Marktberichte

"K+S gehen durch die Decke" Dax beendet die Griechenland-Woche

Das bestimmende Thema zum Wochenschluss ist und bleibt die griechische Schuldenkrise. Etwas Ablenkung von den Sorgen um Athen bringt ein Übernahmeversuch, der den Kurs eines Dax-Konzerns um ein Drittel anschiebt. Und dann ist da noch China.

"Sehr spannend": So fällt die Einschätzung von n-tv Börsenexpertin Corinna Wohlfeil zum Wochenschlusshandel am deutschen Aktienmarkt aus. Bestimmendes Thema war erneut die griechische Schuldenkrise. "Anleger rechnen mit einem faulen Kompromiss", sagte n-tv Börsenexpertin Sabrina Marggraf. Einen Grexit hielten sie aber für unwahrscheinlich. Nachdem die Gespräche zwischen den Geldgebern und Griechenland ergebnislos abgebrochen wurden, soll nun am Wochenende die Entscheidung fallen, am Samstag treffen sich die Euro-Finanzminister. Verhandeln bis zur letzten Sekunde - "für die Investoren ist das eine schwierige Situation", kommentierte Marggraf.

"Viele Investoren wünschen sich eine Lösung, welcher Art auch immer - Hauptsache es gibt eine", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Danach lässt sich ein Fazit ziehen, kann man die Folgen für die Eurozone einschätzen und der Markt kann sich sein Bild machen", erläuterte er. "Solange die Hängepartie anhält, liegen die griechischen Sorgen aber wie Blei auf Dax und Co."

Ein paar der Sorgen nahm am Nachmittag ausgerechnet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Ich kann nicht sagen, was das Ergebnis sein wird, es steht 50 zu 50", sagte er bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt am Main. Er pocht edabei weiter auf eine harte Linie. "Man darf keinem Mitgliedsstaat erlauben, ohne Grenzen Geld auszugeben und andere Mitgliedsstaaten dann dafür haften zu lassen." Es stehe viel auf dem Spiel.

Den Anlegern reichte die 50:50-Einschätzung des Ministers. Sie werteten sie als positiven Wink. Der Dax drehte daraufhin ins Plus und schloss am Ende 0,2 Prozent fester bei 11.492 Zählern. Das Tagestief markierte er bei 11.373 Stellen. Im Wochenverlauf hat der deutsche Leitindex damit mehr als 400 Punkte zugelegt, dank des "Fabeltags" zu Wochenbeginn. Der MDax verbesserte sich ebenfalls - um 0,3 Prozent auf 20.350 Zähler. Der TecDax präsentierte sich mit 1696 Stellen unverändert.

Wall Street im Bann des Schuldenpokers

Die Furcht vor einem Scheitern im griechischen Schuldendrama in letzter Minute belastete die US-Börsen. Den Markt etwas stützen konnten positive Konjunkturdaten. Die Stimmung der US-Verbraucher hellte sich im Juni deutlich auf. Das Barometer für die Konsumlaune legte auf 96,1 Zähler von 90,7 Punkten im Mai zu. Das ist der beste Wert seit Januar.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete den letzten Handelstag der Woche 0,3 Prozent höher bei 17.947 Punkten. Händlern zufolge war der Aufschlag vor allem auch auf die starken Nike-Zahlen zurückzuführen. Der breiter gefasste S&P-500 notierte zuletzt kaum verändert bei 2101 Zählern. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gab um 0,6 Prozent auf 5080 Punkte nach. Im Wochenvergleich sank der Dow 0,4 Prozent, der S&P ebenfalls 0,4 Prozent und die Nasdaq 0,7 Prozent.

Auf Unternehmensseite im Blickpunkt stand Nike mit einem Kursplus von gut vier Prozent. Der weltgrößte Hersteller von Sportartikeln enteilt seinem Rivalen Adidas immer weiter. Mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf 30,6 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr ist Nike mittlerweile fast doppelt so groß. Der Konzern profitiert besonders vom florierenden Geschäft mit Basketballschuhen und übertraf das achte Quartal in Folge die Gewinnerwartungen.

Die Aktien von Micron Technology stürzten dagegen um 18 Prozent ab. Der Chip-Hersteller erlitt wegen eines Preisrückgangs und einer geringeren Nachfrage nach seinen PC-Chips im Quartal einen Gewinneinbruch von 39 Prozent auf 491 Millionen Dollar.

Potash will K+S

K+S Aktiengesellschaft
K+S Aktiengesellschaft 13,80

Im Dax gingen K+S "durch die Decke", wie n-tv Börsenexpertin Marggraf sagte. Das Kursplus betrug zeitweise fast 40 Prozent. Hintergrund wa r ein Übernahmeangebot des kanadischen Konkurrenten Potash, das offenbar auf 40 Euro je Aktie hinausläuft. Analysten der Societe Generale stuften es als sehr attraktiv ein. "Sollte das Griechenland-Drama irgendwann der Vergangenheit angehören, rechne ich mit weiteren Übernahmen in Europa", so ein Aktienhändler. Die Unternehmen säßen auf Cash und das Geld sei weiterhin billig. Zu Handelsschluss betrug das K+S-Plus mehr als 30 Prozent ein. Auch Potash konnten zulegen.

