Wirtschaft

Kabel Deutschland ohne Tele Columbus KDG-Anleger reagieren enttäuscht

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Kabel Deutschland wächst seit Jahren rapide. Für Vodafone wird eine Übernahme zwar teuer, sie könnte sich Analysten zufolge aber lohnen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Preis ist heiß in der deutschen Kabelbranche: Die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland scheitert an den Forderungen des Kartellamtes. Das Aus bringt damit wieder Vodafone ins Spiel. Dem Mobilfunkriesen wird seit Jahren Interesse an KDG nachgesagt. Analysten sehen darin durchaus Sinn. Anleger reagieren dagegen verschnupft.

Die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus durch den deutschen Branchenprimus Kabel Deutschland steht vor dem Aus - und das sorgt für neue Gerüchte in der deutschen Kabelbranche. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mobilfunkriese Vodafone und eben Kabel Deutschland. "Mit einem Scheitern der Übernahme würde ein Kauf von Kabel Deutschland durch Vodafone einfacher und das dürfte die Übernahmespekulation erneut schüren", sagte ein Händler am deutschen Aktienmarkt.

Anleger reagierten enttäuscht auf den Fusionsflop: Die Kabel-Deutschland-Papiere gaben um 2 Prozent nach und waren damit größter MDax-Verlierer. Nach dem Aus steht einem Händler zufolge ein anderes Thema wieder im Vordergrund: "Damit wird ein Einstieg von Vodafone  wahrscheinlicher." Kabel Deutschland habe bereits Morgan Stanley und Perella Weinberg Partners beauftragt, sie für den Fall einer Übernahme zu beraten, sagte ein anderer Händler.

Das Bundeskartellamt sei in einer vorläufigen Einschätzung zu der Auffassung gelangt, dass die im Zuge eines Zusammenschlusses angebotenen Netzveräußerungen nicht ausreichten, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen, teilte Kabel Deutschland mit. Die Bonner Behörde habe vielmehr doppelt so viele Netzveräußerungen in Ostdeutschland gefordert, wie von dem Konzern für den Fall der Genehmigung zugesagt. Diese Anforderung sei für Kabel Deutschland wirtschaftlich nicht vertretbar. Das Unternehmen erklärte, es gehe nun davon aus, dass die geplante Akquisition von Tele Columbus vom Bundeskartellamt untersagt werde.

"Wir bedauern, dass das Bundeskartellamt trotz unserer umfangreichen Zusagen, mit denen wir bis an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen sind, an seinen Bedenken festhält", sagte Kabel-Chef Adrian von Hammerstein. Das Unternehmen werde nun den Fokus auf Wachstum ohne Übernahmen legen.

Zuviele Forderungen

Der Marktführer aus München hatte die gut 600 Mio. Euro schwere Transaktion im vergangenen Mai angekündigt. Tele Columbus ist vor allem in Ostdeutschland sowie in Hessen und Nordrhein-Westfalen aktiv. Kabel Deutschland hatte nach eigenen Angaben die Veräußerung von Tele-Columbus-Netzen in Berlin, Dresden und Cottbus angeboten. Das Bundeskartellamt habe dagegen gefordert, dass Kabel Deutschland sich von fast 60 Prozent der zu erwerbenden Netze in Ostdeutschland trenne.

Das Kartellamt steht Übernahmen in der Kabelbranche traditionell sehr skeptisch gegenüber. Die Expansionspläne von Kabel Deutschland stoppten die Beamten schon einige Male. Den Zusammenschluss des zweitgrößten deutschen Betreibers Unitymedia mit Kabel BW genehmigten sie nur unter weitreichenden Auflagen.

Vodafone steht bereit

Nach Reuters-Informationen liebäugelt der Mobilfunkriese Vodafone mit einem Gebot für das börsennotierte Unternehmen. Ob die Briten überhaupt ein Kaufgebot abgeben, ist zwar noch unklar. Analysten fi nden an dem Deal aber gefallen. "Wir sehen die strategischen Gründe  einer solchen Transaktion und glauben, dass die möglichen Effekte auf der Umsatz- und Kostenseite erheblich wären", sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santos. Vodafone sei in einer relativ schlechten Position, um in Deutschland nicht nur Mobilfunk, sondern auch Telefon, Internet und TV aus einer Hand anzubieten. Mit dem Kauf könnte Vodafone eine klaffenden  Lücke in seinem Angebot schließen.

