Frage & Antwort

Frage & Antwort Ist männliche Milchbildung möglich?

Der weibliche Körper bereitet sich neun Monate lang auf das Stillen vor.

Der weibliche Körper bereitet sich neun Monate lang auf das Stillen vor.

Alexander von Humboldt, der berühmte Naturforscher, ist bei seiner Reise durch Lateinamerika einem Mann begegnet, dessen Frau erkrankt war und der sein Kind fünf Monate lang zwei- bis dreimal täglich stillte. "Lozano war 32 Jahre alt und hatte bis anhin keine Milch in der Brust verspürt; aber die Reizung der Warze, an der das Kind sog, bewirkte eine Ansammlung dieser Flüssigkeit. Die Milch war fett und sehr süss", erzählt Humboldt in einem Reisebericht Anfang des 19. Jahrhunderts. Offenbar hatte die Angst um das Leben seines Kindes zusammen mit dem Saugreiz des Babys zu tiefgreifenden hormonellen Veränderungen im Körper des Mannes geführt. Kennt auch die moderne Medizin stillende Männer? Was ist dran an dem Phänomen, das Humboldt beschreibt?

Männer haben Milchdrüsen

Fest steht: Auch Männer haben Milchdrüsen. Egal, ob ein Embryo männlich oder weiblich ist, "die Anlagen zur Milchdrüse sind bei beiden Geschlechtern vorhanden", erklärt uns Dr. med. Thorsten Siegmund, Endokrinologe und Leitender Oberarzt in München. Allerdings bilden sich die Drüsen je nach Geschlecht unterschiedlich aus. "Bei männlichen Embryonen bleiben sie in der Entwicklung zurück", sagt Siegmund.

Und das bedeutet: Wenn keine krankhaften Veränderungen vorliegen, ist die männliche Brustdrüse nicht funktionsfähig. "Nur bei bestimmten, zumeist hormonellen Störungen", führt der Mediziner aus, "kann es zur Stimulation und zum Wachstum dieses Drüsenkörpers kommen. Selten bildet sich dann auch ein milchartiges Sekret. Doch die Mengen sind in der Regel sehr gering. Es sind nur wenige Milliliter."

Drüsen allein reichen nicht

Kein Wunder also, dass die aktuelle medizinische Fachliteratur nie auf Fälle von säugenden Vätern verweist. Es sind auch nicht allein die Milchdrüsen, auf die es bei der Milchbildung ankommt. Unerlässlich ist ein bestimmtes Hormon, das Prolaktin. "Frauen bilden in der Schwangerschaft in zunehmend höheren Konzentrationen Prolaktin", sagt der Endokrinologe. "So wird die Brustdrüse vorbereitet, um nach der Geburt ausreichend Milch zur Verfügung stellen zu können."

In niedrigen Konzentrationen ist Prolaktin auch beim Mann nachweisbar. Und interessanterweise - darauf weist Siegmund hin - steigt nach der Geburt eines Kindes auch der väterliche Prolaktin-Spiegel. Zwar geringfügig, aber immerhin. Der Mediziner hat eine Erklärung parat: "Es wird vermutet", sagt Siegmund, "dass Prolaktin generell indirekt am 'Brutpflegeverhalten' von Säugern beteiligt ist."

Stimulation als vergebene Liebesmüh'

Zur Milchbildung reicht die Hormonmenge beim Mann allerdings nicht aus. "Um die Brust in die Lage zu versetzen, ausreichend Milch zu produzieren, bedarf es selbst bei der Frau Monate", betont Siegmund. Da hilft es auch nicht, die männliche Brustwarze zu stimulieren und auf diese Weise die Prolaktin-Produktion leicht anzuregen. Was die Milchbildung angeht, ist das vergebene Liebensmüh'.

Ob Prolaktin beim Mann relevante Aufgaben besitzt, ist nicht vollständig geklärt. Wenn keine krankheitsbedingten Störungen zugrunde liegen, kommt es im männlichen Prolaktin-Spiegel nur zu geringfügigen Schwankungen. Wie Siegmund erklärt, müssten die Hormone eines Mannes längerfristig manipuliert werden, um das Brustdrüsengewebe zur Milchbildung anzuregen. "Praktisch", sagt Siegmund zusammenfassend, "ist es fast unmöglich, die Brustdrüse eines Mannes auf die Leistungsfähigkeit einer weiblichen Brust zu bringen."

Quelle: n-tv.de

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