Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 228 Wach auch ohne Mittagsschlaf?

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In deutschen Unternehmen kaum denkbar: Mittagsruhe im Büro.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie kommt es, dass ich am Mittag todmüde bin und obwohl ich nicht schlafe oder mich ausruhe, am Nachmittag wieder putzmunter? (fragt Natalia S. aus Braunschweig)

Man kennt das: Jeden Tag um die Mittagszeit wird man so müde, dass man aus dem Gähnen gar nicht mehr herauskommt. Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nehmen rapide ab, die Laune verschlechtert sich und die Muskeln erschlaffen. "Solche Tiefs sind ganz normal, denn wir sind Rhythmuswesen", erklärt Schlafforscher Professor Jürgen Zulley. So wie wir nach einer durchwachten Nacht am Morgen wieder wach werden, so werden wir auch am Nachmittag wieder wach, jedoch mit wahrnehmbaren Leistungseinschränkungen.

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Ein kurzes Schläfchen am Mittag ist gesund.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Zustand eines Menschen - egal, ob es sich um den geistigen, körperlichen oder seelischen handelt - verändert sich systematisch über den Tag hinweg. Diese Veränderungen werden auch als Biorhythmus bezeichnet. Es gibt am Tag prinzipiell zwei intensive Hoch- und zwei intensive Tiefphasen. Die erste Hochphase stellt sich am Vormittag ein. Diesem Hoch folgt ein Tief, die Mittagsmüdigkeit, die sich vor allem zwischen zwölf und zwei Uhr breitmachen kann. Nach der Mittagsmüdigkeit kommt wieder ein intensives Hoch am Nachmittag, bei vielen Menschen zwischen drei und fünf Uhr. Diesem Hoch folgt das nächste Tief, das dann schließlich in die Nachtruhe münden sollte.

Mittagsruhe ist gesund

Wer am Mittag ruht oder sogar die Möglichkeit hat, zu schlafen, der wird am Nachmittag einer Studie zufolge bis zu 30 Prozent leistungsfähiger sein als jemand, der durchgearbeitet hat. Das gilt allerdings nur, wenn die Ruhephase nicht übertrieben wird. "Eine Mittagsruhe sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, da der Körper am Tag nur diese Zeit zur Regenerierung benötigt", so Zulley. Eine längere Ruhepause würde den Biorhythmus zu sehr durcheinanderbringen und auch das Wachwerden würde wesentlich schwerer, so Zulley weiter. Die Übergänge zwischen Hoch und Tiefs verlaufen allmählich und können sich zeitlich verschieben. Zwischen diesen Hochs und Tiefs gibt es auch noch mehrere kleinere Schwankungen, die individuell verschieden erlebt werden.

Das menschliche System kann sich - zumindest in einem bestimmten Rahmen - erneuern, allerdings nur, wenn es genügend Ruhezeiten hat. Die größte Ruhephase sollte in der Nacht liegen. Aber auch das sogenannte Power Napping am Mittag steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern schützt auch noch langfristig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burn-out und anderen Überlastungserscheinungen. Regelmäßige Mittagsruhen gehören also zu einem gesunden und empfehlenswerten Anti-Stress-Programm.

Übrigens: In den USA und Japan wird das Power Napping immer öfter praktiziert und von zahlreichen Firmen sogar mit besonderen Rückzugsmöglichkeiten unterstützt. Deutsche Firmen und Angestellte hingegen sind noch sehr zögerlich bei der Durchführung des gesunden Kurzschlafes.

Quelle: n-tv.de

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