Der Börsen-TagMinus 23 Prozent: Politische Risiken an Mailands Börse?
Seit Jahresbeginn haben italienische Aktien im Schnitt 23 Prozent verloren. Zu den bisherigen Belastungsfaktoren für die Mailänder Aktienbörse wie Wirtschaftsabschwung und Energiekrise gesellte sich zuletzt noch das Auseinanderfallen der Regierung Mario Draghi. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, nennt zudem die Anlegerskepsis gegenüber dem neuen Antifragmentierungs-Programm der EZB und die Ausweitung der Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen.
Der Kursverfall habe dazu geführt, dass die KGV-Bewertung für den MSCI Italy auf 7,7 gefallen sei und nun 36 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liege. Das Coronavirus-Tief von 8,1 wurde damit bereits unterschritten. In den vergangenen 45 Jahren lag die Bewertung nur in den Jahren 2008 (KGV 6) und 2011/12 (KGV 6,5) niedriger. Insofern erscheint Stephan das Risiko weiterer merklicher Rücksetzer relativ begrenzt. Für ein nachhaltiges Aufatmen des Index müssten sich jedoch wohl gleich mehrere der genannten Belastungsfaktoren auflösen. Die Chancen hierfür stuft der Anlagestratege in naher Zukunft leider als gering ein.