Wirtschaft

Wenn ein Kartell zerstritten ist Opec uneins über Förderquoten

Die Opec macht derzeit den Ölpreis. Weil die Mitgliedsländer des Kartells sich nicht auf eine gemeinsame Linie bei den Förderquoten einigen können, klettert der Preis für das "schwarze Gold" deutlich. Erst im Dezember ist das nächste Treffen angesetzt. Zeit für weitere Spekulationen.

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Opec-Treffen: Beratungen in großer Runde (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Opec-Gespräche über eine Ausweitung der Öl-Fördermengen sind überraschend an den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder des Kartells gescheitert. Der Öl-Preis stieg daraufhin kräftig an und die Hoffnungen großer Industrieländer wie Deutschland und den USA auf billigeres Öl und damit weniger Inflationsdruck platzen. "Das war eines der schlimmsten Treffen, das wir je hatten", zeigte sich der saudiarabische Ölminister Ali al-Naimi entsetzt. Ein ranghoher Delegierter sagte, das Scheitern bedeute zunächst das Ende des bisherigen Systems der Förder-Quoten.

Saudi-Arabien, das die Anhebung auch auf Druck der USA gefordert hatte, kündigte eine Ausweitung seiner Produktion auch ohne Opec-Beschluss an. Das Land ist das einzige der Organisation, das seine Kapazitäten in größerem Umfang ausbauen kann und setzt sich normaleweise mit seinen Vorschlägen durch. Diesmal konnten sich aber die politischen Gegner der USA - Iran und Venezuela - durchsetzen. Analysten zufolge gibt es in der Opec zudem Rivalitäten wegen der Unruhen in Nordafrika.

Auch Irak gegen höhere Förderquoten

Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri sagte nach dem Treffen der zwölf Mitgliedsländer in Wien, Algerien, Libyen, Angola, Ecuador, Venezuela, Irak und der Iran hätten ein Aufdrehen des Ölhahns abgelehnt. Vor dem Opec-Treffen hatten Mitglieder aus der Golfregion noch eine Ausweitung gefordert, um dem höheren Ölpreis und damit verbundenen Inflationsgefahren zu begegnen. Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar stimmten auf dem Treffen für eine Anhebung, Nigerias Position war unklar. Angedacht war eine Steigerung der Produktion um etwa 1,5 Millionen Barrel auf 30,3 Millionen Barrel pro Tag. Darin ist auch die Förderung des Irak enthalten. Das Land muss sich an keine Vorgaben halten.

Öl, Light Sweet Crude
Öl, Light Sweet Crude 59,56

Als kritische Marke für den Ölpreis gilt 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Nach der Bekanntgabe des offenen Dissens in der Opec schnellte der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um 1,2 Prozent auf mehr als 118 Dollar hoch, US-Öl verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 101,70 Dollar.

USA enttäuscht

Die USA reagierten besorgt. Man sei bezüglich der Auswirkungen auf den Ölpreis beunruhigt und behalte sich alle Möglichkeiten vor, um auf Teuerungen zu reagieren, sagte Vize-Sicherheitsberater der USA, Michael Froman. Die Internationale Energie-Agentur IEA äußerte sich ähnlich. "Wir haben mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass die Opec-Mitglieder heute nicht auf die Notwendigkeit verständigen konnten, dem Markt mehr Öl zugänglich zu machen", hieß es.

Das Opec-Sekretariat rechnet damit, dass in der zweiten Jahreshälfte die Nachfrage die Opec-Förderung um 1,7 Millionen Barrel täglich übertrifft. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fördert etwa ein Drittel des weltweiten Öls. Venezuela begründete sein Nein mit den Unsicherheiten bezüglich der Nachfrage. Der Iran erklärte, die Sicht der Mehrheit, wonach die derzeitige Förderung ausreiche, sei richtig. "Es gibt keinen Angebotsmangel beim Öl." In zwei oder drei Monaten könne darüber erneut nachgedacht werden. Ein Treffen im Spätsommer wurde aber nicht vereinbart. Regulär trifft sich die Opec laut Naimi am 14. und 15. Dezember.

Nahost-Krise spielt eine Rolle

Analysten begründeten den Fehlschlag auch mit den unterschiedlichen Positionen der Opec-Mitglieder zu den Unruhen und Aufständen im Nahen Osten und Nordafrika. "Ein Faktor sind die unterschiedlichen Marktansichten. Ein anderer ist die Politik", sagte Samuel Ciszuk von IHS. So unterstützt Katar die libyschen Rebellen. Saudi-Arabien verärgerte den Iran, als es Bahrain im Kampf gegen Aufständische zur Seite sprang.

Quelle: n-tv.de, rts