Wirtschaft

Tausende Jobs sollen wegfallen Timotheus Höttges rasiert die Telekom

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Anfang 2014 übernimmt Timotheus Höttges bei der Telekom das Ruder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Fröhliche Weihnachten fallen in diesem Jahr bei der Telekom aus: Der Konzern will im IT-Bereich fast jede neunte Stelle streichen. Mit Obermanns Abschied beginnt eine neue Ära: Nachfolger Höttges trimmt die Telekom noch mehr auf Rendite.

Die meisten Menschen in Deutschland freuen sich seit dem vergangenen Wochenende auf Weihnachten. Für viele Telekom-Mitarbeiter beginnt in der Adventszeit dagegen wohl das große Zittern: Der Bonner Konzern will seine IT-Sparte radikal umbauen. Erstmals in der Geschichte der Telekom könnte es dabei auch betriebsbedingte Kündigungen geben. Laut "Handelsblatt" sind bis zu 6000 Jobs in den nächsten drei Jahren gefährdet. Fast jeder neunte der rund 52.700 Mitarbeiter im IT-Bereich müsste dann gehen. Schon im Dezember will sich der Aufsichtsrat mit der Umstrukturierung befassen.

Die Umbaupläne sind die erste Duftmarke des designierten neuen Telekom-Chefs Timotheus Höttges. Und ein Vorgeschmack darauf, was er mit dem Bonner Unternehmen womöglich vorhat, wenn er Anfang des Jahres das Ruder von René Obermann übernimmt: Der bisherige Finanzvorstand könnte den Sparkurs verschärfen, befürchten offenbar einige im Konzern. Denn dass schon vor dem Stabswechsel Informationen über die geplanten Einschnitte im IT-Bereich durchsickern, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Höttges' neue Strategie auf Widerstand stößt - besonders bei den Gewerkschaftsvertretern im Aufsichtsrat.

Anlass zur Sorge gibt Höttges den Telekom-Mitarbeitern allemal: Als Controller und ehemaligem Unternehmensberater haftet ihm ohnehin das Image des Sparfuchses an. Der Mann für die Zahlen trimmte schon das deutsche Festnetzgeschäft und die europäischen Mobilfunktöchter auf Rendite, bevor er 2009 zum Finanzchef aufstieg. Seitdem verwaltet er auch die Sparprogramme des gesamten Konzerns. Weil die immer mehr Geld in neue Netze stecken muss, setzte Höttges schon in der Konzernzentrale den Rotstift an: 1300 Arbeitsplätze fallen dort bis 2015 weg - 40 Prozent aller Jobs.

Abschiedsgeschenk für Mentor Obermann

Seinen Aufstieg verdankt Höttges aber auch seinem Sinn für das richtige Geschäft: Unter seiner Leitung wurde die Telekom wieder Marktführer bei Festnetzanschlüssen und machte das TV-Angebot Entertain massentauglich. Höttges fackelt nun offenbar nicht lange und geht die Problemfelder des Konzerns ebenso konsequent an. Dem neuen Telekom-Boss kommt dabei entgegen, dass sich unangenehme Entscheidungen leichter am Anfang statt am Ende seiner Amtszeit verkünden lassen.

Höttges bleibt dabei aber auch kaum eine Wahl. Die IT-Sparte ist schon lange eines der großen Sorgenkinder der Telekom. In diesem Bereich bietet der Konzern multinationalen Firmen wie Shell, BP oder Daimler Kommunikationslösungen und Servernetze an. Dabei muss sich die Telekom immer stärker gegen andere Anbieter von Cloud-Computing zur Wehr setzen: Um gerade 0,6 Prozent legte das Segment 2012 zu.

Fast jeder vierte Telekom-Beschäftigte arbeitet bei T-Systems, rund elf Prozent steuerte die IT-Sparte 2012 zum Konzernumsatz bei. Trotzdem ist sie extrem unprofitabel: Von jedem Euro Umsatz vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bleiben wenig mehr als 7 Cent Gewinn hängen. Im gesamten Konzern sind es dagegen über 30 Cent - und das seit Jahren.

Dass Höttges dieses Profit-Problem nun gleich zu Beginn seiner Amtszeit angehen will, macht auch dem scheidenden Chef Obermann den Abschied leichter. Er muss für die geplanten massiven Einschnitte nicht mehr die Verantwortung übernehmen. Obermann kann so ohne Blessuren als Konzernchef abtreten, der die größten Probleme der Telekom in den Griff bekommen hat, vor allem die Wiederbelebung des US-Geschäfts. Mit T-Systems nimmt Höttges eine von Obermanns größten Altlasten auf seine Kappe. Für Höttges ist das womöglich der Preis des Erfolgs: Der kommende Telekom-Chef verdankt seinen Aufstieg vor allem seinem Vorgänger Obermann, der Höttges als Leiter von T-Mobile Deutschland entdeckte.

Quelle: ntv.de

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