Wirtschaft

Warnung vor "politischen Risiken" Ratingagentur stuft USA herab

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(Foto: AP)

Die Angst vor weiteren Turbulenzen an den Finanzmärkten wächst. Nun stuft die einflussreiche Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität der USA von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herab. Auch die langfristigen Ausblicke seien negativ, heißt es. Das US-Finanzministerium wirft dem Unternehmen Berechnungsfehler vor.

Drei Tage nach der hat die Ratingagentur Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ. Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf "AA" herabstufen", hieß es in einer Mitteilung.

Als Konsequenz schließen Experten weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht aus. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch Zinserhöhungen als Folge der Herabstufung.

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Standard & Poor's betrachtet die Aussichten negativ.

(Foto: Reuters)

Es gebe "politische Risiken", dass die USA nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen würden, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, erklärte Standard & Poor's. Die am Dienstag beschlossenen Einsaprungen zur Finanzkonsolidierung gingen nicht weit genug. Auch die "Berechenbarkeit der amerikanischen Politikprozesses" (policymaking) müsse in Frage gestellt werden, heißt es mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition. Daher seien auch die Aussichten negativ, so dass die Bewertung weiter abgesenkt werden könnte. Es ist das erste Mal seit 1941, dass die USA von Standard & Poor's nicht mit der Bestnote AAA bewertet werden. Die Agentur gilt als die einflussreichste unter den drei großen Unternehmen.

Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte in Washington, die Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch das Unternehmen enthalte einen Fehler über zwei Billionen Dollar. Dies spreche für sich selbst.

Schuldenlimit erhöht

Der nach wochenlangem Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern erreichte Desaster mit Ansage sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (rund 10 Billionen Euro) vor. Dies solle mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) einhergeht. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig.

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Die Furcht vor weiteren Kursverlusten wächst.

(Foto: dapd)

Bereits unmittelbar nach der Einigung am Dienstag hatte sich bereits die Ratingagentur Moody's skeptisch über die langfristigen Aussichten geäußert. Zwar gab sie der US-Kreditwürdigkeit weiter die Bestnote "AAA" - wertete den weiteren Ausblick aber als negativ. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.

Auch die Bestnote für USA bleibt wackelig hielt zunächst an der Topbonität "AAA" fest, machte aber ebenfalls klar, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter scharf im Auge behalten werde.

Offene Kritik kam bereits Stunden nach der Schuldeneinigung aus China, dem größten Gläubigerland der USA: Die Ratingagentur Dagong stufte die US-Bonität von "A+" auf "A" zurück. Den weiteren Ausblick bewertete sie als negativ. Zur Begründung hieß, das Schuldenproblem sei langfristig nicht gelöst. Der politische Schuldenstreit in Washington habe gezeigt, "dass die US-Regierung Schwierigkeiten hat, die Schuldenkreise letztlich zu lösen".

Weitere Turbulenzen befürchtet

Aufgrund der Bedeutung des US-Dollar als Leitwährung könnte die Abwertung die Weltwirtschaft, die bereits unter der Euro-Krise leidet, "Politik muss die Märkte führen" bringen. China bekräftigte am Freitag seine Kritik, dass die Kürzungen in den USA und Europa nicht weit genug gingen. Die USA nähmen lediglich neue Schulden auf, um die alten abzubezahlen, kritisierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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