Wirtschaft

So muss ein Markt funktionierenLasst die Spritpreise steigen!

04.03.2026, 17:26 Uhr
imageEin Kommentar von Max Borowski
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Preise haben gerade in Krisenzeiten eine wichtige Funktion, um Angebot und Nachfrage zu steuern. (Foto: picture alliance / ZB)

Die Mineralölkonzerne nutzen die Iran-Krise, um die Preise an deutschen Tankstellen zu erhöhen. Das fühlt sich ungerecht an. Doch das ist kein Marktversagen, sondern erfüllt eine wichtige Funktion. Staatliches Eingreifen wäre kontraproduktiv und unsozial.

Die steigenden Preise an den Tankstellen sorgen in Deutschland für Empörung. Ja, die Mineralölkonzerne machen gerade Kasse: Sie verkaufen Kraftstoff zu stark erhöhten Preisen, bei dessen Herstellung sie vom steigenden Rohölpreis infolge des Iran-Kriegs noch gar nichts gespürt hatten. Sie setzen die Preise schon einmal herauf in Erwartung höherer Kosten, die sie erst in mehreren Wochen oder Monaten tatsächlich treffen werden. Die Differenz streichen sie als zusätzlichen Gewinn ein.

Muss es da nicht wettbewerbswidrige Absprachen gegeben haben? Keinesfalls: Diese Preiserhöhungen sind eine rationale Entscheidung von profitorientierten Unternehmen. Sie haben ein Produkt – den fertigen Kraftstoff – bei dem sie anhand der Entwicklung am Persischen Golf und an den Rohstoffbörsen ausgehen können, dass es in den kommenden Wochen wertvoller werden dürfte. Warum sollten sie dieses Produkt zu gleichen, relativ günstigen Preisen wie bisher verkaufen, anstatt es entweder aufzuheben, bis die Verknappung oder Verteuerung eintritt, oder gleich den Preis zumindest etwas anzuheben?

Natürlich fühlt es sich ungerecht an, dass diese nun wirklich nicht notleidenden Mineralölkonzerne mehr Geld verlangen, nur weil sie es eben können. Ist das nicht Marktversagen? Im Gegenteil: Die aktuelle Situation ist ein Beispiel für einen im besten Sinne funktionierenden Markt.

Indem Sie die Preise jetzt erhöhen, dämpfen die Anbieter die Nachfrage. Das Absatzvolumen sollte zurückgehen oder aber zumindest nicht steigen. Schauen wir uns ein Alternativszenario an, dass sich offenbar manche in Deutschland wünschen: Wenn die Anbieter die Preise nicht beliebig erhöhen dürften oder gar der Staat die Preise mit Subventionen wie dem "Tankrabatt" von 2022 zunächst niedrig hält, würde die Nachfrage stabil bleiben oder in Erwartung einer späteren Verteuerung wahrscheinlich sogar stark steigen. Tritt dann die zu erwartende Verknappung tatsächlich ein, führt sie zu einem umso härteren Schock. Schnelle Preiserhöhungen könnten dagegen für einen Puffer sorgen.

Der Markt kann keineswegs alles allein regeln. Die Wohnungskrise etwa wird aufgrund der Inflexibiliät sowohl der Nachfrage als auch des Angebots und ihrer großen sozialen Bedeutung ohne staatliche Regulierung und Subventionen nicht zu lösen sein. Beim Sprit sind allgemeine Subventionen wie der "Tankrabatt" dagegen eine sozial unsinnige Verteilung von unten nach oben und für das Funktionieren des Marktes kontraproduktiv. Autofahrer sind eine im Durchschnitt materiell sehr gut gestellte Gruppe. Wenn es vereinzelt besondere soziale Härten oder Schwierigkeiten bei Unternehmen durch hohe Kraftstoffpreise geben sollte, müssen diese durch gezielte Hilfen im Einzelfall gemildert werden - auf keinen Fall durch die Verteilung von Subventionen mit der Gießkanne, die das Funktionieren des Marktes beeinträchtigen.

Quelle: ntv.de