Krisenbarometer: Weniger Lkw auf Autobahnen senden Alarmsignal
Auf deutschen Autobahnen hat der Lkw-Verkehr im März nachgelassen und damit ein negatives Signal für die ohnehin maue Wirtschaft gesendet. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastwagen sank kalender- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Wie das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) und das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilten, lag der kalenderbereinigte Fahrleistungsindex zugleich 0,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.
Das Barometer stützt sich auf digitale Prozessdaten, die im Zuge der Lkw-Mauterhebung erzeugt werden. Der Index zeichnet die Fahrleistung der mautpflichtigen Lkw nach. Laut Destatis gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Barometer und anderen Konjunkturindikatoren, wie etwa der Industrieproduktion. Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Februar gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat.
Deutsche Industrie fährt Produktion zurück
In der deutschen Industrieproduktion zeichnet sich noch keine Trendwende ab. Im Februar hat das produzierende Gewerbe seinen Ausstoß überraschend um 0,3 Prozent gedrosselt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilt. Analysten hatten eine leichte Belebung erwartet. Sie waren im Schnitt von einem Produktionsanstieg um 0,7 Prozent ausgegangen.
Im Januar war der für die deutsche Wirtschaft wichtige Bereich allerdings nicht ganz so schwach ins Jahr gestartet wie ursprünglich gemeldet. Die Fertigung stagnierte nach revidierten Zahlen - und ist nicht, wie zuerst gemeldet, um 0,5 Prozent gesunken. Gestern hatten bereits Auftragsdaten enttäuscht. Das Wachstum war im Februar nach dem Einbruch zum Jahresstart hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Dax startet tiefer
Nach dem jüngsten Kursfeuerwerk macht sich am deutschen Aktienmarkt Ernüchterung breit. Die brüchige Waffenruhe im Iran-Krieg drückt auf die Stimmung. Der Dax startet 0,4 Prozent niedriger bei 23.977 Punkten.
Beflügelt von der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hatte er am Mittwoch 5,1 Prozent auf 24.080 Punkte zugelegt. Auch die Wall Street reagierte mit einer Kursrally. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Mittwoch 2,9 Prozent höher auf 47.914 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 2,5 Prozent auf 6783 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 2,8 Prozent auf 22.637 Stellen.
Gerresheimer fliegt aus dem SDax – bulgarisches Unternehmen rückt nach
Die Aktien von Gerresheimer fallen im Rahmen einer außerplanmäßigen Anpassung aus dem SDax. Das Unternehmen hat die Anforderung "fristgerechte Veröffentlichung des geprüften Jahresfinanzberichts" nicht erfüllt, teilte Indexbetreiberin Stoxx am Vorabend mit. Nachrücken werden die Aktien der Shelly Group. Das Unternehmen aus Sofia, das von dem ehemaligen MediaMarkt-Manager Wolfgang Kirsch geführt wird, stellt intelligente Steuerungen, Sensoren und Schalter her.
Die Änderungen treten mit dem morgigen Handelsbeginn (10. April) in Kraft.
Deutsche Exporte steigen stärker als erwartet
Die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft sind im Februar stärker als erwartet gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, erhöhten sie sich gegenüber dem Vormonat um 3,6 Prozent, nachdem sie im Januar um 1,5 Prozent gesunken waren. Volkswirte hatten einen Anstieg von nur 0,5 Prozent prognostiziert. Die Importe stiegen um 5,7 (Januar: minus 5,1) Prozent. Erwartet worden war ein Zuwachs von 4,5 Prozent. Die Handelsbilanz wies einen saisonbereinigten Überschuss von 19,8 Milliarden Euro auf.
Wie geht es mit dem Goldpreis weiter?
Gold dürfte angesichts erhöhter geopolitischer Risiken seine Gewinne wieder ausbauen und in diesem Jahr erneut Rekordhochs testen, schreibt das Energie- und Metall-Research-Team von Standard Chartered in einer Research Note.
Es gebe erste Anzeichen für eine Stabilisierung des Goldpreises, da die Zuflüsse in börsengehandelte Produkte im April positiv seien, heißt es. Die Anleger solcher Produkte neigten dazu, die Realrenditen genauer zu verfolgen. Wenn sich Zuflüsse stabilisierten, sei es wahrscheinlicher, dass der Goldpreis eine Untergrenze finde. Auch die Zentralbanken blieben Nettokäufer von Gold.
Die Schätzung von Standard Chartered für den Spot-Goldpreis im zweiten Quartal liegt bei 4650,00 US-Dollar je Unze. Aktuell notiert der Spot-Goldpreis notiert bei 4719,01 US-Dollar je Unze.
Nach dem Kursfeuerwerk macht sich Ernüchterung breit
Der Dax wird Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge tiefer starten. Beflügelt von der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hatte er am Vortag 5,1 Prozent auf 24.080 Punkte zugelegt. Doch die Einigung steht auf wackligen Füßen. Auslöser sind die bislang schwersten israelischen Angriffe auf den Libanon am Mittwoch.
Neben den Ölpreisen stehen die Protokolle der vergangenen Sitzung der US-Notenbank Fed im Fokus. Eine wachsende Zahl von Mitgliedern könnte eine Zinserhöhung zur Eindämmung der Inflation für notwendig halten. Hierzulande werden Daten zu Exporten und Produktion zeigen, wie sich die deutsche Konjunktur vor Ausbruch des Nahost-Krieges geschlagen hat. Aus den USA stehen die Zahlen zu den persönlichen Einkommen und der PCE-Preisindex an.