Vodafone gehört mit 33,9 Millionen Handykunden neben der Deutschen Telekom zu den Platzhirschen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Daneben betreibt der Konzern noch eine Festnetz- und DSL-Sparte - die einstige Arcor. Aufgrund des harten Wettbewerbs und der halben Milliarde Euro Gebühren, die der Konzern jährlich für die Miete der letzten Meile an die Telekom überweisen muss, macht das Geschäft dem Vodafone-Management seit Jahren keine Freude.

Zweite Chance?

Die Zahl der Festnetz-Kunden ist rückläufig - jüngst waren es 3,2 Millionen, viel zu wenig, um das landesweite Netz auszulasten. Die Idee für den Kauf eines Kabelnetzbetreibers existiert bereits seit längerem: Schon kurz vor dem Börsengang von Kabel Deutschland vor knapp drei Jahren spielte der damalige Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen ein Übernahmeangebot durch - allerdings wurde er von der Londoner Zentrale zurückgepfiffen. Damals hätten die Briten für Kabel Deutschland ungleich weniger zahlen müssen. Seitdem Börsengang hat sich der Wert von Kabel Deutschland mehr als verdreifacht auf 6,1 Mrd. Euro.

Ex-Vodafone-Chef Joussen war mit seiner Idee nicht allein. Einem Insider zufolge hatte bereits 2007 die Führung der Telefonica-Tochter O2 einen Plan zur Übernahme  von Kabel Deutschland ausgearbeitet - aber auch das Vorhaben scheiterte am Veto der Zentrale.

Liberty könnte auch

Falls Vodafone sich zu einer offiziellen Offerte durchringt, könnte es richtig spannend werden. "Ein Gebot für Kabel Deutschland würde wahrscheinlich eine Gegenofferte von Liberty Global nach sich ziehen", sagte Jeffries-Analyst Jerry Dellis. Die Liberty-Führung betonte bereits mehrfach, bei der weiteren Konsolidierung der Branche in Deutschland mitmischen zu wollen.

Einfach dürfte das nicht werden, da das Kartellamt dem jungsten Liberty-Coup, der Fusion von Unitymedia und Kabel BW, nur mit großen Auflagen zugestimmt hat. Ein Kauf von Kabel Deutschland durch Vodafone hingegen dürfte das Wohlwollen der Wettbewerbshüter finden, da damit die Telekom mehr Konkurrenz bekommen würde, erläuterte Dellis. Zupass könnte den Briten auch kommen, dass Liberty Global derzeit mit einem anderen Übernahmevorhaben beschäftigt ist. Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass der US-Kabelriese für knapp 16 Mrd. Dollar die britischen Kabelanbieter Virgin Media schlucken will.

Kabelnetze haben Vorteile

Kabel Deutschland wächst seit Jahren rapide. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12, das bis Ende März lief, steigerte die Münchner Firma bei 1,7 Mrd. Euro Umsatz ihren operativen Gewinn um 9 Prozent auf 796 Mio. Euro. In diesem Jahr sollen die Kennzahlen weiter steigen. Ein Viertel der Erlöse investiert das Unternehmen mit 2800 Mitarbeitern wieder. Der Schuldenstand von Kabel Deutschland beläuft sich auf 2,8 Mrd. Euro.

Kabelnetze haben im Vergleich zu anderen Datenleitungen einen entscheidenden Vorteil: Sie lassen sich mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln, auf denen HD-Filme und Fotos zwei- bis dreimal so schnell unterwegs sind wie auf den schnellsten DSL-Leitungen der Telefonfirmen. Zu verdanken haben die Kabelkonzerne das findigen Ingenieuren, die vor einigen Jahren den neuen Turbo-Standard DOCSIS 3.0 erdachten. Die alten Kabelnetze, die häufig noch vom Staat gebaut wurden und ursprünglich nur Fernsehen übertragen sollten, wurden damit auf einmal zur begehrten Zukunftsinfrastruktur.

Quelle: ntv.de, bad/rts/dpa