Der Börsen-TagDax-Bodenbildung - oder Bullenfalle?
Nach einem Sechs-Prozent-Abschlag seit Freitag hat der Dax im gestrigen Geschäft vorerst einen Boden gefunden. Der deutsche Börsenleitindex schloss zur Wochenmitte 1,7 Prozent fester mit 24.205 Punkten. Zur Erinnerung: Am vergangenen Freitag hatten dem Börsenbarometer nur knapp 100 Zähler zu einem neuen Allzeithoch jenseits der 25.500er-Marke gefehlt. Marktteilnehmer warnen jedoch, sprechen lediglich von einer technischen Erholung. Der Nahost-Krieg sei nach wie vor das bestimmende Thema.
Heute richtet sich der Blick zunächst nach Asien, denn in Peking beginnt die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses. Im Fokus steht der neue Fünfjahresplan, der unter anderem Ziele für den Klimaschutz, die Energiesicherheit und den Abbau von Industrie-Überkapazitäten definieren soll. Zudem wird erwartet, dass Ministerpräsident Li Qiang Maßnahmen zur Stärkung der Inlandsnachfrage ankündigt. Politisch wird das Treffen von Bemühungen um eine Entspannung im Verhältnis zu den USA begleitet: Vor dem für Ende März erwarteten Besuch von US-Präsident Donald Trump signalisierte Peking zuletzt Gesprächsbereitschaft und den Willen zur Zusammenarbeit, pochte aber zugleich auf die Wahrung seiner Souveränität, Sicherheit und sonstigen Interessen.
Daneben geben die Protokolle der jüngsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) Einblick in die internen Diskussionen der Währungshüter. Sie hatten den Leitzins Anfang Februar weiter konstant gehalten, zugleich aber ihre Flexibilität angesichts der unsicheren geopolitischen Lage betont. Nach dem Ausbruch des Nahost-Krieges und dem Anstieg der Energiepreise erscheint diese Positionierung in neuem Licht. Experten erwarten zwar, dass die EZB weiter die Pausentaste drücken wird, doch ihr nächster Schritt in der Zukunft eine Zinserhöhung sein könnte.
Unternehmensseitig dürften die Zahlen des Logistikriesen DHL Aufschluss über die Folgen der US-Zollpolitik auf den Welthandel geben. Analysten rechnen für 2025 mit einem leichten Rückgang des Umsatzes auf 83,1 Milliarden Euro. Operativ dürften die Bonner den Experten zufolge aber etwas verdient haben – Konzernchef Tobias Meyer hatte bereits Anfang 2025 ein Sparprogramm aufgelegt, mit dem der Konzern die Folgen der Verwerfungen auffangen kann. Meyer dürfte auch einen ersten Einblick in die Auswirkungen der Iran-Krise auf die weltweiten Logistikketten geben.
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