Der Börsen-TagRezessionsängste übernehmen das DAX-Ruder
Mit der Sitzung der Europäischen Zentralbank ist das Highlight der neuen Börsenwoche bereits gesetzt. Eine große Mehrheit der Börsianer rechnet am Donnerstag mit einer weiteren Zinssenkung, nachdem die Euro-Hüter im Juli die Füße stillgehalten hatten. Zuletzt hatten mehr und mehr EZB-Vertreter für eine weitere Senkung plädiert. Rückläufige Inflationsdaten dürften ebenfalls grünes Licht dafür geben. Ob der DAX in der neuen Woche ausreichend Rückenwind für einen neuerlichen Angriff auf die 19.000 Punkte erhält, wird Experten zufolge aber vor allem von den ausblickenden Kommentaren von EZB-Präsidentin Christine Lagarde abhängen.
In der alten Woche hatte der deutsche Leitindex es zunächst auf ein Allzeithoch von 18.990,78 Zählern geschafft und blieb damit weniger als zehn Punkte unter der psychologisch wichtigen Marke. Enttäuschende Daten zur Entwicklung der US-Industrie hatten der Börsen-Euphorie dann aber einen Dämpfer versetzt. Am Freitagabend schloss er dann mit nur noch 18.302 Punkten. Das Wochenminus liegt bei um die 3,5 Prozent, wovon allein 1,5 Prozent auf den Wochenschluss entfielen.
Leicht fallen dürfte der EZB das Abstecken der weiteren Zinsroute nicht. Die Inflationsentwicklung erfordere angesichts nominal hoher Stundenlöhne und gestiegenen Dienstleistungspreisen eigentlich ein Festhalten an hohen Zinsen, sagt Volkswirt Axel Angermann von Feri Economics. Deswegen werden Investoren die endgültigen Inflationsdaten für Deutschland heute genau unter die Lupe nehmen. Auch aus China stehen Preisdaten an. Die anhaltend schwache konjunkturelle Dynamik im Euroraum könne wiederum das Argument fördern, mit weiteren Zinssenkungen die Wirkung der restriktiven Geldpolitik auf die Wirtschaft abzuschwächen. Erfahrungsgemäß gebe es im EZB-Rat Verfechter für beide Ansätze, welches Lager sich durchsetze und welche Position Christine Lagarde einnehme, sei kaum abzuschätzen, so der Ökonom. "Für Finanzmärkte wie auch für Unternehmen bedeutet dies ein zusätzliches Unsicherheitsmoment."
Auch für die USA rechnen die Marktteilnehmer mehrheitlich mit sinkenden Zinsen, wenn die Notenbank Fed am 18. September zusammentritt. Im Fokus stehen deswegen die Verbraucherpreise, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Ökonomen rechnen damit, dass sich der Preisdruck im August weiter beruhigt hat. Börsianer rätseln, ob die US-Notenbank die erwartete Zinswende mit einer Senkung um einen halben oder um einen Viertel Prozentpunkt einleitet.
Die Sorgen um den Zustand der Weltwirtschaft dürften die Anleger jedenfalls weiterhin umtreiben. "Auch wenn wir eine Rezession für unwahrscheinlich halten, dürften in den nächsten Wochen schwächere Konjunkturdaten regelmäßig Rezessionsängste am Aktienmarkt auslösen", sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. "Wir erwarten daher eine nervöse, von Rückschlägen geprägte Aktienmarktentwicklung – also einen typischen September." Am Freitag stehen noch weitere Daten an: Im Euroraum wird die Industrieproduktion für Juli veröffentlicht und das von der Uni Michigan erhobene US-Verbrauchervertrauen.
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