Aufwärtstrend bleibt intaktBullen nehmen Wall Street auf die Hörner

Die Wall Street handelt den ersten Tag nach dem Memorial Day - und zieht die Gewinne aus Europa nach. Die Kurse steigen und die Gründe und Impulse dafür sind vielschichtig. In den Fokus rücken die Nebenwerte.
Die US-Börsen haben am Dienstag ihren Höhenflug aus der Vorwoche fortgesetzt. Angetrieben wurden die Kurse am ersten Handelstag der Woche - am Montag waren sie wegen des Memorial Day geschlossen - von Spekulationen auf eine weitere geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank. Ratsmitglied Ewald Nowotny bekräftigte die Handlungsbereitschaft der EZB zur Abwehr einer gefährlichen Deflationsspirale aus fallenden Preisen sowie Investitionen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 0,4 Prozent auf 16.675 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,6 Prozent auf 1911 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 1,2 Prozent auf 4237 Punkte vor.
Nach Wochen eines wenig inspirierenden Auf und Ab könnte es in nächster Zeit deutlicher nach oben gehen, meinte auch David Madden von IG. Die US-Wirtschaft sei "wieder da", sagte er mit Blick auf die überzeugenden Daten der jüngsten Zeit. Und dies bei weiterhin extrem niedrigen Zinsen: "Anleger erhalten das Beste zweier Welten - gute Daten und eine weiterhin unterstützende US-Notenbank", ergänzte Hedgetfonds-Präsident Uri Landesman von Platinum Partners.
Blick auf die Nebenwerte
Gesucht waren vor allem Nebenwerte. So kletterte der entsprechende Index Russell-2000, der zuletzt schwächer als der Gesamtmarkt gelaufen war, um 1,4 Prozent. Die Daten des Tages lieferten Anlegern die nötigen Kaufargumente. So ließ ein Schwung von Militärbestellungen die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern in den USA im April überraschend steigen, obwohl Volkswirte einen Rückgang prognostiziert hatten. Zudem schien der für das US-Wachstum so wichtige Konsum ins Rollen zu kommen. Denn die Stimmung unter den Verbrauchern hellte sich im Mai auf.
Wenig Störfeuer lieferte da der Immobilienmarkt, wo sich der Anstieg der Häuserpreise im März zwar erneut verlangsamt hatte. Volkswirte hatten aber ein stärkeres Abflachen des Anstiegs erwartet. Allerdings wurde die Zahl der erteilten US-Baugenehmigungen im April deutlich nach unten revidiert. Weniger eindeutig fielen die Signale im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine aus. Hatte es nach den Präsidentschaftswahlen nach einer Entspannung ausgesehen, verschärfte sich die Lage mit Kämpfen im ostukrainischen Donezk wieder.
Viel los
Am Aktienmarkt zogen Apple nach den jüngsten Aufschlägen um weitere 1,9 Prozent an und kletterten auf den höchsten Stand seit Oktober 2012. Anleger schauten mit Spannung auf die große Entwicklerkonferenz Anfang Juni. Im laufenden Jahr hat die Aktie bereits um 9 Prozent zugelegt und in den vergangenen zwölf Monaten sogar um 39 Prozent. Gleichwohl liegt sie aber noch deutlich unter dem Allzeithoch vom September 2012.
Bank of America reichte einen Kapitalplan bei den Regulierungsbehörden ein. Diese sollen auf dessen Grundlage der Bank die Ausschüttung einer höheren Dividende und möglicherweise auch Aktienrückkäufe genehmigen. Anleger spekulierten auf einen positiven Bescheid, die Titel rückten um 3,4 Prozent vor und führten das Tableau im Dow an.
Pfizer stiegen um 0,4 Prozent. Der Pharmakonzern gab seine Pläne zum Kauf des britischen Wettbewerbers AstraZeneca auf.
Die Aktie des US-Börsenbetreibers IntercontinentalExchange (ICE) legte um 2,4 Prozent zu. Die ICE spaltet die Euronext über einen Börsengang ab. In den kommenden Wochen soll der Gang aufs Parkett an den eigenen Börsen in Amsterdam, Brüssel und Paris auf den Weg gebracht werden.
In der Lebensmittelbranche bahnt sich derweil eine weitere milliardenschwere Großübernahme an. Der Geflügelfleischhersteller Pilgrims Pride will Hillshire Brands, einen Anbieter für Fertiggerichte, schlucken. Das Gebot setzt ein dickes Fragezeichen hinter die geplante Übernahme des Tiefkühlkostproduzenten Pinnacle Foods durch Hillshire. Während Hillshire-Aktien um 22,1 Prozent nach oben schossen, verteuerten sich Pilgrims Pride um 1,7 Prozent, Pinnacle gaben dagegen 6,4 Prozent nach.