Wirtschaft

Erst Milliardenkauf - dann Umzug Medtronic zieht es ins "Steuerparadies"

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(Foto: picture-alliance/ ZB)

Es ist ein Deal der Superlative: Der US-Medizintechnikspezialist Medtronic baut seine Position mit dem Kauf des Konkurrenten Covidien aus. Dafür wird ein mittlerer zweistelliger Milliarden-Betrag fällig - um künftig auch massiv Steuern zu sparen.

Der US-Medizintechnikspezialist Medtronic will mit einem Mega-Deal seinen Wettbewerber Covidien übernehmen. Für den Kauf werden rund 42,9 Milliarden Dollar (rund 31,7 Milliarden Euro) fällig, wie beide Unternehmen mitteilten. Die Transaktion soll im vierten Quartal 2014 oder Anfang 2015 abgeschlossen sein. Dabei geht es Medtronic auch darum, die hohen Unternehmenssteuern in den USA zu umgehen. Der Deal steht aber noch vor vielen Hürden, er muss von einer ganzen Reihe von Regulierern auf der ganzen Welt abgesegnet werden.

Aktionäre von Covidien sollen für eine Aktie einen Gegenwert von 93,22 Dollar je Aktie erhalten - davon 35,19 Dollar in bar sowie 0,956 Medtronic-Aktien. Das entspricht einem Aufschlag von 29 Prozent auf den Schlusskurs der Covidien-Aktie. Nach Abschluss der Transaktion würden die Covidien-Aktionäre 30 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Am Markt sind Covidien mit etwa 32 Milliarden Dollar und Medtronic mit rund 61 Milliarden Dollar bewertet. Beide Unternehmen sind auch in Deutschland aktiv.

USA mit höchsten Steuersätzen

Medtronic stellt unter anderem Herzschrittmacher, Herzklappen und Insulinpumpen her. Medtronic hatte 1960er Jahren einen der ersten implantierbaren Herzschrittmacher entwickelt. Das in Irland ansässige Unternehmen Covidien ist unter anderem auf chirurgische Instrumente und Produkte für die Intensivmedizin spezialisiert.

In der Folge wird Medtronic seinen Sitz nach Irland verlagern und sich damit Steuervorteile verschaffen. Dieses Ziel hatte zuletzt bereits bei einer ganzen Reihe von Fusionen in der Branche eine Rolle gespielt. Die Unternehmen hoffen so, dem Sparkurs im Gesundheitssektor teilweise begegnen zu können. Die Insel lockt seit den 60er Jahren US-Konzerne mit günstigen Steuersätzen. In Irland beträgt die Unternehmenssteuer 12,5 Prozent - in den USA sind es 35 Prozent und mit die höchsten der Welt. Der "operative Hauptsitz" aber wäre in Minneapolis, wo Medtronic derzeit seinen Sitz hat.

Medtronic beschäftigt weltweit 45.000 Mitarbeiter. Die Deutschland-Zentrale ist in Meerbusch bei Düsseldorf angesiedelt. Hierzulande konkurriert das US-Unternehmen mit der Berliner Firma Biotronik. Bei Covidien arbeiten weltweit rund 41.000 Menschen, rund 850 davon im bayerischen Neustadt. Das Unternehmen beschäftigt viele seiner Manager an seinem US-Sitz in Mansfield im Bundesstaat Massachusetts.

Lieber Schulden als Steuern

Der US-Konzern verfügte im April über 14 Milliarden Dollar an Barmitteln, einen Großteil davon außerhalb der USA. Mit dem Deal könnte er zum einen diese Mittel einsetzen und zum anderen sein Versprechen erfüllen, die Hälfte seines freien Cashflows an die Aktionäre zu verteilen. Das sei tatsächlich einer der Hauptgründe für die geplante Übernahme, sagte eine mit der Sache vertraute Person.

Bisher hat Medtronic lieber Milliarden Dollar an neuen Schulden aufgenommen, um Aktienrückkäufe zu finanzieren und Dividenden zu zahlen, anstatt die Gewinne aus dem Ausland zurück in die USA zu bringen. Im Januar beliefen sich die langfristigen Schulden auf 9,6 Milliarden Dollar.

Im April hatte der für seine künstlichen Hüft- und Kniegelenke bekannte US-Medizintechnik-Konzern Zimmer Holdings bekanntgegeben, für 13,35 Milliarden Dollar den Rivalen Biomet erwerben zu wollen. Der Zukauf ist der jüngste einer ganzen Reihe solcher Vorhaben in der Gesundheitsbranche. Zuletzt war jedoch der US-Konzern Pfizer mit seiner rund 120 Milliarden Dollar schweren Offerte für AstraZeneca aus Großbritannien gescheitert. Auch hier hatten die Amerikaner zum Ziel, mit einer Verlagerung des Firmensitzes nach Europa Steuern zu sparen.

Mitte Juni war Medtronic auch als möglicher Käufer des britischen Medizintechnik-Spezialisten Smith & Nephew ins Gespräch geraten. Die Spekulationen um eine Übernahme hatten sich schließlich mit dem Einstieg bei Covidien erledigt.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/rts/DJ

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