Der Börsen-Tag"Anleger haben nach Ausreden gesucht"
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und schwindende Hoffnungen auf einen baldigen Frieden verunsichert die Anleger an den asiatischen Aktienmärkten. In Tokio legt der Nikkei-Index dennoch um 0,3 Prozent auf 59.343,40 Punkte zu, während der breiter gefasste Topix 0,1 Prozent niedriger bei 3711,51 Zählern notiert. Der Shanghai Composite verliert 0,4 Prozent auf 4074,72 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fällt 0,5 Prozent auf 4763,40 Punkte.
In Japan rücken die wirtschaftlichen Folgen der Seeblockade in der Straße von Hormus durch den Iran in den Fokus. Die dadurch gestiegenen Energiekosten heizen die Inflationssorgen an, auch wenn die Teuerungsrate im März dank staatlicher Subventionen auf 1,8 Prozent gesunken ist. Zu den Verlierern dieser Entwicklung zählten japanische Staatsanleihen, deren Renditen aus Furcht vor Zinsschritten der Bank of Japan (BOJ) stiegen. "Der kostentreibende Druck durch den Nahost-Konflikt dürfte die Preise nicht nur für Energie, sondern für eine breite Palette von Gütern in die Höhe treiben", sagt Masato Koike, Ökonom beim Sompo Institute Plus.
Auch in China dämpft die geopolitische Lage die Kauflaune, während die Regierung in Peking mit dem Verkauf ultralanger Sonderstaatsanleihen im Volumen von 1,3 Billionen Yuan begann, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Investoren schwankten weltweit zwischen der Hoffnung auf eine Waffenruhe und der Furcht vor einer weiteren Eskalation, nachdem die USA ein hartes militärisches Vorgehen gegen iranische Boote angekündigt hatten. "Die Anleger haben nur nach Ausreden gesucht, um bei passender Gelegenheit auf steigende Kurse zu setzen", sagt Vishnu Varathan, Chefstratege bei Mizuho, und fügt hinzu: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand am Markt wirklich glaubt, dass dies in ein oder zwei Wochen vorbei sein wird."