Lufthansa steht der nächste Streik ins Haus
Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat die Beschäftigten der Kernmarke Lufthansa und ihrer Zubringergesellschaft Cityline für morgen zu einem eintägigen Arbeitskampf aufgerufen. Am 10. April sollen von 0.01 Uhr bis 22.00 Uhr alle Abflüge der Lufthansa von Frankfurt und München bestreikt werden, wie die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) ankündigte. Im selben Zeitfenster sollen die Kabinenbeschäftigten der Cityline an neun deutschen Flughäfen die Arbeit niederlegen. Bei Urabstimmungen hatte Ende März die große Mehrheit der Befragten nach gescheiterten Gesprächen für Streik votiert. Die Lufthansa kritisierte den Streik als unverhältnismäßig und forderte die UFO zu erneutem Dialog auf.
Wirtschaftsweiser: "Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch"
Trotz der jüngsten Entspannung an den Ölmärkten werden die Spritpreise in Deutschland nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr auch in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben. "Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch", sagte Felbermayr im Interview mit "Welt". Auch wenn sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhige, müsse sich "das gesamte System erst in ein neues Gleichgewicht bewegen". Schiffe seien umdirigiert worden, hinzukämen Unsicherheiten bei Versicherungsprämien und den Transitgebühren für Fahrten durch die Straße von Hormus.
"Selbst im besten Fall werden uns diese Verwerfungen noch Monate beschäftigen", sagte er. Für das Jahresende hält er einen Rohölpreis von rund 80 US-Dollar für plausibel. Staatliche Entlastungen der Privathaushalte und der Wirtschaft hält Felbermayr derzeit nicht für zwingend, rät der Politik aber, Instrumente für einen neuen Preisschub vorzubereiten.
Ölpreise ziehen an
Die Ölpreise steigen wieder etwas, nachdem sie schon am Vortag etwas deutlicher über den Tagestiefs geschlossen hatten. Brent-Öl kostet aktuell 96,78 Dollar, gut 2 Prozent mehr als am Vortag, als im Tief nur noch gut 90 Dollar fällig gewesen waren.
Brüchige Feuerpause: Asien-Anleger in Habachtstellung
Nach dem kräftigen Schluck aus der Pulle am Vortag mit kräftigen Kursgewinnen geht es heute an den Börsen in Asien mit den Kursen etwas nach unten. Viele Marktteilnehmer warten erst einmal ab, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt, zumal die zwischen den USA und Iran vereinbarte zweiwöchige Feuerpause brüchig wirkt. So kam es in der Region vereinzelt noch zu Angriffen.
Dazu ist offenbar die Straße von Hormus immer noch weitgehend blockiert, was einer zentralen Bedingung für die Waffenruhe widerspricht. Der Schiffsverkehr durch die für Öltransporte äußerst wichtige Meerenge sei wieder eingestellt worden und Öltanker müssten umkehren, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, die der Islamischen Revolutionsgarde nahesteht. Grund seien Angriffe im Libanon, die Israel auch nach Trumps Ankündigung fortgesetzt und sogar noch ausgeweitet habe. Iran fordert, dass der Libanon in die Waffenruhe einbezogen wird, was die USA und Israel bislang ablehnen.
In Tokio kommt der Topix um 0,8 Prozent zurück, in Seoul fällt der Kospi nach seinem fast 7-prozentigen Sprung nach oben um 1,9 Prozent zurück. Hier werden unter anderem bei den beiden Chipschwergewichten Samsung Electronics und SK Hynix Gewinne mitgenommen, die beiden Aktien verlieren je rund 3,5 Prozent. An den chinesischen Börsen und in Sydney betragen die Einbußen zwischen 0,1 und 0,7 Prozent.
Iran bleibt im Fokus
Die Einigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg hat bei den Anlegern gestern weltweit für enorme Erleichterung gesorgt. Der deutsche Aktienindex Dax gewann mehr als 1100 Punkte hinzu. Er schloss mit einem Plus von 5 Prozent bei 24.080 Punkten.
Für nachhaltige Euphorie sei es aber noch zu früh, warnten Marktbeobachter. Die Lage bleibe fragil und ein diplomatischer Durchbruch bei den Verhandlungen in Pakistan sei keineswegs gesichert.
Und heute?
Der Iran könnte die Straße von Hormus einem hochrangigen iranischen Regierungsvertreter zufolge heute oder morgen freigeben. Voraussetzung sei, dass eine Einigung auf ein Rahmenabkommen erzielt werde, sagte der an den Gesprächen beteiligte Insider. Die Öffnung würde begrenzt und unter iranischer Kontrolle erfolgen. Nach der Vereinbarung einer zweiwöchigen Waffenruhe wartet die Welt darauf, dass wieder Schiffe in großer Zahl durch die wichtige Meeresenge fahren und Öl und Gas aus den Golfstaaten transportieren können.
Wichtige Wirtschaftsdaten zeigen, wie sich die deutsche Konjunktur vor Ausbruch des Nahost-Krieges geschlagen hat. Von Reuters befragte Experten erwarten, dass die Exporte im Februar um 1,0 Prozent angezogen haben, nachdem sie zu Jahresbeginn um 2,3 Prozent zurückgegangen waren. Auch die Produktion von Industrie, Bau und Energieerzeugern dürfte im vorigen Monat zugelegt haben: Volkswirte rechnen mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent, nach einem Minus von 0,5 Prozent im Januar.