Der Börsen-TagUS-Schuldenstreit als DAX-Stimmungskiller
In der neuen Börsenwoche hoffen die Anleger nach einem zuletzt bewegungsarmen Handel auf mehr Hinweise zu den Aussichten der Weltwirtschaft. Vor allem das weitere Vorgehen bei den Zinserhöhungen der US-Notenbank und der EZB im Kampf gegen die hohe Inflation treibt die Aktienmärkte nach den jüngst durchwachsenen Konjunkturdaten um. "Die US-Inflationsdaten zeigten mit dem minimalen Rückgang von fünf auf 4,9 Prozent zwar in die richtige Richtung, doch reicht dieses Tempo keineswegs aus, um die US-Notenbank Fed bereits ab Sommer in den Zinssenkungsmodus wechseln zu lassen, wie es von den Anlegern mehrheitlich erwartet wird", schreiben die Experten der Helaba. Im Euroraum drehten sich die Spekulationen weiter darum, ob die EZB einer möglichen Zinspause nähergekommen sei. Den globalen Aktienmärkten fehle es bislang jedenfalls an eindeutigen Impulsen.
So hatte der deutsche Börsenleitindex DAX am Freitag zwar 0,5 Prozent zugelegt, mit 15.914 Punkten aber knapp unter dem Vorwochenschluss geschlossen. Aktuell wird er mit etwa 15.950 Zählern zum Start in die neue Handelswoche erneut etwas fester taxiert.
Im Fokus in der neuen Woche bleibt auch der anhaltende Streit um die US-Schuldenobergrenze. Weniger als einen Monat vor einem drohenden Zahlungsausfall der USA wurden die Gespräche zwischen den Demokraten von Präsident Joe Biden und den Republikanern über eine Anhebung der Schuldenobergrenze auf die neue Woche vertagt. Der erbitterte Streit in dieser Frage im Kongress ist ein weiteres Risiko für die ohnehin schon belastete Weltwirtschaft. Biden hat bereits vor einer schweren Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft gewarnt, sollte es keine Einigung geben.
"Der Streit könnte bis zur letzten Sekunde andauern", sagt Mark Dowding, Chefanleger beim Vermögensverwalter RBC Bluebay. Dabei bestehe das reale Risiko, dass dem US-Finanzministerium tatsächlich das Geld ausgehe. Sollte dies – möglicherweise schon Anfang Juni – passieren, dürfte die Regierung dem Schuldendienst Vorrang einräumen, um einen Zahlungsausfall und das daraus resultierende Chaos an den Finanzmärkten zu vermeiden. "Wir sind bei Risikoanlagen vorsichtig, solange die Situation nicht geklärt ist", fügt Dowding hinzu.
Zum Wochenauftakt steht die Frühjahrsprognose der EU-Kommission an. Im Winter hatte sie der europäischen Wirtschaft ein Plus beim BIP von 0,9 Prozent für das laufende Jahr vorhergesagt. Außerdem dürfte Deutschland aus Sicht der Brüsseler Behörde einer Rezession knapp entgehen. Nun wird sich zeigen, ob die Kommission nach der weitgehend überwundenen Energiekrise des Winters ihre Prognose weiter anhebt oder nicht.
Unternehmensseitig öffnen heute der VW-Großaktionär Porsche SE und der Energietechnik-Hersteller Siemens Energy ihre Bücher: Der Blick dürfte sich beim Energietechnik-Konzern neben den Kennziffern des Konzerns einmal mehr auf die Belastungen durch die spanische Windenergietochter Siemens Gamesa richten. Diese hatte Siemens Energy im ersten Quartal einen Nettoverlust von mehr als einer halben Milliarde Euro eingebrockt. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Gamesa-Finanzchefin Beatriz Puente den kriselnden Windturbinenhersteller zum 15. Mai verlässt.