Wirtschaft
Mittwoch, 16. August 2006

Do it together: Praktiker übernimmt Max Bahr

Damit dürfte die Konsolidierungswelle bei den Baumärkten offiziell eingeläutet sein: Die Baumarktkette Praktiker übernimmt das operative Geschäft des Konkurrenten Max Bahr. Eine entsprechende Vereinbarung sei in Hamburg unterzeichnet worden, teilte Praktiker mit. Die Transaktion muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Zusammen mit Max Bahr will Praktiker einen Jahresumsatz von knapp vier Mrd. Euro erwirtschaften. Praktiker erwarte bereits im ersten vollen Geschäftsjahr einen positiven Ergebnisbeitrag, hieß es. Die Immobilien von Max Bahr übernimmt der Baumarktriese nicht. Diese gingen an die Moor Park Holdings Luxembourg, hieß es.

Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Medienberichten zufolge hat Praktiker wohl einen niedrigeren Kaufpreis gezahlt, als die bislang kolportierten 1,0 Mrd. bis 1,5 Mrd. Euro. Diese Schätzung hatte die Immobilien der zuletzt 76 Max Bahr-Märkte eingeschlossen. Am Markt wurde die Übernahme mit einem Kursplus begrüßt. Die Praktiker-Aktie legte nach der Ankündigung um 5,55 Prozent auf 25,47 Euro zu.

Praktiker wird "preisaggressiv"

"Mit der Übernahme des operativen Geschäfts von Max Bahr erwerben wir ein gut geführtes Unternehmen, das uns hilft, unsere Marktposition weiter auszubauen", erklärte Praktiker-Chef Wolfgang Werner. Praktiker wolle Max Bahr als eigene Marke im Premium-Bereich fortführen. Praktiker selbst wolle sich darunter als "preisaggressive" Marke positionieren. Damit sprächen die beiden Ketten zusammen ein breiteres Kundenspektrum an als bisher. Die geplante Expansion in Osteuropa wolle Praktiker ungeachtet des Zukaufs wie angekündigt fortsetzen. Mittelfristig sollten dort pro Jahr 15 bis 20 Standorte eröffnet werden.

Auch andere Baumarktketten hatten angesichts des Konkurrenzkampfes im deutschen Markt Zukäufe angekündigt. Obi-Chef Sergio Giroldi hatte im Februar erklärt, die zur Tengelmann-Gruppe gehörende Baumarktkette schließe Übernahmen bei guten Gelegenheiten nicht aus. Obi soll selbst an der in Hamburg ansässigen Baumarktkette interessiert gewesen sein. Offiziell hat das Obi aber ebenso wenig bestätigt wie der Finanzinvestor Permira, dem ebenfalls Interesse an Max Bahr nachgesagt wurde. Obi ist mit einem Marktanteil von 16,2 Prozent die Nummer eins der deutschen Baumarktbranche, Praktiker kommt auf 12,2 Prozent, Max Bahr auf 3,8 Prozent. Die Max Bahr GmbH & Co KG betreibt nach früheren Angaben in Deutschland mit 4.500 Mitarbeitern mehr als 80 Baumärkte in 46 Städten. 2005 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 816 Mio. Euro.

Die Baumärkte in Deutschland liefern sich seit Jahren einen heftigen Preiskampf, während die Verkaufsflächen unaufhaltsam wachsen. Das drückt auf die Gewinnmargen. "Der Verkauf von Max Bahr ist der Start der Konsolidierung, die kommen musste", hatte bereits der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), John Herbert, prognostiziert.

Quelle: n-tv.de