Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagPolitische Turbulenzen wirbeln Kurse durch

11.11.2024, 06:00 Uhr

Nach dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl und dem Bruch der Berliner Ampel-Koalition müssen sich Anleger Experten zufolge auf unruhige Zeiten einstellen. "Es ist zu erwarten, dass die bereits kurz nach dem Wahlausgang zu beobachtende Divergenz an den globalen Aktienmärkten ein grundsätzliches Muster der nächsten Monate respektive Jahre sein wird", sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Die US-Indizes werden von den Investoren klar favorisiert, wohingegen vor allem die europäischen Indizes aufgrund der grundsätzlich hohen Exportlastigkeit ihrer Mitglieder angesichts des zu erwartenden restriktiveren Handelsregimes der neuen US-Administration vor Probleme gestellt werden."

Allerdings habe die Entlassung von Bundesfinanzminister Christian Lindner auch einen positiven Aspekt, betont Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel. "Jetzt besteht die Chance eines ökonomischen und politischen Aufbruchs, idealerweise in enger Koordination mit der Wirtschaft, aber auch zusammen mit der neuen EU-Kommission und anderen Staaten Europas." Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets bezweifelt allerdings, dass dies ausreichen werde, um dem DAX in absehbarer Zeit zum Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten zu verhelfen.

In der alten Woche gab der deutsche Leitindex unter dem Strich etwa ein halbes Prozent nach und war mit 19.215 Punkten ins Wochenende gegangen. Vor einigen Wochen hatte er sich noch bis auf weniger als 400 Zähler der 20.000er-Marke angenähert. "Zwar mögen es export- und chinaorientierte Unternehmen künftig schwerer haben, allerdings sollten Indexmitglieder mit starkem US-Bezug und dortiger Produktion von der antizipierten Trump’schen Politik profitieren können", wirft DZ-Bank-Analyst Sören Hettler ein. Eine zweite Amtszeit Trumps werde weder an den Börsen in Europa noch den USA als Belastung empfunden. "Auf eine höhere Volatilität müssen sich Aktieninvestoren dennoch einstellen."

Neben der Nachlese der politischen Umwälzungen werden sich Börsianer in dieser Woche auch wieder den Konjunkturdaten zuwenden. Ihr Augenmerk legen sie unter anderem auf die US-Inflationsdaten am Mittwoch. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz prognostiziert für Oktober einen Anstieg von 0,2 Prozent im Monatsvergleich. "Die US-Notenbank dürfte sich bei den von uns erwarteten Zahlen nicht davon abhalten lassen, die Leitzinsen weiter zu senken." In der alten Woche hatte die Fed die Geldpolitik zum zweiten Mal binnen weniger Monate gelockert. Am kommenden Freitag stehen die US-Einzelhandelsumsätze auf dem Terminplan. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Daneben hält eine neue Flut von Firmenbilanzen die Anleger in Atem. Allein aus dem DAX legen rund ein Dutzend Firmen ihre Geschäftszahlen vor, darunter die Deutsche Telekom, der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer sowie der Versicherer Allianz. Die komplette Terminübersicht für diese Woche finden Sie hier.

Quelle: ntv.de