftsforum in DavosDie Banker trauen sich wieder

In Davos sind die Banker in diesem Jahr wieder zahlreich vertreten. Sie wollen gegen allzu harte Beschneidungen im Bankensektor kämpfen. Zurückhaltung ist aber weiter angesagt.
Im vergangenen Jahr trauten sie sich kaum ins schweizerische Davos, sie reisten - wenn überhaupt - nur mit kleinen Delegationen an. Dieses Jahr aber werden die Banken beim Weltwirtschaftsforum (WEF) wieder zahlreich und mit hohen Managern vertreten sein. Denn die Finanzinstitute wissen, dass sie bei dem Treffen der Eliten aus Politik und Wirtschaft ab dem 27. Januar nicht fehlen dürfen: Die Rufe nach Reformen im Finanzsektor sind laut, und die Banken fürchten harte Einschnitte. Auch Deutschland wird ranghoch vertreten sein: Mindestens drei Minister reisen an, und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird ebenfalls nicht fehlen.
Das traditionelle Treffen in Davos findet dieses Jahr zum 40. Mal statt. Unter dem Motto "Den Zustand der Welt verbessern: Neu denken, neu gestalten, neu erschaffen" suchen die rund 2500 Manager, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft nach Wegen, den Aufschwung nach der Krise zu verstetigen. Ebenfalls Thema sollen der Wiederaufbau in Haiti nach dem schweren Erdbeben und das Scheitern der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember sein.
Reformen stehen im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt dürften aber die schon seit Monaten diskutierten Reformen im Banken- und Finanzsektor stehen. Dieser Diskussion hat US-Präsident Barack Obama vergangene Woche einen gewaltigen Schub nach vorne verliehen - durch seine radikalen Vorschläge, die Größe von Banken und ihre Aktivitäten deutlich zu beschränken.
Dass Reformen nötig sind, haben die Veranstalter des WEF erkannt. Im Finanzsektor "funktioniert etwas grundsätzlich nicht", sagt der Gründer und Chef des WEF, Klaus Schwab. "Mit dieser Wirklichkeit" sollten die Teilnehmer in Davos konfrontiert werden. In einer Situation, in der viele Banken nur kurze Zeit nach ihrer Rettung mit Milliardenhilfen der Staaten schon wieder hohe Boni an ihre Führungskräfte ausschütten, sieht Schwab die Gefahr, nach Finanz- und Wirtschaftskrise in eine soziale Krise zu rutschen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt sich geändert hat."
Zurückhaltung ist angesagt
Die Vertreter harter Reformen in der Finanzwelt sind in Davos gut vertreten: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, der die Eröffnungsrede halten wird, ist ein klarer Verfechter von Regulierung im Bankensektor. Die spanische EU-Ratspräsidentschaft hatte die Initiative Obamas begrüßt, Deutschland will die Vorschläge auf internationaler Ebene beraten. Widerstand kommt hingegen aus Großbritannien: Der wichtige europäische Finanzplatz setzt auf ein weltweit abgestimmtes Vorgehen, um die Kosten der Finanzkrise von den Banken zurückzuholen und künftige Krisen zu vermeiden. Größenbegrenzungen für Banken hält die Regierung in London für nicht angebracht.
Darauf dürften die Banken setzen, die sich nach Einschätzung von Beobachtern gut vorbereitet haben, um in Davos gegen allzu harte Einschnitte für ihre Branche zu kämpfen. "Das Lobbying ist sehr stark, und der politische Wille kann schnell verwässert werden", sagt Cédric Tille, Wirtschaftsprofessor am Graduate Institute in Genf. Wehren wollen sie sich nach Tilles Beobachtung vor allem gegen geplante Vorschriften, nach denen sie ihre Geschäfte mit mehr Geld hinterlegen müssten. Denn das würde die Gewinne, die sie nur ein Jahr nach der großen Krise schon wieder erzielen, schrumpfen lassen.
Für die Lobbyisten der Banken wird es in Davos darauf ankommen, mit ihrer Arbeit nicht zu sehr an die Öffentlichkeit zu treten. Ihre Anliegen müssen sie vielmehr im Hintergrund vertreten, in den vielen informellen Gesprächen während des Forums. Und sie sollten sich auf den vielen Abendveranstaltungen auch nicht zu häufig mit dem Champagner ablichten lassen, der dort diesmal - nach deutlicher Zurückhaltung im vergangenen Jahr - wieder in größeren Mengen fließen wird.