Marktberichte

Längster Börsenboom aller Zeiten Wall Street stellt historischen Rekord auf

Trotz Tagesverlust markiert der US-Leitindex S&P 500 einen neuen Rekord: Noch nie gab es an den US-Börsen einen so lange anhaltenden, ununterbrochenen Aufwärtstrend wie in den vergangenen neun Jahren. Doch es gibt aktuell auch Gegenwind.

Der S&P-500-Index hat nach seinem Allzeithoch des Vortages den nächsten Rekord geknackt. Er verbuchte den längsten sogenannten Bullenmarkt in der Geschichte der Wall Street. Er hatte definitionsgemäß seit dem 9. März 2009 im Vergleich zum jüngsten zyklischen Hoch auf Schlusskursbasis nicht ein einziges Mal wieder 20 Prozent an Wert eingebüßt. Damals war er vor dem Hintergrund der tobenden Finanzkrise auf 666 Punkte abgesackt, nun schloss er bei 2.862 Punkten und damit dicht am Rekordhoch.

Insgesamt tat sich am Aktienmarkt nicht viel, denn am Mittwoch begannen die viel beachteten Handelsgespräche zwischen den USA und China. Das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung bediente Bullen wie Bären gleichermaßen, belastete aber tendenziell die Wall Street ein wenig. Denn die Währungshüter ließen an einer neuerlichen Zinserhöhung im September keinen Zweifel aufkommen und erhöhten zugleich den Wachstumsausblick für 2018 und 2019 leicht. Gleichzeitig diskutierten sie aber auch die Konjunkturrisiken, die mit den Handelsstreitigkeiten verbunden sind und deuteten für den Fall der Fälle eine Pause im Zinserhöhungszyklus an. Derzeit werden am Markt noch zwei weitere Zinserhöhungen im laufenden Jahr erwartet.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,3 Prozent auf 25.734 Punkten. Der S&P-500 büßte einen Zähler ein und der Nasdaq-Composite legte um 0,4 Prozent zu.

Für etwas Gegenwind sprach der zunehmende Druck auf US-Präsident Donald Trump. Innenpolitisch wird es für Trump derweil wieder ungemütlicher, die Medien in den USA brachten wieder offen eine mögliche Amtsenthebung ins Spiel. Denn nach Gerichtsverhandlungen gegen zwei seiner engsten Vertrauten sah sich der US-Präsident Vorwürfen der Verschwörung zum Wahlkampfbetrug ausgesetzt.

Der langjährige Trump-Anwalt Michael Cohen räumte seine Schuld unter anderem in fünf Anklagepunkten wegen Steuerbetrugs und in zwei wegen Verletzung der Gesetze zur Wahlkampffinanzierung ein. Er deutete dabei an, dass der damalige Präsidentschaftskandidat Trump als Mitverschwörer fungiert habe. Parallel wurde Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort wegen Betrugs in acht Anklagepunkten schuldig gesprochen.

"Das Ergebnis der Gerichtsverhandlungen nimmt der positiven Aktienmarktstory etwas von ihrem Glanz", sagte CMC-Analyst David Madden. "Ich denke nicht, dass das, was mit Trump passiert, wichtig für die Märkte ist", ergänzte Präsidentin Maris Ogg von Tower Bridge Advisors. 

Trump schwächt den Dollar

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,11

Gleichwohl neigte der Dollar mit den Schlagzeilen um Trump weiter zur Schwäche. Zudem wurde am Devisenmarkt auf die mögliche Zinserhöhungspause verwiesen, sollten die Handelskonflikte auf die Konjunktur durchschlagen. Der Euro legte im späten Handel auf 1,1602 Dollar zu nach Wechselkursen um 1,1572 am Vorabend. Der ICE-Dollarindex verlor weitere 0,1 Prozent und baute seine Durststrecke auf sechs Sitzungen in Folge aus.

Kräftige Gewinne gab es am Ölmarkt - auch gestützt von der Dollarschwäche. Doch den entscheidenden Impuls lieferte die Lagerbestandsdaten in den USA. Nachdem der US-Branchenverband API am späten Vorabend über einen unerwartet deutlichen Rückgang der US-Lagervorräte berichtet hatte, zeigten auch die offiziellen Regierungsdaten einen unvorhergesehen deutlichen Lagerbestandsabbau. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 3,1 Prozent auf 67,86 Dollar je Fass, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 3,0 Prozent auf 74,78 Dollar.

Gold stagnierte auf Tagessicht bei 1.196 Dollar je Feinunze. Das Edelmetall habe in jüngster Zeit fast nur auf die US-Geldpolitik reagiert, doch das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank habe kaum neue Erkenntnisse geliefert, hieß es im Handel. Die im September anstehende Zinserhöhung machte die für den Goldpreis eher positive Dollarschwäche wett.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 53,11

Mit den festen Ölpreisen legte der Subindex der Energiewerte am Aktienmarkt um 1,2 Prozent zu und führte damit die Branchenindizes an. Marathon Oil, Noble Energy und Devon Energy legten um bis zu 3,9 Prozent zu.

Target auf Allzeithoch

Der US-Kabelkonzern Comcast kommt bei seiner geplanten Übernahme des britischen Bezahlfernsehsenders Sky nicht voran und verlängerte die Annahmefrist wegen einer schwachen Andienungsquote. Comcast gaben 0,7 Prozent nach. Anleger befürchteten, die Transaktion könnte kostspieliger werden.

Ansonsten machten Quartalsberichte Kurse - unter anderem bei Urban Outfitters, La-Z-Boy und Lowe's. Nach überraschend guten Geschäftszahlen stieg der Kurs des Bekleidungshändlers Urban Outfitters um 4,7 Prozent. Der Innenausstatter La-Z-Boy hatte in seinem Berichtsquartal mehr umgesetzt als erwartet. Die Aktie schoss um 13,1 Prozent nach oben.

Die Baumarktkette Lowe's will sich derweil künftig auf das Kerngeschäft mit Heimwerkern konzentrieren und sich von ihren 99 Läden unter dem Namen Orchard Supply Hardware trennen. Im zweiten Quartal buchte sie aus dem Grund eine Belastung von 230 Millionen Dollar. Weil weitere Kosten anfallen werden, senkte Lowe's den Ausblick. Trotz allem steigerte die Handelsgruppe im Quartal den Gewinn mehr als erwartet. Der Kurs kletterte um 5,8 Prozent.

Target gewannen 3,2 Prozent und kletterten auf Allzeithoch, nachdem der Einzelhändler das höchste Umsatzwachstum seit 13 Jahren verbucht und die Markterwartungen überboten hatte. Exact Sciences haussierten um 30,5 Prozent. Der Spezialist für Gesundheitsfürsorge gab eine Kooperation mit dem Pharmakonzern Pfizer bekannt, um ein wichtiges Krebstestverfahren zu vermarkten.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ

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