Wirtschaft

Konzern gibt Internetballons auf Google droht Australien mit Abschalten der Suche

47194793.jpg

Google Australien auf einer Kunstausstellung in Sydney. (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Google zeigt fremde Internet-Inhalte, damit diese gefunden werden - und verdient gut daran. Australien will deshalb, dass Google lokale Medien am Gewinn beteiligt. Das findet der Konzern gar nicht witzig. Ein anderes Projekt streicht Google.

Der Internet-Riese Alphabet droht Australien mit der Abschaltung seiner Suchmaschine Google, sollte er zu Zahlungen an Medienunternehmen für Verbreitung von deren Inhalten verpflichtet werden. Der US-Konzern reagierte damit auf Pläne der australischen Regierung für neue Medien-Richtlinien, nach denen IT-Riesen wie Alphabet oder Facebook lokalen Medienunternehmen Geld zahlen müssen, wenn sie deren Inhalte verbreiten.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Internet-Riesen mit Verlagen und Sendern eine Nutzungsgebühr aushandeln sollen. Scheitern die Verhandlungen, soll ein staatlich bestellter Schiedsrichter die Gebühren festlegen. "Sollte diese Fassung der Medien-Richtlinien Gesetz werden, dann werden wir keine andere realistische Möglichkeit haben, außer die Google-Suchfunktion in Australien nicht mehr zugänglich zu machen", erklärte der für Australien und Neuseeland zuständige Alphabet-Manager Mel Silva in einer Anhörung des Senats-Ausschusses.

Projekt Loon aufgegeben

47641255.jpg

Noch schwebt er: ein Google-Ballon

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Google-Mutterkonzern Alphabet beendet seinen Versuch, entlegene Regionen mithilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen. Die dafür gegründete Tochterfirma Loon wird geschlossen. "Wir haben keinen Weg gefunden, die Kosten so weit zu senken, dass ein langfristig nachhaltiges Geschäft möglich wird", schrieb Loon-Chef Alastair Westgarth am Freitag in einem Blogeintrag.

Google hatte die großen Ballons, die wochenlang in der Luft bleiben können, bereits im Jahr 2013 vorgestellt. Die Idee war, dass entlegene und dünn besiedelte Gegenden sich auf diese Weise günstiger mit Internet versorgen lassen könnten als mit herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur. Zwischenzeitlich probierten Google und auch Facebook dafür zudem Drohnen aus, gaben diese Pläne aber relativ schnell auf.

Bei den Ballons sah Google dagegen durchaus Geschäftspotenzial. Unter dem Dach der später geschaffenen Konzernmutter Alphabet wurde das Projekt 2018 in die eigenständige Firma Loon gebracht. Erst im vergangenen Jahr startete Loon in Kooperation mit einem lokalen Netzbetreiber die Versorgung einer Region in Kenia.

Letzte Ballons fliegen noch

Mehr zum Thema

Loon musste enorme technische Herausforderungen überwinden: Die Ballons schweben umher und übermitteln Daten untereinander. Doch am Ende war es noch schwieriger, ein Geschäftsmodell aufzubauen. Internet-Zugänge wurden in den vergangenen Jahren in immer mehr Regionen verfügbar - und in den verbliebenen sind sie für die Einwohner zu teuer oder uninteressant.

Deshalb sei er zu dem Schluss gekommen, dass Loon nie einen Beitrag zu den Gewinnen des Konzerns leisten werde, sagte der Chef des Alphabet-Innovationslabors X, Astro Teller, dem Magazin "Wired". Er betrachte es trotzdem als erfolgreiches Experiment: "Wahres Versagen ist, wenn die Daten zeigen, dass man nicht das richtige tut - und man trotzdem weitermacht." Mehrere Dutzend Loon-Ballons sind noch in der Luft. Sie werden voraussichtlich im Laufe der kommenden neun Monate zur Erde absinken und sollen dann eingesammelt werden.

Quelle: ntv.de, shu/rts/dpa