Wirtschaft

Radikaler Schritt Karstadt Kaufhof macht 62 Filialen zu

Es ist so weit: Die Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof verständigt sich mit Arbeitnehmer-Vertretern auf einen Sanierungsplan. Verdi zufolge dürften weniger Häuser als bislang gedacht geschlossen werden. Dennoch reagieren die Gewerkschafter enttäuscht.

Nach tagelangen Verhandlungen zwischen der Geschäftsführung und den Arbeitnehmervertretern, Gläubigern und Vermietern ist ein Sanierungsplan für die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof beschlossen worden. Der Betriebsrat zeigt sich gegenüber ntv über die Ergebnisse aber mehr als enttäuscht. Besonders die Kommunikation wird bemängelt. Man habe zwar gehört, dass 62 Filialen der Warenhauskette geschlossen werden sollen, eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber nicht. Auch welche Standorte betroffen sein werden, will die Geschäftsführung erst morgen direkt an den entsprechenden Standorten verkünden. Zuvor hatte es geheißen, 80 Häuser seien von der Schließung bedroht.

"Morgen verlieren Tausende von Menschen ihren Arbeitsplatz, und die Betriebsräte sind nicht darauf vorbereitet", bemängelt die langjährige Betriebsrätin und Mitglied des Verhandlungsgremiums, Iris Geiger, im ntv-Interview. Sie berichtet von schwierigen Gesprächen. "Ich habe mich hier in den vergangenen Tagen erpresst gefühlt", sagt Geiger, und das, obwohl der Betriebsrat auch einige Erfolge erzielt habe. So sei der 10-prozentige Personalabbau vom Tisch, sowie die Arbeitszeitflexibilisierung und die Verlängerung des Sanierungstarifvertrags bis 2026.

Die Gewerkschaft stellt sich nun auf lange Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag und ein Zukunftskonzept ein. Diese würden "open end" fortgeführt, darauf hätten sich die Tarifvertragsparteien geeinigt, teilte Verdi mit. Eine Stellungnahme der Unternehmensführung lag zunächst nicht vor. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte, es müsse für die Beschäftigten zumindest "Zukunftsperspektiven in einem nachhaltigen Warenhauskonzept" geben. Verdi fordert eine Transfergesellschaft, um die Folgen der Schließungen für die Beschäftigten abzufedern.

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Verdi zufolge sollen weniger Filialen geschlossen werden, als es bislang geheißen hatte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Handelsriese musste angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der vorläufige Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz kündigten danach an, dass im Zuge der Sanierung bis zu 80 der 172 Warenhäuser geschlossen werden könnten.

Im Mai sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz: "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen." Die angekündigten Filialschließungen dürften in den betroffenen Kommunen für erhebliche Unruhe sorgen.

Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Der Sanierungsplan muss bis Ende des Monats vorliegen, um ein reguläres Insolvenzverfahren zu vermeiden. Verdi dringt in den Verhandlungen auf einen Sozialtarifvertrag, die Bildung einer Transfergesellschaft sowie einen Tarifvertrag für "gute und gesunde Arbeit". Der Konzern und zahlreiche seiner Immobilien gehören der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors René Benko.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/rts