Wirtschaft

US-Börse auf Erholungskurs Wall Street startet mit Mut in die Woche

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Nachdem es mit den Kursen am vergangenen Freitag steil bergab ging, erholt sich die Wall Street zum Wochenbeginn wieder.

(Foto: picture alliance / newscom)

Nach einer schwierigen Woche scheinen die Anleger am US-Aktienmarkt ihre Zinssorgen erst einmal beiseite geschoben zu haben. Die Wall Street ist wieder auf Erholungskurs, die wichtigsten Indizes verzeichnen zum Teil deutliche Gewinne. Zu den größten Gewinnern gehören die US-Banken.

Nach der Talfahrt zum Wochenschluss ist die Wall Street stramm auf Erholungskurs gegangen. Die Sorgen vor geldpolitischen Straffungen bis hin zu einer früheren Zinswende hatten den Dow-Jones-Index den höchsten Verlust seit über sieben Monaten beschert. Doch die Stimmung schien sich wieder zugunsten von Aktien zu drehen. Mit der angestoßenen Diskussion um ein Zurückfahren der Wertpapierkäufe und einer früheren Zinswende sanken Rohstoffpreise und der Dollar wertete auf - beide Effekte drücken die Inflationserwartungen in den USA.

"Der Markt ist konzentriert auf die Entwicklung der Zinsen und die Aussagen der Federal Reserve", sagte Nadege Dufosse vom Vermögensverwalter Candriam. Und aktuelle Aussagen von Fed-Vertretern trugen zur Beruhigung der Lage bei und stützten den Aktienmarkt. John Williams, US-Notenbankgouverneur von New York, bekräftigte die Unterstützung der Federal Reserve für die Wirtschaft und lehnte eine schnelle Änderung der Geldpolitik ab. Seine Fed-Kollegen James Bullard und Rob Kaplan sprachen zwar von weiter steigenden Inflationsdaten, betonten aber zugleich den temporären Charakter der Entwicklung.

Der Dow-Jones-Index gewann 1,8 Prozent auf 33.877 Punkte, S&P-500 und der technologielastige Nasdaq-Composite stiegen um 1,4 bzw. 0,8 Prozent. Dabei gab es 2.473 (Freitag: 827) Kursgewinner und 864 (2.504) -verlierer. Unverändert schlossen 123 (124) Titel. "Für die meisten Investoren quer durch alle Anlageklassen gibt es einfach keine Alternative zu Aktien", brachte Chefmarktstratege Fahad Kamal von Kleinwort Hambros die Rally zum Wochenbeginn auf den Punkt.

JP Morgan Chase
JP Morgan Chase 128,34

Zum Wochenstart richteten die Anleger den Fokus wieder auf Unternehmen, die besonders von einer breiten wirtschaftlichen Erholung profitieren sollen. Zu den größten Kursgewinnern gehörten die US-Banken. JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Wells Fargo zogen zwischen 1,2 und 3,7 Prozent an.

Gold erholt, Dollar schwächelt

Gold zeigte sich im Gleichklang mit dem Aktienmarkt erholt. Die Zinserhöhungsfantasie hatte dem Edelmetall kräftig zugesetzt, weil es als zinsloses Investment in einem Umfeld höherer Zinsen an Attraktivität einbüßt. Die Gegenbewegung heute führte den Preis um 1,1 Prozent nach oben - auch befeuert vom schwächelnden Dollar.

Nach seinem kräftigen Anstieg verlor der Dollarindex 0,4 Prozent. Auch hier sahen Teilnehmer eine Gegenbewegung, nachdem Zinserhöhungsfantasien den Dollar zuletzt getrieben hatte. Die Fed-Aussagen des Tages stützten die Sicht, dass Zinserhöhungen nicht unmittelbar zur Debatte stehen. Am Rentenmarkt versteilerte sich die Zinskurve. Am langen Ende des Marktes erholten sich die Renditen kräftig, am kurzen Ende schwächelten die Renditen jedoch. Hier waren die Renditen zuletzt mit Spekulationen über eine Zinserhöhung deutlich gestiegen.

Erdölpreis auf höchstem Niveau seit 2018

Am Erdölmarkt zogen die Preise erneut kräftig an - auch befeuert von nachgebenden Dollar. Die Ölpreise erklommen die höchsten Schlussstände seit 2018. Die Inflationserwartungen basierten auch auf der Ausgabefreude von Konsumenten. Davon profitiere auch die Erdölnachfrage, hieß es. Auch in Indien ziehe die Nachfrage mit sinkenden Coronainfektionen schon wieder an - das Land stellt den viertgrößten Erdölverbraucher der Welt. Zudem preisten Anleger eine Einigung in den Atomverhandlungen mit dem Iran nach dem Wahlausgang dort wieder verstärkt aus.

Am Aktienmarkt gaben American Airlines 0,7 Prozent ab. Die Fluggesellschaft, die unlängst die Zahl der Flüge rapide erhöht hatte, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, musste nun einige Flüge streichen, um mögliche Belastungen des Betriebs zu verringern. Der Supreme Court hat den Fall einer Aktionärssammelklage gegen Goldman Sachs an eine untere Instanz zurückverwiesen. Die Titel zogen um 2,5 Prozent an.

Moderna Inc.
Moderna Inc. 292,85

Raven Industries schossen um knapp 50 Prozent nach oben, weil CNH Industrial das Agrartechnikunternehmen für 2,1 Milliarden Dollar übernehmen will. Aktien von Vir Biotechnology legten um 6,4 Prozent zu - gestützt von positiven Studienergebnissen. Die Aussicht auf eine Erweiterung der Kapazitäten für Corona-Impfungen zur Auffrischung des Impfschutzes ließ Anleger zudem zu Moderna-Aktien greifen. Die Aktien des US-Pharmakonzerns zogen nach einem Bericht über Pläne zum Ausbau der Produktion für das Covid-19-Vakzin 4,5 Prozent an.

Aktien des elektrischen Nutzfahrzeugherstellers Lordstown Motors fielen um 5,4 Prozent. Händler verwiesen auf Berichte des Wall Street Journals, wonach Führungskräfte vor Berichterstattung über die Finanzergebnisse Stücke veräußert hätten. Doch ist das nicht das einzige Problem des in Ohio ansässigen Startup-Unternehmens, das auch die US-Börsenaufsicht SEC am Hals hat. Die Gesellschaft soll fälschlicherweise behauptet haben, feste Bestellungen für ihren geplanten elektrischen Pickup "Endurance" erhalten zu haben. Der Kurs hat seit dem vergangenen Hoch im Februar etwa zwei Drittel an Wert verloren.

Quelle: ntv.de, joh/DJ/rts/dpa

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