Der Börsen-TagWenn die Geopolitik verrücktspielt
Die Furcht vor einer Eskalation des US-Iran-Konflikts dürfte die Börsianer auch in dieser Woche nicht loslassen. "Nach einem raschen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sieht es im Augenblick nicht aus", sagt Christian Henke, Analyst vom Broker IG. US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf den Iran erhöht und die Führung in Teheran zu einer zügigen Einigung gedrängt. Sollte keine Lösung im Atomstreit erzielt werden, würden "schlimme Dinge" passieren, warnte Trump in Washington. Er nannte in diesem Zusammenhang eine Frist von zehn Tagen, ohne näher darauf einzugehen. Während die USA ihre Truppenpräsenz im Nahen Osten weiter verstärken, wächst international die Sorge vor einem neuen Krieg. Für diesen Donnerstag sind wohl neue Gespräche anberaumt.
Spekulationen auf mögliche Lieferengpässe trieben die Ölpreise in der alten Woche um rund 5,5 Prozent nach oben. Steil nach oben ging es auch für den europäischen Gaspreis. Die größte Sorge der Investoren ist laut Analysten, dass eine Eskalation des US-Iran-Konflikts den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus beeinträchtigen könnte. Ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gasverbrauchs wird über diese Wasserstraße abgewickelt. Die Börsen schlugen unterdessen einen Zickzackkurs ein, doch eine Flucht aus Risikoanlagen in "sichere Häfen" blieb vorerst aus. Am Freitag verabschiedete sich der deutsche Börsenleitindex mit einem Stand von 25.261 Prozent ins Wochenende. "Anleger bevorzugen Sicherheit, wenn auch mit Abschlägen", fassen die Experten der Helaba zusammen.
Im Blick bleibt zugleich der Zickzackkurs des Technologiesektors. Nach der Markteinführung mehrerer neuer Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) fürchten viele Anleger, dass der Boom der neuen Technologie die Geschäftsmodelle etablierter Software- und Datenunternehmen untergraben könnte. Dies löste zuletzt in mehreren Branchen eine Korrektur aus. Benjamin Melman, Chefanleger beim Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, bezeichnet diese Reaktion jedoch als überzogen: "Wenn KI die Entwicklung effizienter und günstiger macht, könnte die Nachfrage nach Software eher steigen als schrumpfen."
Im Fokus bei den Unternehmen stehen unter anderem die Bilanzen von Fresenius, Fresenius Medical Care, MTU Aero Engines, EON, Heidelberg Materials, Deutsche Telekom, Allianz, Hensoldt, Aixtron, Puma und Delivery Hero. In den USA öffnet Nvidia als letzter der als "Magnificent Seven" bekannten größten Technologiekonzerne die Bücher. Weitere Hinweise zur Konjunkturlage in Deutschland bietet zum Start der neuen Woche der IFO-Index für Februar, der laut Experten zulegen dürfte.
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