Wirtschaft

Zitterpartie am Kapitalmarkt Italien muss mehr bieten

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"Wir haben keine Eile, uns bei diesen Zinsen zu refinanzieren": Vize-Wirtschaftsminister Vittorio Grilli, hier rechts neben Regierungschef Mario Monti.

(Foto: REUTERS)

Inmitten wachsender Sorgen vor einem neuen Aufflackern der Schuldenkrise in Europa wagt sich Italien mit einem ganzen Bündel frischer Schuldscheine an den Kapitalmarkt. Die Ergebnisse fallen nicht ganz so eindeutig aus wie erhofft. "Die Finanzierungsbedingungen werden härter", hält ein Beobachter fest.

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Immerhin: "Gut genug, um keine Panik auszulösen."

(Foto: dpa)

Das Euro-Land Italien - drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nach Deutschland und Frankreich - muss Investoren am Kapitalmarkt wieder mehr Zinsen für Staatsanleihen bieten.

Bei mehreren mit Spannung erwarteten Emissionen kam allerdings weitgehend glimpflich davon: Der italienische Staat sammelte knapp 4,9 Mrd. Euro am Kapitalmarkt ein.

"Die Auktion war nicht überragend, aber auch kein Desaster," sagte HSBC-Analyst Sebastian von Koss. Italien habe den Investoren zwar wieder mehr Zinsen bieten müssen, das sei angesichts der zuletzt steigenden Renditen am Sekundärmarkt aber keine Überraschung gewesen.

"Die Finanzierungsbedingungen für die Peripherie werden härter", betonte Zinsstratege Michael Leister von der DZ Bank. Die Risikoaufschläge von italienischen und spanischen Anleihen zu den richtungsweisenden deutschen Papieren dürften künftig eher wieder steigen, sagte Leister.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,18

An den US-Börsen ließen die Ergebnisse der Auktion Sorgen vor einer möglichen Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa abebben. "Die Renditen sind nicht optimal, aber gut genug, um keine Panik auszulösen", sagte Art Hogan von Lazard Capital Markets. Daten vom US-Arbeitsmarkt und die Wachstumsaussichten in China rückten schnell wieder in den Vordergrund.

Italien war zuletzt wie Spanien wieder stärker in den Fokus der Finanzmärkte gerückt. Die Refinanzierungskosten beider Staaten haben sich erneut erhöht und Nervosität bei Anlegern ausgelöst. Die Auktion wurde am Rentenmarkt jedoch positiv aufgenommen. Die Renditen zehnjähriger italienischer Papiere gaben leicht nach und notierten zuletzt bei 5,425 Prozent nach 5,541 Prozent im Vortagesgeschäft.

Rom sieht keinen Grund zur Eile

"Italien konnte fast alles platzieren und das ist auf jeden Fall eine gute Nachricht", sagte ING-Experte Alessandro Giansanti. Die Regierung sammelte mit dem Verkauf von Anleihen mit Laufzeit bis März 2015 knapp 2,9 Mrd. Euro ein - geplant waren bis zu 3,0 Mrd. Euro.

Die Regierung sieht sich dabei nicht unter Zeitdruck: "Wir haben keine Eile, uns bei diesen Zinsen zu refinanzieren", sagte Vize-Wirtschaftsminister Vittorio Grilli in Mailand. Die Auktion sei im Rahmen der Erwartungen verlaufen.

Allerdings hat sich die Finanzierung verteuert: Die durchschnittliche Rendite für die bis 2015 angebotenen Papiere kletterte auf 3,89 Prozent, nach zuletzt 2,76 Prozent. Es war der höchste Wert seit Mitte Januar. Zudem wurden weitere Anleihen mit Laufzeiten über drei, acht und elf Jahren im geplanten Volumen von 2,0 Mrd. Euro aufgestockt.

Für die Papiere mit Laufzeit bis 2023 musste Italien Investoren mit einer Rendite von 5,57 Prozent ködern. Werte ab sieben Prozent gelten als langfristig nicht mehr tragbar für die Finanzierung von Staatsfinanzen. Die kurz- bis mittelfristigen Staatspapiere profitierten zuletzt von der umfangreichen EZB-Spritze, die bis 2015 billiges Geld garantiert.

Quelle: ntv.de, rts