Der Börsen-TagDax schippert auf Rekordkurs – Risiken voraus
Bewegung im Zollstreit könnte dem auf Rekordkurs segelnden Dax anhaltenden Rückenwind liefern. Die Rally steht angesichts des ungewissen Ausgangs der Verhandlungen jedoch auf tönernen Füßen, warnen Strategen. Für schlechtere Laune könnten auch maue Wirtschaftsdaten sorgen.
Das Abkommen zwischen den USA und Großbritannien ließ die Investoren zuletzt auf weitere Deals hoffen und heizte die Kauflaune der Anleger an. "Für den exportstarken Dax sind das durchaus positive Signale. Eine Entschärfung globaler Handelsrisiken würde sich überdurchschnittlich positiv auf deutsche Aktien auswirken", sagt Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Broker eToro. In der abgelaufenen Woche stieg der deutsche Leitindex um knapp zwei Prozent. Bei einem Stand von 23.543 Punkten in der Spitze toppte er am Freitag sein im März erreichtes Allzeithoch.
"Die Börsenampeln stehen weiter auf Grün", fasst Helaba-Strategin Claudia Windt zusammen. "Unter den Investoren ist eine Aufbruchstimmung erkennbar, doch wie gerechtfertigt ist diese?" Denn die Hoffnung der Marktteilnehmer, dass sich das bilaterale erste Abkommen einfach auf die Schwergewichte China und Europa übertragen lässt, könnte sich als trügerisch erweisen." Bislang gebe es noch zu wenig konkrete Ergebnisse, sagt auch Analyst Wienke. "Die Unsicherheit bleibt hoch, unberechenbare Aussagen aus Washington können jederzeit neue Zollängste schüren." Sollte US-Präsident Donald Trump Europa wieder stärker ins Visier nehmen, wäre der Dax besonders anfällig. Die Commerzbank-Strategen gehen davon aus, dass sich der deutsche Aktienmarkt nach der Erholungsrally in den nächsten Wochen eine Verschnaufpause gönnen dürfte.
Darüber hinaus werden die Anleger die in der Berichtswoche anstehenden Konjunkturdaten auf weitere negative Effekte der Handelspolitik absuchen. Deutliche Spuren seien bereits erkennbar, sagen die Experten der Weberbank. "Die Unsicherheit unter Verbrauchern und Unternehmen nimmt weiter zu und belastet insbesondere die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sowie das Konsumverhalten." Ob eine Rezession in den USA vermieden werden kann, hänge maßgeblich davon ab, wie lange die Verhandlungen zwischen den wichtigsten Handelspartnern andauern. Wie es um die Stimmung der Investoren hierzulande bestellt ist, wird sich morgen zeigen, wenn das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht wird. Zuletzt hatten die heimischen Unternehmen zunehmend negative Folgen der Politik von Trump für die deutsche Wirtschaft erwartet. Das Barometer für die Konjunkturaussichten in den kommenden sechs Monaten war im April stärker als erwartet eingebrochen.
Bei den Unternehmen stehen einige Bilanzen ins Haus. Unter anderem gewähren Salzgitter, Evonik, Fraport, Munich Re, Bayer, Eon und Deutsche Telekom Einblick in ihre Bücher.