Wirtschaft

Sonderprüfung steht noch aus Wirecard feiert kräftigen Gewinnsprung

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Wirecard muss gegenüber KPMG seine Bilanzen offenlegen.

(Foto: dpa)

Der Zahlungsdienstleister Wirecard verzeichnet einen enormen Gewinnzuwachs und verspricht für die Zukunft sogar noch bessere Zahlen. Allerdings steht noch eine Sonderprüfung wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung aus. Das Ergebnis ist ungewiss.

Nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr verspricht Wirecard weitere Zuwächse. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München erwartet für 2020 weiterhin einen Anstieg des Betriebsgewinns (Ebitda) auf 1,0 bis 1,12 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Im vergangenen Jahr wuchs der Betriebsgewinn demnach um rund 40 Prozent auf 785 Millionen Euro.

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"Dies ist ein starkes Ergebnis auf unserem Weg des profitablen Wachstums", sagte Vorstandschef Markus Braun. "Es ist vor allem ein sehr deutlicher Beleg für die nachhaltige Ertragsstärke unseres Geschäftsmodells." Trotz des Gewinnsprungs verloren die Wirecard-Aktien im vorbörslichen Handel 2,3 Prozent.

Laufende Sonderprüfung

In der Vergangenheit hat Wirecard seine Gewinn- und Umsatzprognosen mehrfach im Jahr erhöht. Analysten schließen nicht aus, dass Wirecard auch im Laufe von 2020 optimistischer wird. Allerdings wird viel davon abhängen, welches Ergebnis die Wirtschaftsprüfer von KPMG bei der laufenden Sonderprüfung zu Tage fördern. Sie durchforsten derzeit die Bilanzen von Wirecard und den Töchtern im Ausland. Braun hatte die Prüfung in die Wege geleitet, um Vorwürfe der Bilanzfälschung aus der Welt zu schaffen.

Die "Financial Times" hatte in der Vergangenheit immer wieder über angebliche Unregelmäßigkeiten in Bilanzen bei Tochterfirmen im Ausland berichtet. Wirecard weist die Vorwürfe zurück. Im vergangenen Jahr hätten die Sonderaufwendungen für Prüfungs-, Beratungs- und Rechtsberatungsleistungen bei rund neun Millionen Euro gelegen, erklärte der Dax-Konzern.

Das Gros der Vorwürfe rankt sich um die Wirecard-Tochtergesellschaft in Singapur. Dort haben sich die  Ermittlungsbehörden eingeschaltet. In Deutschland ermitteln sowohl die Finanzaufsicht Bafin als auch die Münchner Staatsanwaltschaft, aber nicht gegen Wirecard. Die Behörden gehen stattdessen dem Verdacht nach, dass das Unternehmen Opfer gezielter Attacken von Börsenspekulanten geworden sein könnte.

Das mit Spannung erwartete Ergebnis der Sonderprüfung soll nach früheren Angaben noch im ersten Quartal veröffentlicht werden. Am 8. April will das Unternehmen sein komplettes Zahlenwerk veröffentlichen und sich den Fragen von Journalisten und Analysten stellen. Wirecard wickelt für Einzelhändler, Flug- und Bahnkonzerne sowie Telekommunikationsfirmen auf der ganzen Welt Zahlungen ab und kassiert dafür Gebühren. So ermöglicht und organisiert das Unternehmen etwa das bargeldlose Bezahlen per Smartphone über eine NFC-Verindung. Von Partnerschaften wie mit Aldi, dem chinesischen Kreditkartenanbieter Unionpay und dem japanischen Technologieinvestor Softbank erhofft sich Wirecard in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa/rts