Wirtschaft

Insolvenzverfahren eröffnet Escada läuft Zeit davon

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Noch ist Escada Insidern zufolge überlebensfähig.

(Foto: AP)

Das Amtsgericht München hat das Insolvenzverfahren über den Modekonzern Escada eröffnet. Damit bekommt der zum Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Christian Gerloff endgültig das alleinige Sagen. Eine Sprecherin des Gerichts sagte am Montag, die Gläubigerversammlung werde am 26. Januar in München stattfinden. Bis zum 22. Dezember könnten Forderungen an Gerloff gerichtet werden.

Durch die Insolvenzeröffnung steht Escada wieder stärker unter Zeitdruck - denn das Insolvenzgeld fällt weg. Der Konzern muss die Löhne für seine gut 2200 Mitarbeiter fortan wieder selbst überweisen und kann nicht mehr auf das Arbeitsamt zählen. Branchenkreisen zufolge reichen die Gelder nur noch für einige Wochen.

Entscheidend ist daher der laufende Verkaufsprozess. Escada bekräftigte, mit mehreren Interessenten in fortgeschrittenen Verhandlungen zu stehen. Ziel sei die Fortführung des Konzerns, der Mitte August wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt hatte. Noch ist Escada Insidern zufolge überlebensfähig. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn nicht rasch ein neuer Geldgeber präsentiert wird. Dann dürften die Bestellungen für die nächsten Kollektionen ausbleiben und das Geschäft zusammenbrechen.

Vier Bieter im Rennen

Branchenkreisen zufolge sind noch vier ernsthafte Bieter im Rennen. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Zu den potenziellen Käufern zählen unter anderem Megha Mittal, die Schwiegertochter des einflussreichen indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, sowie eine Investorengruppe um Sven Ley, den Sohn des Escada-Gründers Wolfgang Ley.

Unterdessen kehrt der langjährige russische Großaktionär Rustam Aksenenko Escada den Rücken. Er und sein Vertrauter Jean-Christophe Hocke würden ihre Ämter im Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung niederlegen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen. Aksenenko war lange der starke Mann bei Escada, hat maßgeblich Vorstände inthronisiert und vor die Tür gesetzt. Im Bieterprozess war Aksenenko zeitweise neben seiner Aufsichtsratsrolle als Bieter aktiv, zusammen mit einem russischen Milliardär. Mittlerweile ist er aber aus dem Rennen ausgeschieden.

Quelle: n-tv.de, rts

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16.06.09