Wirtschaft

Reaktionen auf das KonsumklimaWas Volkswirte befürchten

26.05.2010, 09:02 Uhr

Die Euro-Krise erschüttert das Vertrauen der Verbraucher. In Deutschland kühlt das Konsumklima merklich ab. "Die Diskussionen um die Stabilität des Euro haben die Menschen verunsichert", sagen die Konsumforscher. Ökonomen fürchten ernste Folgen für die Konjunktur.

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Nicht gut ist es, wenn der kleine Mann auf der Straße an den Glauben verliert. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Euro-Krise trübt die Verbraucherstimmung im Frühsommer überraschend kräftig ein: Der Index der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für Juni fiel von 3,7 Zählern im Vormonat auf 3,5 Punkte. Die GfK-Marktforscher befragen monatlich rund 2000 Verbraucher zu ihren Einschätzungen für den kommenden Monat. Diesmal gingen sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen der Bürger deutlich zurück. Über die Ursachen dieser Eintrübung herrscht unter Analysten weitgehende Einigkeit.

"Die Schuldenkrise hinterlässt Bremsspuren im deutschen Konsumentenvertrauen", fasste zum Beispiel Volkswirt Andreas Scheuerle von der Dekabank. Die Krise habe der Politik und den Konsumenten "die Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung vor Auge geführt", sagte Scheuerle in eienr ersten Reaktion. "Die Verbraucher rechnen nun mit einer schwächeren Einkommensentwicklung," so Scheuerle weiter. "Die Krise hat aber offensichtlich auch Zweifel an der Erholung geweckt, denn die Konjunkturerwartungen sind ebenfalls gesunken."

Der Gfk-Konsumklima-Indikator sei ein gleitender Mittelwert, der nicht so schnell reagiere. "Der Rückgang in den Teilkomponenten ist aber zum Teil beachtlich", merkte Scheuerle an. "Gleichwohl wurden die starken Anstiege des Vormonats nicht überall rückgängig gemacht."

Auch Ralph Solveen von der Commerzbank sah einen Zusammenhang zwischen Verbrauchervertrauen und der Krisenstimmung in Europa. "Der Index bewegt sich seit langem auf diesem Niveau, hier tut sich wenig. Die Untergruppen haben sich alle verschlechtert. Das ist der aktuellen Diskussion um die Schuldenkrise geschuldet."

Für Citigroup-Analyst Jürgen Michels fiel der Rückgang von 3,7 auf 3,5 Punkte sogar überraschend moderat aus. Michels hatte offenbar mit Schlimmerem gerechnet. "Angesichts der Inflationspanik, die verbreitet wird, ist es erstaunlich, dass wir keinen größeren Rückgang des Konsumklimas sehen", kommentierte er die Entwicklung.

Die Angst ums Geld

"Deutschland ist besonders inflationsavers", erklärte der Citigroup-Experte. "Der Konsumklimaindex wird aber auf dem niedrigen Niveau bleiben. Es ist nicht damit zu rechnen, dass wir einen großen Konsumschub sehen werden. Nach dem schwachen ersten Quartal erwarten wir eine leichte Stabilisierung, aber keine Trendwende. Im Gesamtjahr dürfte der Konsum um etwa 1,3 Prozent zurückgehen", prognostizierte Michels.

"Aus der Realwirtschaft kommen eigentlich gute Nachrichten", hielt dagegen Jörg Lüschow, volkswirtschaftlicher Beobachter bei der WestLB fest. "Doch das wird überdeckt von den Sorgen über die Schuldenkrise in den Euro-Ländern." Dadurch würden vor allem die Einkommenserwartungen gedämpft.

"Die in Aussicht gestellten Steuersenkungen", so Lüschow in einer ersten Reaktion, "sind dadurch endgültig Makulatur geworden. Wegen der notwendigen Haushaltssanierung drohen im Gegenteil sogar Steuererhöhungen. Auch ein Ausufern der Inflation wird von vielen Bürgern angesichts der hohen Verschuldung befürchtet."

Der WestLB-Ökonom fürchtet weitere Konsequenzen: Die um sich greifende Inflationsangst spreche dafür, "dass der private Konsum schwach bleiben wird. Er dürfte zwar nicht mehr so stark sinken wie zu Jahresbeginn, aber nennenswerte Impulse sind auch nicht zu erwarten."

Quelle: rts