Kerviels großer RisikohebelSociété Générale drohte Bankrott
Die Spekulationsgeschäfte des Skandalhändlers Kerviel hätte dessen Arbeitgeber angeblich beinahe die Existenz gekostet. Im schlimmsten Falle hätte der Bank nach Angaben eines Händlers Verluste von bis zu 30 Mrd. Euro gedroht.
Die Milliardenrisiken des ehemaligen Börsenhändlers Jérôme Kerviel hätten die französische Großbank Société Générale in den Ruin treiben können. Das sagte der bei dem Institut beschäftigte Zeuge Maxime Kahn in dem Prozess gegen den Ex-Bankier aus. Der Börsenhändler Kahn musste nach den waghalsigen Spekulationen von Kerviel in Höhe von 50 Milliarden Euro Anfang 2008 diese Geschäfte rückabwickeln. Dabei ergaben sich Verluste von insgesamt 4,9 Milliarden für die Bank. Kahn versicherte, die Société Générale habe damals vor dem "potenziellen Konkurs" gestanden. Die Verluste hätten sich ihm zufolge auf bis zu 30 Milliarden Euro belaufen können, wenn die Spekulationen erst später rückabgewickelt worden wären.
Kerviel lehnt es ab, die Verantwortung für diese Verluste zu übernehmen. Der 33-jährige Händler ist der Ansicht, dass die Auflösung seiner Spekulationen zu einem schlechten Zeitpunkt am Markt vorgenommen worden sei und dass er die Gelder hätte zurückholen können, wenn die Bank ihm die Zeit dafür gelassen hätte. Die Milliardenspekulationen waren im Januar 2008 aufgeflogen. Kerviel behauptet, die Bank habe durch die ihm zugeschobenen Verluste ihre eigentlichen Schwierigkeiten durch Kreditausfälle am US-Immobilienmarkt vertuschen wollen.
Nach Angaben des Zeugen Kahn entsprach die "astronomische" Summe von 50 Milliarden Euro "der zehnfachen Höhe aller Risiken der 2500 Händler der Société Générale". Dies habe um das 25.000fache über dem durchschnittlichen Risiko gelegen, das ein Händler der Bank eingeht. Kahn, der derzeit für 90 Händler zuständig ist, fügte hinzu, dass Kerviel die für ihn zulässige, von der Bank gesetzte Risikogrenze um 50.000 Prozent überschritten habe.
Der Prozess gegen den Ex-Bankier Kerviel geht diese Woche zu Ende; am Dienstag sagt auch der ehemalige Chef der Société Générale aus, Daniel Boutin. Der frühere oberste Vorgesetzte des Händlers hatte im Zuge des Skandals seinen Posten räumen müssen. Kerviel drohen fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 375.000 Euro.