Wirtschaft

Zölle schaden Auto-Herstellern Trump schwächt eigene Industrie

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Setzt auf Zölle: US-Präsident Donald Trump.

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Es klingt alles ganz einfach. Mit Strafzöllen auf ausländische Waren will US-Präsident Trump diese verteuern und amerikanische Konsumenten in die Arme der heimischen Industrie treiben. Doch die Sache ist komplizierter.

US-Präsident Donald Trump lässt nicht locker, will auf immer mehr chinesische Waren amerikanische Strafzölle erheben, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Bisher geht diese Rechnung nicht auf, vielmehr treffen die Zölle wie ein Bumerang den US-Automobilsektor an entscheidenden Stellen. Die großen US-Unternehmen haben bei der jüngsten Vorlage ihrer Unternehmensergebnisse die hohen Kosten herausgestellt, die durch die Zölle entstehen.

General Motors (GM) und Ford erleben an der Börse daher schwere Zeiten und haben in den vergangenen vier Wochen mehr als zehn Prozent verloren. Regelrecht geschockt hat Anleger eine Gewinnwarnung Ende Juli. Beide Unternehmen hatten ihre Prognosen für dieses Jahr um rund zehn Prozent gesenkt, vor allem weil die Kosten für Rohmaterialien steigen. GM rechnet im laufenden Jahr mit Rohstoffpreisen von rund einer Milliarde Dollar, das ist ungefähr das Doppelte dessen, was der Konzern zuvor prognostiziert hatte.

Die höheren Kosten sind nicht zuletzt eine Folge der US-Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl und von 10 Prozent auf Aluminium, die im März eingeführt worden waren. Bob Shanks, Finanzchef bei Ford, erklärte, dass die Rohstoffkosten im vergangenen Quartal um rund 300 Millionen Dollar gestiegen seien. Rund die Hälfte davon gehe auf Strafzölle zurück.

US-Industrie gerät unter Druck

Die Verunsicherung ist also groß, wie auch die jüngste Umfrage unter Industriemanagern zeigt: Der sogenannte Einkaufsmanagerindex, der die Stimmung der Verantwortlichen regelmäßig einmal im Monat erfasst, ist zuletzt auf ein Fünf-Monats-Tief gesunken. "Den Unternehmen fällt es schwer, die gestiegenen Rohstoffkosten an anderer Stelle einzusparen, etwa beim Personal, da der Arbeitsmarkt ziemlich leergefegt ist", nennt Jochen Stanzl, Chefstratege bei CMC Markets, einen Grund für die miese Stimmung in der Industrie in einem Gespräch mit n-tv.de. Eine Folge seien steigende Preise, später möglicherweise auch höhere Konsumentenpreise.

Nicht nur für den Autosektor, sondern für die gesamte US-Industrie ist der gegenwärtige Trump-Mix aus schwächelnder Stimmung, Rohstoffzöllen und gestiegenen Preisen fatal. Die Folge sind nicht nur Gewinnwarnungen, sondern auch eine mögliche Abwanderung von Industrieunternehmen, wie das Beispiel Harley-Davidson zeigt.

Der Klassiker unter den Motorradherstellern hat sogar doppelten Gegenwind durch Strafzölle zu verkraften. Sie sind auch von den Maßnahmen der EU betroffen, immerhin der zweitwichtigste Absatzmarkt von Harley-Davidson. Laut den Berechnungen des Konzerns würden die US-Zölle auf Stahl und Aluminium und die Gegenmaßnahmen der EU dazu führen, dass Motorräder in der EU im Schnitt um 2200 Dollar pro Maschine teurer würden.

Umso mehr treibt Harley-Chef Matt Levatich die teilweise Verlagerung der Produktion aus den USA voran. Allerdings hat er noch nicht bekannt gegeben, in welchen Ländern künftig verstärkt produziert werden soll. Neben den USA werden bislang auch in Brasilien, Indien und Australien Motorräder hergestellt. Eine neue Fabrik in Thailand soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Vielleicht geht es aber auch nach Deutschland. Berlin und Eisenhüttenstadt bewerben sich um den Zuschlag.

Quelle: n-tv.de

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