Wirtschaft

Parship-Chef Marc Schachtel Partnersuche "ist ein wenig unromantisch geworden"

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"Wir haben eine No-Filter-Policy eingeführt", sagt Marc Schachtel.

"Wir haben eine No-Filter-Policy eingeführt", sagt Marc Schachtel.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Online-Dating wird immer üblicher. Der Anteil derer, die ihre Partnerin oder ihren Partner im Netz finden, steigt von Jahr zu Jahr. "Die Beziehungsfindung ist ein bisschen rationaler geworden", sagt Parship-Chef Marc Schachtel und erklärt, was er gegen Ghosting und Benching unternimmt.

Es wird gerade viel über Krisen, über Probleme und Sorgen gesprochen. Ist das eine gute Zeit für Online-Dating?

Marc Schachtel: Grundsätzlich ist immer eine gute Zeit für gute Beziehungen. Gerade in Krisen sehnen sich die Leute danach. Wir haben aber auch Herausforderungen, die über die letzten Jahre gewachsen sind im Online-Dating, deren wir uns sehr bewusst sind.

Sie haben diese Probleme vor etwa anderthalb Jahren in einem Interview sehr deutlich angesprochen und fast eine Art Warnruf ausgestoßen. Sie haben gesagt, es gebe problematische Entwicklungen im Online-Dating, bei denen sie gegensteuern möchten.

Allerdings. Wir haben uns damals im Ausklingen der Pandemie gefragt, was sich in Deutschland gesellschaftlich beim Dating getan hat. Wir haben einige Dinge gesehen - Ghosting, Benching, wie auch immer man das nennen möchte - die durch die rasante Digitalisierung beschleunigt wurden und denen wir entgegenwirken wollten.

Beim Ghosting meldet sich der Online-Kontakt plötzlich einfach nicht mehr, beim Benching werden Menschen praktisch auf eine virtuelle "Reservebank" gesetzt, während nach anderen Kontakten gesucht wird. Was haben Sie verändert, um dem entgegenzuwirken?

Wir haben festgestellt, dass gerade die Erstnachrichten sehr unverbindlich waren, was die Leute ermüdet hat. Sie bekamen immer die gleiche Nachricht, fühlten sich behandelt wie in einem Marketingsystem. Deshalb haben wir verhindert, dass man in den Erstnachrichten Texte einfach per Copy-Paste einsetzen kann. Wir haben eine Mindestlänge für die Erstnachrichten eingeführt. Dadurch hat sich die Antwortquote auf die Erstnachrichten signifikant verändert.

Es kamen also mehr Rückmeldungen?

Es sind weniger lapidare Erstnachrichten geschrieben worden, und dafür stieg dann die Antwortquote. Unser Ziel war es, die Qualität der Kommunikation zu verbessern, und da haben wir einen deutlichen Sprung gesehen.

Ist das alles, was Sie getan haben?

Wir haben auch eine No-Filter-Policy eingeführt. Wir haben im Grunde gesagt, dass es keine manipulierten Fotos geben soll, weil das ja auch nichts bringt: Irgendwann trifft man sich, und dann will sich niemand dafür schämen, dass er plötzlich komplett anders aussieht.

Ist das nicht ein technischer Wettlauf, der kaum zu gewinnen ist? Wir sprechen jetzt schon über Künstliche Intelligenz und andere Methoden, mit denen Bilder noch besser manipuliert werden können.

Natürlich können wir da nur zu einem gewissen Grad gegensteuern. Wir versuchen das, und wir haben auch manuelle Prozesse, um Betrug zu erkennen. Ganz ausschließen kann man das natürlich nie. Aber Machine Learning und Künstliche Intelligenz lassen sich auch nutzen, um dagegen vorzugehen. Es ist ein kontinuierliches Wettrüsten. Das war schon immer so.

Man könnte ja auch fragen: Warum machen Sie das alles? Viele Plattformbetreiber sagen ja, es sei nicht ihre Verantwortung, was an Inhalten verbreitet wird.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir selbst eine Verantwortung haben. Ich arbeite extrem gerne für ein Unternehmen, das Werte hat. Es gibt nichts Schöneres, als Briefe von Leuten zu bekommen, die eine glückliche Beziehung gefunden haben. Wir verändern am Ende Leben.

Trotz allem wollen Sie mit dem Angebot auch Geld verdienen. Es ist ein Geschäftsmodell.

Natürlich wollen wir Geld damit verdienen. Es gibt in unserer Gruppe ja verschiedene Marken mit unterschiedlichen Bezahlmodellen. Es gibt werbefinanzierte Modelle, wir haben das rein Abo-basierte Parship in Deutschland. Aber da ist ja auch ein Wert dahinter. Man zahlt im Schnitt zwischen 10 und 30 Euro im Monat, je nach Angebot. Und wer auf diese Weise die Liebe seines Lebens findet, der würde nie sagen, dass ihm das zu teuer war. Gutes tun und Geld verdienen schließt sich ja nicht aus.

Wer mit einem Abo-Modell arbeitet, müsste ein Interesse daran haben, dass das Abo möglichst lange dauert. Und wenn jemand die Liebe seines Lebens gefunden hat, dann braucht er das Abo nicht mehr.

Es hätte Parship in Deutschland sicher nicht so lange gegeben, wenn wir nicht diesen Qualitätsanspruch hätten. Klar, wir wollen Abos verkaufen, aber das hat keinen Einfluss auf die Leistung. Das am meisten gewählte Abo dauert 12 Monate. Weil Partnersuche ja nicht innerhalb kürzester Zeit stattfindet. Und auch, weil dann der Zeitdruck nicht so groß ist. Wir gucken aber nicht danach, dass wir jemanden möglichst lange im Abo behalten.

Das 12-Monats-Abo verlängert sich automatisch?

Ja, allerdings im Prinzip immer nur um einen Monat.

Die Plattformen in Ihrer Unternehmensgruppe arbeiten in sehr verschiedenen Märkten, zum Beispiel auch in den USA. Gibt es da eigentlich Unterschiede in den Interessen der Nutzer?

Wir sind ja ein in Deutschland gewachsenes Unternehmen, das sein Modell auch in die USA übertragen konnte. Und wir waren auch gespannt und haben uns genau diese Frage gestellt. Das Interessante ist: Es ist sehr universell, wie die Menschen nach Beziehungen und Nähe streben.

Tragen die Online-Formate dazu bei, dass die Partnersuche immer strukturierter wird? Die geben immerhin schon eine Struktur vor.

Sie tragen dazu bei, dass die Hürde sinkt. Das merken wir schon. In allen unseren Kernmärkten wird über die Hälfte der neuen Beziehungen online angebahnt. Das ist ein anderer Weg, man muss nicht mehr in die Disco oder in die Bar gehen, um jemanden kennenzulernen. Die Beziehungsfindung ist anders, ein bisschen rationaler. Es ist vielleicht ein wenig unromantisch geworden. Das ist eigentlich schade und muss nicht sein. Aber auch dem wollen wir entgegenwirken.

Mit Marc Schachtel sprach Nils Kreimeier

Das Gespräch wurde zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • · Was die Corona-Pandemie für Parship bedeutete
  • · Wie Dating in den USA funktioniert
  • · Welche Rolle Künstliche Intelligenz beim Dating spielt

Alle Folgen finden Sie direkt bei RTL+, oder Apple, Spotify und Google.

Quelle: ntv.de

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