Wirtschaft

Immobilienpreise steigen kräftig Platzt der Traum vom Eigenheim?

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Die Immobilienpreise klettern seit einigen Jahren deutlich stärker als die Löhne. Von umso größerer Bedeutung ist die künftige Zinsentwicklung für den Immobilienkauf.

Der Traum vom eigenen Haus wird für viele Normalverdiener immer schwerer zu verwirklichen. Die neue Große Koalition versucht ein bisschen gegenzusteuern und führt die Eigenheimzulage wieder ein. Sie heißt diesmal Baukindergeld. "Mit einer Finanzspritze von 12.000 Euro je Kind, gestückelt über zehn Jahre, wollen die Parteien Familien helfen, den Sprung in die eigenen vier Wände zu schaffen", sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim britischen Broker ActivTrades. Kann das Unterfangen gelingen?

Beim Blick auf die Häuserpreise dürfte es aber vielen potenziellen Käufern schwindelig werden. Laut dem Postbank Wohnatlas sind die Preise im Jahr 2017 im Bundesdurchschnitt inflationsbereinigt um 5,5 Prozent gestiegen. Inklusive der Inflation lag das Plus also bei 7,3 Prozent. Der Postbank Wohnatlas ist eine jährlich erscheinende Studie, die den hiesigen Immobilienmarkt bis auf Kreisebene beleuchtet. "Da im gleichen Zeitraum die Tariflöhne um lediglich 2,3 Prozent gestiegen sind, ist die Schere zwischen der Entwicklung der Häuserpreise und der Löhne weiter auseinandergegangen. Damit hat sich der Negativtrend der vergangenen Jahre fortgesetzt", sagt ActivTrades-Experte De Casa. Vielen Normalverdienern fällt es somit immer schwerer, genügend Eigenkapital für die eigene Wohnung oder das Haus anzusparen.

"Für den Preisauftrieb bei Immobilien sorgt weiter die anhaltende Niedrigzinsphase, die das sogenannte Betongold bei Sparern und Investoren zu einer gefragten Anlage macht. Dabei profitieren besonders die zentralen Lagen in und um den Metropolen", sagt Eva Grunwald, Bereichsleiterin für das Immobiliengeschäft Privatkunden bei der Postbank.

München liegt an der Spitze

Laut der Studie ist München weiterhin mit großem Abstand das teuerste Pflaster hierzulande. Demnach mussten Immobilienkäufer 6.789 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in der bayerischen Landeshauptstadt bezahlen. Das war ein Anstieg um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da kostet ein Haus mit 100 Quadratmetern schnell knapp 700.000 Euro. "Dabei mussten Interessenten für ein derartiges Haus bereits 2016 das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von 21 Jahren auf den Tisch legen", beschreibt Jochen Stanzl, Chefstratege bei CMC Markets, die Relation von Hauspreis zu Einkommen.

Mit 4501 Euro pro Quadratmeter belegte Frankfurt am Main 2017 den zweiten Platz, wobei die Immobilienpreise um 11,1 Prozent nach oben geschossen sind, so der Postbank Wohnatlas. Drittplatzierter ist Hamburg mit 4212 Euro - einem Plus von 6,6 Prozent. Noch deutlich stärker sind die Preise in anderen Metropolen geklettert, so stand in Berlin ein Anstieg um 11,4 Prozent zu Buche. Der Preisanstieg hat aber auch von den Metropolen auf die umliegenden Gebiete übergegriffen. So waren laut der Studie die Immobilien im Landkreis Erding (Oberbayern) 2017 um 20,8 Prozent nach oben geschossen.

Kein Ende der Preisspirale in Sicht

Ob sich Interessenten ein Häuschen leisten können, hängt neben dem Einkommen von der Zinsentwicklung ab. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB ihr Anleihenkaufprogramm ab Oktober allmählich auslaufen lassen und im Dezember einstellen könnte. Dadurch könnten die Zinsen steigen. Sollten Investoren aufgrund eines Handelskrieges mit den USA allerdings in Anleihen flüchten, könnte der Zinsanstieg gebremst oder gar ganz aufgehoben werden. Steigende Anleihenkurse wären dann die Folge, was wiederum fallende Zinsen bedeutet.

In diesem Umfeld könnte der Preisanstieg bei Immobilien ungebremst weitergehen. Einige Experten erwarten sogar, dass der Trend noch ein paar Jahre anhalten könnte. "Die Überbewertungen und das Risiko einer ausgewachsenen Preisblase im deutschen Häusermarkt steigen. Bis der Preisgipfel erreicht wird, dürften - zumindest in den meisten Metropolen - noch einige Jahre vergehen", meint zumindest Jochen Möbert, Analyst bei der Deutschen Bank. Voraussetzung für das Traumhaus sind aber weiterhin niedrige Zinsen, jedenfalls für Otto-Normalverdiener.

Quelle: n-tv.de