Wirtschaft

Verkehrsbetriebe gegen Wall-Street-Größe US-Bank kämpft um Berliner Millionen

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Knapp 4 Milliarden Euro Gewinn im Quartal: An der New Yorker Börse sehen Beobachter dem Rechtsstreit mit den Berlinern gelassen entgegen.

(Foto: REUTERS)

Für das New Yorker Geldhaus fällt die Summe überschaubar aus: Vor einem Londoner Gericht will JP Morgen einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag bei einem deutschen Kunden eintreiben.

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Falschberatung oder hochriskante Geldanlage? Die BVG ist nicht der erste Bankkunde, der sich nach den Turbulenzen der Finanzkrise vor Gericht wiederfindet.

(Foto: REUTERS)

Die US-Großbank JP Morgan steigt mit schweren Anschuldigungen gegen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in einen Gerichtsprozess um riskante Finanzgeschäfte ein. Die Anwälte des multimilliardenschweren Kreditinstituts verklagen das kommunale Hauptstadt-Unternehmen auf umgerechnet gut 150 Millionen Euro plus Zinsen. Das ist die Summe, die die BVG der Bank nach Auffassung der Klägerseite noch zahlen muss.

Am ersten Verhandlungstag vor einem Londoner Gericht warf ein JP-Morgan-Anwalt der BVG zu Wochenbeginn vor, die Schuld für Verluste in dieser Höhe um jeden Preis anderen in die Schuhe schieben zu wollen. An diesem Dienstag nun erhält die BVG Gelegenheit, ihre Position darzulegen. Die Linie des deutschen Kommunalbetriebs ist klar: Früheren Angaben zufolge wird die BVG in London deutlich machen, dass die sie über das wahre Risiko des fraglichen Finanzgeschäfts im Dunkeln gelassen worden sei. Eine offizielle Stellungnahme dazu lag zunächst allerdings nicht vor.

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Hintergrund des Rechtsstreits ist ein bestimmtes Finanzderivat, mit dem die BVG deutschen Medienberichten zufolge auf Anraten der Bankberater bei JP Morgan ihre Finanzierung von Straßenbahn- und U-Bahnwagen absichern wollte. Als sich die Papiere mit Beginn der Finanzkrise als nahezu wertlos erwiesen und die BVG dadurch Verluste von rund 156 Millionen Euro hinnehmen musste, habe das Berliner Unternehmen noch ausstehende Zahlungen an die US-Bank eingestellt, hieß es in einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels".

Die fraglichen Finanzderivate gehören demnach zu bestimmten Anlagepaketen (Collateralized Debt Obligations, CDOs), die Banken aus einer Reihe von Wertpapieren schnüren und die während der weltweiten Finanzkrise massiv in die Kritik geraten sind. Nach 2008 zogen viele Anleger, die durch solche Geschäfte Millionen verloren hatten, gegen die beteiligten Banken vor Gericht. Sie warfen den Instituten vor, das mit den Kreditpaketen verbundene Risiko verschwiegen zu haben.

JP Morgan hatte zuletzt wegen einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten fast 20 Milliarden Dollar an die verschiedenen Gegenseiten gezahlt. Existenziell bedrohlich sind diese Summen für das Geldhaus allerdings nicht: Die größte US-Bank verdiente zuletzt trotzdem wieder glänzend. Der Nettogewinn summierte sich im vierten Quartal auf 5,3 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 3,9 Mrd. Euro).

Quelle: ntv.de, mmo/rts

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