Wirtschaft

Wo ist Nicolas Berggruen? Karstadt brechen die Umsätze weg

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Mit leeren Händen: Im Moment hat Nicolas Berggruen nichts übrig für Karstadt.

picture alliance / dpa

Der einst gefeierte Karstadt-Retter Nicolas Berggruen steht in Deutschland vor einem Scherbenhaufen. Interne Unterlagen belegen: Der Kaufhauskette brechen die Umsätze weg. Der Jahresauftakt enttäuscht, die Beschäftigten sind wegen einer Zwangs-Tarifpause auf den Barrikaden. Aber von Berggruen ist nichts zu sehen.

Als der deutsch-amerikanische Investor, Milliardär und Kunstmäzen Nicolas Berggruen den insolventen deutschen Traditionskonzern Karstadt 2010 für einen symbolischen Euro kaufte, wurde er als Retter gefeiert. Keine drei Jahre später ist die Partystimmung verflogen, Katerstimmung macht sich breit. Berggruens Rechnung scheint nicht aufzugehen. Karstadt leidet weiter unter Umsatzschwund. Gleichzeitig gehen die Beschäftigten der kriselnden Warenhauskette gegen den Ausstieg des Unternehmens aus der Tarifbindung auf die Barrikaden.

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise meldet, sanken die Erlöse beim Warenhauskonzern im Geschäftsjahr 2011/12 auf 3,1 Mrd. nach rund 3,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Seit dem Beginn des laufenden Geschäftsjahres Anfang Oktober bis April 2013 soll der Umsatz um zehn Prozent auf 1,8 Mrd. Euro gefallen sein. Die Meldungen über den grassierenden Schwund beim Warenhauskonzern sind nicht neu. Bislang hat sich Karstadt aber nicht zu den Informationen oder zu den möglichen Auswirkungen auf das Ergebnis äußern wollen.

Tatsache ist, im Geschäftsjahr 2010/11 fiel unter dem Strich ein Fehlbetrag von 20,8 Mio. Euro an, was Karstadt noch auf Sanierungskosten zurückführte. Die Bilanz für das Geschäftsjahr hatte der Kaufhof-Konkurrent erst verspätet Mitte Februar vorgelegt, Zahlen für 2011/12 wurden noch nicht veröffentlicht.

Warnstreik gegen Ausstieg aus Tarifbindung

Branchenexperten sehen für Karstadt rot. Erst vergangene Woche hatte der Konzern eine zweijährige "Tarifpause" angekündigt, damit das Unternehmen "vollständig gesunden" könne. Heute wollen die Beschäftigten der Karstadt-Filiale im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach aus Protest dagegen in einen befristeten Warnstreik treten. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, sind Demonstrationen nach einer Betriebsversammlung am Morgen geplant.

Verdi kritisierte, die Geschäftsleitung von Karstadt sei "blitzartig aus der Tarifbindung geflüchtet und möchte ihren  Beschäftigten zukünftige Einkommenserhöhungen verweigern". Die Gewerkschaft fordert von Berggruen verstärkte Anstrengungen für eine Sanierung des Warenhauskonzerns. "Eigentum verpflichtet", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft.

Berggruen müsse einen finanziellen Beitrag leisten, schließlich habe die Belegschaft seit 2004 bereits einen in Höhe von mehr als 650 Mio. Euro erbracht. Der Konzern hüllte sich derweil in Schweigen. Im Einzelhandel laufen derzeit auch Tarifverhandlungen für die gesamte Branche, die Gewerkschaft hatte bereits mehrfach zu Warnstreiks aufgerufen.

Der Spardruck wächst

Medien hatten vergangene Woche unter Berufung auf Betriebsräte berichtet, Vorstandschef Andrew Jennings habe mit dem Abbau von 1000 Stellen gedroht, um den Ausstieg aus der Tarifeinigung durchzusetzen. Ein Karstadt-Sprecher dementierte das jedoch. Jennings habe vielmehr gesagt, ein Stellenabbau sei falsch und nicht die richtige unternehmerische Entscheidung.

Beobachter rechnen damit, dass Karstadt auch im laufenden Jahr Verluste schreiben dürfte. Die Erlöseinbußen im laufenden Geschäftsjahr seien kaum mehr wettzumachen. Unternehmenschef Andrew Jennings wäre damit mit seiner 2012 gestarteten "Herbstoffensive" gescheitert. Auch zu dieser Einschätzung wollte sich der Konzern laut "Handelsblatt" nicht äußern.

Karstadt hatte 2009 Insolvenz angemeldet und wurde im Herbst 2010 vom Milliardär Berggruen übernommen. Für die Rechte am Namen "Karstadt" soll er damals fünf Mio. Euro bezahlt haben. Angeblich soll das Unternehmen heute dafür teuer bezahlen. Gewerkschafter klagen, dass vom "Gutmenschen" Berggruen in der Stunde der Not wenig zu hören und zu sehen sei. Er investiere praktisch kein Geld in den Konzern, obwohl seine Holding, in der alle seine Aktivitäten gebündelt sind, über zwei Milliarden Dollar Eigenkapital verfüge, heißt es.

Berggruen macht sich rar

In letzter Zeit ist Berggruen in der Tat eher in anderer Mission unterwegs. Statt in Sachen Karstadt macht er als Welterklärer und Erneuerer des Westens von sich reden. Ende Mai lädt er zum Kongress "Europe - next steps" nach Paris, wo er eine Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa starten will. Anfang Juni präsentiert er mit dem US-Publizisten Nathan Gardels die deutsche Übersetzung seines Buches "Intelligent Governance for the 21st Century" - "Klug regieren. Politik für das 21. Jahrhundert". Wer eine so große Sicht auf die Dinge hat, für den verblasst das Schicksal von Karstadt möglicherweise zum Detail.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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