Wirtschaft

Troika erwartet Wirtschaftseinbruch Zypern steht vor Rezession

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Zypern sieht harten Zeiten entgegen.

(Foto: dpa)

Zypern geht schweren Zeiten entgegen. Der Sanierungskurs wird dafür sorgen, dass die Wirtschaftsleistung kräftig zurückgeht. Die Troika lockert deshalb die Rettungsauflagen etwas, doch das Land steht vor großen Problemen.

Der eingeschlagene Sanierungskurs wird Zypern in die Rezession stürzen: Die Wirtschaftsleistung wird nach Einschätzung der internationalen Gläubiger in diesem Jahr um fast acht Prozent schrumpfen. Das ergebe sich aus Zahlen in einer Absichtserklärung zwischen beiden Seiten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Für das kommende Jahr wird ein Minus um etwa drei Prozent erwartet. In den Jahren 2015 und 2016 soll es wieder ein Wachstum von jeweils ein Prozent geben. Ob sich diese Prognose erfüllt, ist allerdings unsicher. Viele Voraussagen der Troika für die Wirtschaftsentwicklung anderer Länder unter dem Rettungsschirm haben sich angesichts des Sparkurses als zu optimistisch herausgestellt.

Zurzeit laufen die Verhandlungen mit der sogenannten Troika aus Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank in Zyperns Hauptstadt Nikosia auf Hochtouren. Zypern hat bereits ein Sanierungsprogramm für seinen überdimensionalen Bankensektor eingeführt. Zudem muss die Inselrepublik den Staat verschlanken, Steuern erhöhen, zahlreiche Privatisierungen durchführen und Renten und Pensionen sowie Löhne der Staatsbediensteten kürzen.

Zypern will der Arbeitsgruppe der Eurogruppe bis Donnerstag ein umfassendes und mit den Geldgebern vereinbartes Sparprogramm präsentieren. Dem von der Pleite bedrohten Land soll mit zehn Milliarden Euro geholfen werden, im Gegenzug muss das Land weitere 5,8 Milliarden Euro aufbringen, den Bankensektor radikal verkleinern und einen Sanierungskurs fahren. Die zyprische Seite akzeptierte außerdem eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro.

Große Herausforderungen

Zypern soll Medienberichten zufolge vom Jahr 2017 an einen Primärüberschuss von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzielen. Im Primarhaushalt sind Zinszahlungen nicht berücksichtigt. Zunächst sollte Zypern bereits ein Jahr vorher diesen Überschuss erreichen, doch die Troika gibt dem Land nun offenbar ein Jahr mehr Zeit.

Demzufolge soll in diesem Jahr das Primärdefizit bei 2,4 Prozent im Vergleich zur Wirtschaftsleistung liegen. Im kommenden Jahr sind 4,25 Prozent und im Jahr darauf 2,1 Prozent geplant.

Damit steht Zypern vor großen Herausforderungen. Bisher war die Wirtschaft ganz auf einen überdimensionierten Finanzsektor aufgebaut – nun muss Zypern ein neues Geschäftsmodell finden. Das Land könnte sich dabei vor allem auf zwei Sektoren stützen, sagen Experten: den Tourismus und die Handelsschifffahrt - Zypern hat eine der größten Flotten in der EU.

Ein dritter Sektor ist der Energiebereich. Vor Zypern werden große Erdgas-Vorkommen vermutet. Darauf richtet das Land die größten Hoffnungen. Regierungssprecher Christos Stylianides betont, dass die Troika die Verteilung der Einnahmen in Händen des zyprischen Staates belässt. "In vier bis fünf Jahren dürften die ersten Einnahmen aus der Gas- und Ölförderung fließen. Das wird wesentlich zur Rettung unserer Wirtschaft beitragen", sagt der frühere zyprische Bankdirektor Georgios Andreou, der jetzt als Berater tätig ist. Bis dahin wird das Land aber noch tiefer in die Rezession schlittern - und dennoch sparen müssen.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/AFP

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