Wirtschaft

Gute Chancen für Mini-Version Etappensieg für Nabucco-Pipeline

nabucco.jpg

Mit der Nabucco-Gaspipeline will die EU unabhängiger werden von russischem Gas. Doch die Hoffnung auf eine durchgehende, knapp 4000 Kilometer lange Leitung ist nun dahin. EU-Kommissar Oettinger gibt sich demonstrativ gelassen.

stepmap-karte-nabucco-pipeline-1138887 (1).jpg

"Mini-Nabucco": Die Betreiber hoffen auf eine endgültige Entscheidung für "Nabucco-West" (rot)

(Foto: n-tv.de)

Das Pipelineprojekt Nabucco hat im Rennen um Gas aus Aserbaidschan einen Konkurrenten aus dem Feld geschlagen. Das von BP und Statoil angeführte Shah-Deniz-Konsortium wählte die Kurzversion Nabucco West für den Transport des Gases nach Zentraleuropa aus. Damit sticht das Nabucco-Konsortium das Konkurrenzprojekt SEEP aus.

Eine endgültige Entscheidung über den Bau von Nabucco ist damit aber noch nicht gefallen. Erst nächstes Jahr will sich das Shah-Deniz-Konsortium festlegen, ob das Gas über die nördliche Route via Nabucco oder über eine Südroute via Italien nach Europa fließen soll. Dennoch sprach Nabucco-Geschäftsführer Reinhard Mitschek sprach von einem "wichtigen Meilenstein" für das Projekt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger zeigte sich zufrieden. "Dies ist ein Erfolg für Europa und für unsere Versorgungssicherheit", sagte Oettinger.

Hinter Nabucco stehen mehrere europäische Energiekonzerne: Neben der deutschen RWE und der österreichischen OMV sind das die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz Teil des Nabucco-Konsortiums. Sie wollten ursprünglich eine Pipeline von Aserbaidschan bis nach Österreich bauen. Die Türkei und Aserbaidschan hatten aber dann entschieden, ihre eigene Pipeline TANAP bis an die türkisch-bulgarische Grenze zu bauen. Die Kurzversion Nabucco West reicht nun von dort bis nach Österreich - und wird dadurch deutlich billiger als die ursprüngliche Version. Insgesamt soll die Pipeline 1300 Kilometer lang sein und eine Kapazität von zehn bis 23 Mrd. Kubikmeter haben.

RWE stellte sich hinter das Projekt: "RWE wird weiterhin den Bau von Pipelines (..) unterstützen, solange sie dazu beitragen, kaspisches Gas auf einer ökonomisch vernünftigen Basis nach Deutschland zu transportieren", sagte RWE-Manager Stefan Judisch.

Neues Gas für Europa

35kj5843.jpg3900730737530976463.jpg

Der türkische Premier Erdogan (r.) ist mit Aserbaidschans Präsident Alijew handelseinig: TANAP transportiert das Gas von Aserbaidschan bis an die bulgarische Grenze.

(Foto: dpa)

Im Kaspischen Meer befinden sich riesige Gasreserven, mit denen sich Europa unabhängiger von Erdgaslieferungen aus Russland machen will. Gefördert wird das Feld vom Shah-Deniz-Konsortium: Daran sind BP und die norwegische Statoil zu je 25,5 Prozent beteiligt. Socar, die russische Lukoil, die staatliche iranische Ölfirma NIOC und die französische Total halten je zehn Prozent - die übrigen neun Prozent gehören der türkischen TPAO.

Grund für die Entscheidung für Nabucco sei das ausgereifte Konzept im Vergleich zum Konkurrenzprojekt SEEP gewesen, erklärten die Shah-Deniz-Partner. Sie seien zuversichtlich, dass die Pipeline rechtzeitig fertiggestellt werden könne.

Neben Nabucco ist nun noch die Pipeline TAP im Rennen um das Gas aus Aserbaidschan. Sie würde das Gas über eine südliche Route via Italien nach Europa bringen. Welches der beiden verbleibenden Projekte - Nabucco oder TAP - zum Zug komme, werde das Shah-Deniz-Konsortium bis Mitte 2013 entscheiden, hieß es in der Mitteilung.

Die Türkei und Aserbaidschan hatten am Dienstag ein Abkommen über den Bau ihrer sieben Mrd. Dollar teuren TANAP-Pipeline unterzeichnet. Sie soll pro Jahr 16 Mrd. Kubikmeter Gas aus dem Shah-Deniz-II-Feld in Aserbaidschan in die Türkei pumpen. 10 Mrd. davon sind für den europäischen Markt bestimmt. Die Türkei hat einen Anteil von 20 Prozent an der Pipeline, die restlichen 80 Prozent hält die staatliche aserbaidschanische Gasgesellschaft Socar.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa

Mehr zum Thema