Wirtschaft

Regling sieht Gefahr "bei Null" Keiner verlässt den Euro-Raum

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Die europäischen Geldpolitiker tun das, was sie tun müssen: Alle Zweifel am Euro abwiegeln. Die Gefahr eines Scheiterns liege "bei Null", sagt der Chef des Rettungsschirms, Regling. Kein Land werde freiwillig den Euro abgeben. Bundesbankpräsident Weber kündigt an, Europa werde Angriffen auf den Euro notfalls auch mit noch mehr Geld entgegentreten.

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Laut Regling gibt es bereits 150 Ineressenten für die Anleihen des Euro-Rettungsschirms.

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Die Finanzkrise in der Eurozone hat durch die Schieflage in Irland noch einmal eine neue Qualität bekommen. Trotzdem rechnet der Chef des Euro-Rettungsschirmes (EFSF), Klaus Regling, nicht mit einem Auseinanderbrechen des Währungsraumes. "Dass der Euro scheitert, ist unvorstellbar," sagte Regling in einem Interview mit der "Bild-Zeitung". Die Gefahr liege "bei Null".

Kein Land werde freiwillig den Euro abgeben. "Für schwächere Länder wäre das wirtschaftlich Selbstmord, ähnlich für die stärkeren Länder. Und politisch wäre Europa ohne Euro nur die Hälfte wert", betonte der Regling.

Märkte boykottieren Irland

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Irland geht mit seinem Sparpaket ans "Eingemachte". Den Menschen stehen harte Zeiten bevor.

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Die aktuelle Lage in Irland bezeichnete der EFSF-Chef als "ernst". Kaum noch einer kaufe irische Staatsanleihen. Es gebe einen Käuferstreik. "Die großen internationalen Anleger wollen derzeit Irland nicht mehr das Geld leihen, das es braucht", sagte Regling. "Wir erleben nicht wilde Spekulation sondern Käuferstreik." Regling zeigte sich besorgt, die Krise könnte sich auf andere Euro-Staaten ausweiten. Es gebe "eine gewisse Unsicherheit", sagte der Rettungsschirm-Chef.

Knirps oder Sonnenschirm?

Nach seinen Worten verfügt der Rettungsschirm aber über ausreichende Finanzmittel. "Der Rettungsschirm wäre groß genug für alle. Und er verschafft den betroffenen Staaten die Zeit, die sie brauchen, um Wirtschaft und Finanzen wieder in Ordnung zu bringen", sagte Regling mit Blick auf Irland, Portugal und Spanien. Die Probleme seien in jedem einzelnen Fall aber andere, "mal ein viel zu großer Bankensektor, mal Wachstumsschwäche".

Auf die Frage, ob auch Italien oder Frankreich in Gefahr seien, sagte Regling: "Das glaube ich auf keinen Fall. Italien ist gut durch die Krise gekommen, hat sein Etatdefizit im Griff. Und Frankreich hat dieselbe Kreditwürdigkeit wie Deutschland."

Rege Nachfrage nach Eurozonen-Bond

Die vom Euro-Rettungsschirm geplante Ausgabe von Anleihen für überschuldete Staaten stößt offenbar auf reges Interesse. "Ich habe inzwischen mit 150 der größten Anleger der Welt, darunter Staatsfonds, Pensionskassen, Zentralbanken, Versicherungen und Banken gesprochen. Die sind alle sehr interessiert", sagte Regling. Der EFSF-Chef warnte zugleich die Euro-Staaten, sich in die irische Wirtschafts- und Steuerpolitik einzumischen.

 Steuererhöhungen müssten zwar geprüft werden. "Aber die anderen EU-Staaten sollten Irland nicht dazu zwingen, eine ganz bestimmte Steuer anzuheben. Steuerfragen sind in nationaler Hoheit und wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit", sagte Regling mit Blick auf die umstrittene, niedrige Unternehmenssteuer in Irland von 12,5 Prozent.

Deutschland werde mit seinen Hilfen für überschuldete Euro-Staaten per Saldo Hunderte Mio. Euro im Jahr verdienen, fügte er hinzu. Danach werde der Bundeshaushalt in den kommenden Jahren erhebliche Einnahmen erzielen.

Weber: Notfalls wird aufgestockt

Auch Bundesbankpräsident Axel Weber vertritt ein starkes Europa. "Ein Angriff auf den Euro hat keine Chance auf Erfolg", sagte Weber. Anders als Regling spricht er aber bereits über die Möglichkeit einer Aufstockung des Rettungsschirms, falls die Mittel durch weitre Rettungsmaßnahmen aufgebracht werden.

"Wenn der Beitrag nicht ausreicht, könnten wir ihn erhöhen", sagte Weber, der auch Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) ist.

Quelle: n-tv.de

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