KDG-Kurs schnellt hochVodafone will Kabel Deutschland

Der Bieterwettstreit ist eröffnet: Vodafone wirft im Kampf um Kabel Deutschland seinen Hut in den Ring. Allerdings wird auch dem US-Kabelkonzern Liberty Global ein handfestes Interesse am größten deutschen Kabelnetzbetreiber nachgesagt. Bisher profitieren vor allem dessen Anleger.
Bei Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) steht ein Eigentümerwechsel an. Der britische Mobilfunkriese bestätigte erstmals sein Interesse an einer Übernahme. Vodafone sprach von einer "vorläufigen Kontaktaufnahme mit Kabel Deutschland bezüglich eines möglichen Übernahmeangebots". Es sei aber nicht sicher, dass es letztlich zu einer Offerte kommen werde. "Es besteht zum jetzigen Zeitpunkt weder Gewissheit darüber, ob ein Angebot tatsächlich abgegeben wird noch was die Bedingungen eines solchen Angebots sein könnten, hieß es von KDG-Seite. Einen vorläufigen Kaufvorschlag habe es aber gegeben.
Die Nachricht trieb die Kabel-Deutschland-Aktie zeitweise um fast 10 Prozent in die Höhe. Damit ist der im MDax gelistete Kabelnetzbetreiber an der Börse mehr als 7 Mrd. Euro wert. Bevor die ersten Spekulationen über ein Kaufinteresse von Vodafone aufgetaucht waren, waren es nur knapp 5,5 Mrd. Euro. Zum Xetra-Schluss blieb ein Plus von 8,1 Prozent auf 80,84 Euro übrig.
Konkurrenten ausstechen
Wie viel Vodafone für Kabel Deutschland zu bieten bereit ist, blieb zunächst unklar. Die Analysten der Investmentbank MainFirst erklärten, eine Offerte müsse bei 80 Euro je Aktie liegen. Damit müssten die Briten einschließlich der zuletzt 2,8 Mrd. Schulden von Kabel Deutschland fast 10 Mrd. Euro ausgeben. Händler Basil Petrides von Hartmann Capital bezeichnete den Vorstoß von Vodafone als "Defensiv-Strategie". Es gelte, Rivalen wie Liberty Global zuvorzukommen, dem bereits die anderen beiden großen deutschen Kabelgesellschaften Unitymedia und KabelBW gehören.
Nach einem Magazinbericht feilt auch der US-Kabelriese an einer Übernahmeofferte für Kabel Deutschland. Doch davor stünden hohe Hürden: Unitymedia und Kabel BW decken Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg ab, die restlichen 13 Bundesländer versorgt Kabel Deutschland ab. Entsprechend scharf schauen die Wettbewerbshüter den Anbietern auf die Finger.
Mit der Interessenbekundung macht Vodafone den monatelangen Spekulationen um Kabel Deutschland ein Ende: Schon im Februar waren entsprechende Pläne der Briten vorzeitig bekannt geworden. Vodafone ließ einige Monate Gras über die Sache wachsen, hatte Finanzkreisen zufolge das Interesse an Kabel Deutschland aber nie verloren. Nun nahm Vodafone Finanzkreisen zufolge mit einem Brief einen neuen Anlauf.
Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein schmeichelt, dass sein Unternehmen so umworben wird. Auf einer Fachmesse in Köln sagte er kürzlich: "Das Interesse von anderen Spielern aus der Telekom-Branche zeigt, wie attraktiv wir sind." Mobilfunkkonzerne hätten erkannt, dass eine Zusammenarbeit mit einem Festnetzanbieter wie Kabel Deutschland sinnvoll sei, um die explodierenden Datenmengen in den Handynetzen zu bewältigen, sagte von Hammerstein. Die Anbindung der Mobilfunkantennen an das Festnetz sei oftmals ein Engpass, der Datenübertragungen ausbremse. Über die superschnellen Glasfaser-Leitungen der Kabelnetzbetreiber ließe sich das ändern.