Wirtschaft

Was wusste Anshu Jain von Libor-Manipulation? Zinshändler belasten Deutsche-Bank-Chef

Jain, Anshu.jpg

Die Libor-Ermittlungen wurden geschlossen, um Anshu Jain zu schützen, sagen Händler der Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Niemand in der Chefetage habe von der Zinsmanipulation gewusst, sagt die Deutsche Bank. Doch vier gefeuerte Händler behaupten: Die interne Untersuchung wurde eingestellt, "weil Anshu CEO wird". Die Bank bestreitet das - und legt nun Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichts ein.

Die Deutsche Bank gibt sich im Streit mit vier Zins-Händlern nicht geschlagen. Das Geldhaus hatte die hochrangigen Mitarbeiter, die an der Manipuliation des Euribor-Interbankenzinssatzes beteiligt gewesen sein sollen, nach dem Urteil des Frankfurter Arbeitsgerichts im September wieder einstellen müssen. Nun geht die Bank in Berufung vor dem Landesarbeitsgericht.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 6,65

Damit riskiert sie, dass in dem Verfahren erneut pikante Details ans Licht kommen und die Führungskräfte belasten könnten. Eine Anhörung wird frühestens im Juni stattfinden. Die vier im Februar entlassenen Mitarbeiter arbeiten nach Auskunft ihres Anwalts derzeit wieder in der Handelssparte der Deutschen Bank. Ein weiterer suspendierter Händler hat sich außergerichtlich mit der Bank geeinigt.

"Erheblicher Interessenkonflikt" bei der Bank

Arbeitsrichterin Annika Gey hatte die Kündigungen als unverhältnismäßig bezeichnet, weil die Bank ihre Mitarbeiter in einen "erheblichen Interessenkonflikt" gebracht habe. Die vier Mitarbeiter waren bei der Deutschen Bank zuständig für die Erhebung und Übermittlung von Daten an eine zentrale Stelle, bei der die internationalen Referenzzinssätze Libor und Euribor berechnet werden. Gleichzeitig seien einige Zins-Ermittler selbst als Händler von Derivaten auf Basis des Euribor aktiv gewesen - und mussten so selbst die Zinssätze festlegen, die über den Erfolg ihrer Wetten entschieden.

Es habe keine klaren Regeln oder Kontrollen für eine Trennung zwischen Zinssatz-Ermittlern und Händlern gegeben, heißt es in dem Urteil. Aufsichtsbehörden in aller Welt werfen großen Banken vor, sich bei der Meldung von Zinssätzen wie Libor und Euribor unerlaubt abgesprochen zu haben, um diese zu ihren Gunsten zu manipulieren.  

"Ich werde diese Box schließen"

Noch pikanter ist, dass die gefeuerten Mitarbeiter Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain belasten, der zur Zeit des Libor-Betrugs das Investmentbanking leitete. Der ehemalige Chef des Devisen- und Geld-Handels der Bank, Alan Cloete habe die internen Untersuchungen des Libor-Falls für beendet erklärt, sagten die Händler - mit dem Hinweis, Anshu Jain vor seiner Berufung zum Vorstandschef nicht beschädigt werden solle. "Ich werde diese Box schließen. Ich möchte kein Aufsehen erregen, Anshu wird CEO", habe Cloete in einer Videokonferenz im Februar 2012 erklärt.

Die Deutsche Bank bestreitet diese Aussagen Cloetes. Sie behauptet, die Manipulation der Referenzzinsen gehe auf einzelne Mitarbeiter zurück - weder ehemalige noch aktuelle Vorstände der Bank hätten davon gewusst. Cloete gilt als Vertrauter von Jain und ist in den erweiterten Vorstand aufgerückt, seit der Top-Investmentbanker gemeinsam mit Jürgen Fitschen das Ruder bei Deutschlands größtem Geldhaus übernommen hat.

Zweifel an der Einzeltäterthese

Sollten Cloetes Aussagen zutreffen, entstünden Zweifel an der Einzeltäterthese. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin beobachtet den Fall deshalb intensiv. In der vergangenen Woche hat sie sich Akten aus dem Arbeitsgerichtsprozess kommen lassen. "Wir schauen uns das an. Wir wollen sehen, ob es neue Fakten gibt, die uns interessieren könnten", sagte ein Sprecher. Sie wirft der Deutschen Bank Versäumnisse in der Überwachung der Libor- und Euribor-Meldungen vor.

Die Aufsichtsbehörden der Europäischen Union dürften noch im Dezember hohe Geldstrafen gegen sechs globale Banken die Zinsmanipulation verhängen, darunter auch die Deutsche Bank. Amerikanische und britische Behörden haben wegen der Affäre bereits fünf Finanzdienstleister - Barclays, UBS, Royal Bank of Scotland, ICAP und Rabobank - mit Geldstrafen von über 3,5 Milliarden US-Dollar belegt. Auf den Interbanken-Zinsen basieren Verträge und Kredite im Wert von mehreren Billionen Euro.

Quelle: n-tv.de, hvg/DJ

Mehr zum Thema