Frage & Antwort

Frage & Antwort Sind Brandstifter oft Feuerwehrmänner?

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Brände können schwere Schäden anrichten und sogar Menschenleben kosten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Man liest relativ häufig, dass ein ertappter Brandstifter Mitglied einer Feuerwehr ist. Täuscht der Eindruck oder ist der Anteil der Brandstifter unter Feuerwehrmitgliedern wirklich höher als unter Nicht-Feuerwehrmitgliedern? (fragt Manfred H. Frankfurt am Main)

Feuerwehrmänner sollen Leben retten und Brände löschen. Tatsächlich hört man immer wieder von Brandstiftern, die eigentlich das Feuer bekämpfen wollen und schließlich selbst zum zündelnden Täter werden. Wie viele brandstiftende Feuerwehrmänner sich jährlich in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehren aufhalten, kann niemand ganz genau sagen, weil dazu keine offiziellen Zahlen vorliegen. Da keine bundesweite Feuerwehrstatistik geführt wird und die einzelnen Länderstatistiken der Feuerwehren nicht ausreichen, gibt es diesbezüglich keine belastbaren Zahlen. Auch die "Polizeiliche Kriminalstatistik" oder die Statistiken der Schadensversicherer können in dieser Frage nicht weiterhelfen.

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Die Übungen mit richtigem Feuer reichen einigen wenigen Feuerwehrmännern nicht aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Brandexperte, Kriminologe und Fachautor Frank Dieter Stolt hat nach seiner jahrelangen umfassenden wissenschaftlichen Forschungsarbeit aber eine Antwort: "Tatsächlich gibt es unter Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehren Brandstifter", so der Experte. "Genauso wie es Todesengel unter Krankenschwestern, Bankräuber, Dealer und Mörder unter Polizisten und Kinderschänder unter Geistlichen gibt, kann es auch Brandstifter in den Reihen der Feuerwehren und zwar fast ausschließlich der freiwilligen Feuerwehren geben", betont Stolt. Es sei jedoch eine Verzerrung der Realität, dass besonders viele Feuerwehrmänner auch Brandstifter seien, so der Experte weiter. Auf rund 1,3 Millionen freiwillige Feuermännern und -frauen in Deutschland kommen jährlich ungefähr 40 Brandstifter bei der Feuerwehr.

Besondere Brisanz

Feuerwehrmänner neigen zahlenmäßig eindeutig seltener zur Brandstiftung als andere Menschen. Dennoch kann zum einen die Nachricht von einem Brandstifter, der bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, die Bevölkerung in besonderem Maße schockieren. Zum anderen kann die Geschichte vom zündelnden Feuerwehrmann besonders gut von den Medien inszeniert werden und so dazu beitragen, dass gerade diese Story in Erinnerung bleibt.

Stolt hat sich als Experte über viele Jahre hinweg die Mühe gemacht, alle Meldungen über zündelnde Feuerwehrmänner - tatsächlich sind es bis auf ganz wenige Ausnahmen Männer - zu sammeln, aufzulisten und auszuwerten. Seine Ergebnisse veröffentlichte der Sachverständige für Brand- und Explosionsursachenermittlung in dem Fachbuch "Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige". Stolt geht davon aus, dass im Jahr um die 40 Brandstifter in den Reihen der Wehren in Deutschland ermittelt und bestraft werden.

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Aufräum- und Wartungsarbeiten gehören zur Arbeit der Feuerwehrmänner dazu.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Dunkelziffer scheint jedoch nicht besonders weit davon abzuweichen, denn "die Aufklärungsrate bei Brandstiftung durch Feuerwehrmänner ist gegenüber anderen Tätertypen von Brandstiftung besonders hoch", so der Experte weiter. Grund dafür ist das Täterprofil, das für einen brandstiftenden Feuerwehrmann besteht: männlich, zwischen Anfang und Ende 20 und eher ein unauffälliger Durchschnittstyp. Er ist in der freiwilligen Feuerwehr besonders engagiert und einsatzbereit.

Sie wollen einfach Helden sein

Auch die Motive von brandlegenden Feuerwehrmännern ähneln sich stark. "Es geht vor allem darum, beim Löschen von Bränden und Retten von Menschen, Tieren und Besitz zum 'Helden' zu werden und so soziale Anerkennung zu bekommen", berichtet Stolt über seine Ergebnisse, die sich mit denen internationaler Forschungen decken.

Die Arbeit der Feuerwehren besteht heute bei rückläufiger Anzahl der Brände insgesamt nur noch zu einem geringen Teil aus Löscharbeit, der größte Teil sind Hilfeleistungen und Präventionsarbeit. Das kann für Heranwachsende, die bei der freiwilligen Feuerwehr vor allem zu "Helden" werden wollten, zu Langeweile oder sogar einer Demoralisierung führen, aus der es für einige wenige nur noch einen Ausweg gibt: selbst Brände zu legen.

Von den derzeit circa 1,3 Millionen Frauen und Männern, die als Mitglieder in freiwilligen Feuerwehren in ganz Deutschland rund um die Uhr Dienst tun, wurden in den vergangenen sechs Jahrzehnten rund 3000 als Brandstifter gerichtlich verurteilt. "Der Anteil von Brandstiftern bei den Feuerwehren liegt also auch bei den absoluten Zahlen klar im Promille-Bereich und ist damit eindeutig kleiner als die Zahl der Brandstifter in der übrigen Bevölkerung", klärt Stolt auf. Dennoch müsse man präventiv reagieren, denn der Imageverlust, den jeder brandstiftende Feuerwehrmann für die freiwillige Feuerwehr bringt, ist enorm. Die Sensibilität und Aufklärung von Ausbildern und Vorgesetzten ist in diesem Zusammenhang gefragter denn je.

Übrigens: Die Zahlen der Mitglieder bei den freiwilligen Feuerwehren sind von Jahr zu Jahr rückläufig. So kommt es zu immer mehr Nachwuchsproblemen. "Die daraus resultierende Werbekampagne 'Helden gesucht' ist jedoch für die Rekrutierung von Nachwuchs bei der freiwilligen Feuerwehr völlig ungeeignet", betont Stolt, "denn sie verspricht etwas, was sie in den meisten Fällen nicht halten kann und spricht vor allem die jungen Menschen an, die nach sozialer Anerkennung streben und später zu Brandstiftern werden könnten." Das wahre "Heldentum" besteht in der täglichen Bereitschaft zu diesem Ehrenamt.

Quelle: n-tv.de