Mit Lanxess und Deutsche Bank wiesen weitere Werte deutlichere Aufschläge auf: jeweils mehr als 1 Prozent. Die größten Abgaben mussten FMC und Merck mit jeweils mehr als 0,5 Prozent verkraften. Adidas und Infineon wurden von den Nike- und Micron-Zahlen beeinflusst. Adidas büßten 0,5 Prozent ein, Infineon schlossen nahezu unverändert.

Nach Anschlag: Tui unter Druck 

Der Anschlag auf ein Hotel in Tunesien drückte auf den Tui-Kurs. Bei dem Angriff auf das Hotel Marhaba in Sousse wurden mindestens 27 Menschen getötet. Darunter befanden sich auch Touristen. Die Hintergründe waren am Abend noch ungeklärt. Im Handel wurde von einem leichten Belastungsfaktor gesprochen. Für das Tui-Papier ging es 1 Prozent nach unten.

Devisen: Euro wieder unter 1,12

Der Euro pendelte erneut lange um die Marke von 1,12 Dollar. Seit Dienstag befand sich die Gemeinschaftswährung mehr oder weniger auf diesem Niveau. Die EZB legte den Referenzkurs auf 1,1202 Dollar fest. Am Abend lag die Gemeinschaftswährung deutlich darunter - und bewegte sich um 1,1150 Dollar.

Dennoch: Die geringe Reaktion des Eurokurses auf Meldungen zum Schuldenstreit - im Gegensatz zu den Aktienmärkten - ist nicht neu.Devisen-Experten sprechen von einem "Nicht-Ereignis" mit Blick auf die weiteren Verhandlungen am Wochenende. Interessant sei nur, wie sich die EZB bezüglich ihrer Notkredite für die griechischen Banken verhalte. "Denn letztendlich kommt es darauf an, ob Europas Währungshüter sich an ihre geldpolitischen Regeln halten oder sich vor den Karren der Politik spannen lassen", hieß es von Seiten der Devisenanalysten der Commerzbank.

Asien: China-Blase platzt

Die anhaltende Ungewissheit über den Verbleib Gr iechenlands in der Eurozone setzte auch den Aktienmärkten in Fernost zu. Die Börsenbarometer gaben zum Wochenausklang zum Teil deutlich nach. "Der Markt ist nervös, aber nicht panisch", sagte Aktienexperte Stefan Worrall von Credit Suisse. "Er hält erwartungsvoll den Atem an." In Tokio machten viele Anleger Kasse, nachdem der Nikkei im Verlauf der Woche den höchsten Stand seit mehr als 18 Jahren erreicht hatte. Am Freitag schloss der Nikkei-225 0,3 Prozent schwächer bei 20.706 Punkten. Zu den Verlierern zählten Mitsubishi Motors nach Berichten über eine Massen-Rückrufaktion. Auch die Papiere anderer exportorientierter Unternehmen wie Honda gaben nach. Beide Autobauer büßten jeweils 0,6 Prozent ein.

Erneut im Sturzflug zeigten sich die Börsen in Schanghai und Shenzhen. Dort saß den Anlegern die Angst vor dem Platzen einer Spekulationsblase im Nacken angesichts der Kursrally der vergangenen Monate. Angeheizt wurde sie von kritischen Analystenkommentaren. So ist Morgan Stanley überzeugt, dass die festlandchinesischen Börsen ihre Höchststände hinter sich haben. Die Analysten der Bank raten Anlegern dringend davon ab, den jüngsten Rücksetzer zum Kauf zu nutzen.

Auch die Experten von IG glauben, dass chinesische Aktien heißgelaufen sind. Sie sprachen von Ermüdungserscheinungen des Marktes, die Vorboten einer massiven Korrektur seien. Der Shanghai-Composite-Index brach um 7,4 Prozent ein, womit sich das Plus seit Jahresbeginn auf jetzt knapp 30 Prozent von ehemals rund 55 Prozent deutlich verringert hat. In Shenzhen gingen die Kurse im Schnitt um 7,9 Prozent niedriger aus dem Handel.

Rohstoffe: Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise gaben ebenfalls weiter nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Abend 62,94 Dollar und damit 0,6 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab 0,6 Prozent nach auf 59,28 Dollar. Damit wurden die Abschlagsserien der beiden vergangenen Tage fortgesetzt. Die Ölpreise waren am Mittwoch nach aktuellen Produktions- und Lagerdaten aus den USA unter Druck geraten.

Insgesamt notiere Öl seit April in einem festgefahrenen Preisbereich, sagten Händler. Nach den turbulenten Herbst- und Wintermonaten sei die Schwankungsanfälligkeit zurückgegangen.

Quelle: n-tv.de, bad/mbo/DJ/rts

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