Der Börsen-TagTrotz drohender Knappheit: Deutschland exportiert plötzlich Diesel
Deutschland exportiert trotz eines weltweit angespannten Dieselmarkts derzeit Mitteldestillate (wie Diesel und Heizöl in Dieselqualität) in die Niederlande. Das geht aus Daten der Experten für Rohstoffpreise bei Argus Media hervor. In den vergangenen Wochen hatten die Bundeswirtschaftsministerin und der Branchenverband Fuels und Energie vor einer möglichen Kraftstoffknappheit in Deutschland im April oder Mai gewarnt.
Der Export ist ungewöhnlich, da Deutschland üblicherweise Nettoimporteur von Diesel ist. Zugleich ist das weltweite Angebot an Diesel durch den Iran-Krieg stark gesunken: Wichtige Raffinerien im Nahen Osten stehen still, asiatischen Raffinerien fehlt wegen der Blockade der Straße von Hormus Rohöl, und um US-Diesel ist ein Bieterwettstreit entbrannt.
Trotzdem ist die Versorgungslage hierzulande derzeit noch gut, es gibt sogar einen Überschuss an Mitteldestillaten. Denn laut Hagen Reiners, Experte für den deutschen Ölmarkt bei Argus Media, ist die Heizölnachfrage nach einem kurzfristigen Anstieg zu Kriegsbeginn "komplett eingebrochen". Hohe Preise und Unsicherheit hielten Verbraucher vom Kauf ab. Händler in den Niederlanden seien hingegen bereit, die hohen Preise zu zahlen - wohl um Bestände aufzubauen, "da sie eine Knappheit im April fürchten, falls Schiffe die Straße von Hormus nicht bald wieder passieren können", so Reiners.