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Dienstag, 20. März 2012

Frage & Antwort, Nr. 216: Wie alt ist unser Wasser?

Von Andrea Schorsch

Wir trinken es, baden drin, geraten in Schauer, schippern über den See, nutzen es zum Skifahren und leiden im Sommer unter feuchtwarmer Luft. Wasser, die Quelle allen Lebens, begegnet uns immer wieder neu. Wie lange ist das Regenwasser von heute eigentlich schon auf der Erde? Und wie alt ist das Wasser im Meer?

Ich will einiges rund ums Wasser wissen: Wie alt ist das Wasser auf der Erde eigentlich? Wie lange braucht es, bis es den Wasserkreislauf einmal durchlaufen hat? Und bleibt die Wassermenge auf der Erde immer gleich? (fragt Ansgar H. aus Xanten)

Mehr als 70 Prozent unseres Planeten sind von Wasser bedeckt. 97 Prozent davon sind Salzwasser, nur 3 Prozent des Wassers auf der Erde sind für den Menschen genießbar. Aber von diesen 3 Prozent ist nur ein Drittel überhaupt für uns erreichbar. 1 Prozent! Süßwasser gibt es auf dem blauen Planeten nicht gerade im Überfluss.

Experte in Wasserfragen: Dr. Frank Lennartz von der TU Dresden.
Experte in Wasserfragen: Dr. Frank Lennartz von der TU Dresden.(Foto: Lennartz / TU Dresden)

Doch ob süß oder salzig: Das Wasser auf dem Globus ist uralt. Wie alt genau, lässt sich schwer beantworten. "Die Atome, aus denen das Wasser besteht", sagt Frank Lennartz, Leiter der Professur für Hydrologie an der Technischen Universität Dresden, "sind auf jeden Fall älter als die Erde selbst." Älter also als 5 Milliarden Jahre. Es könnten auch 10 Milliarden sein.

Dass sich Wasser in flüssiger Form auf unserem Planeten sammelte, ist noch nicht ganz so lange her. Dafür musste sich die heiße Erde in ihrer frühen Entwicklung erst einmal abkühlen. Aus den so ermöglichten Regenfällen bildete sich dann der erste Urozean. Das war vor etwa 4,2 Milliarden Jahren.

Hier bleibt es länger als da

Seither sind die Ozeane die größten Wasserspeicher der Welt. Daneben wird das kühle Nass in diversen anderen Kompartimenten gehalten: in Eiskappen, im Boden, im Grundwasser und in alpinen Gletschern. Und natürlich befindet sich – dank des Wasserkreislaufs – auch immer Wasser in der Atmosphäre. Wie lange es jeweils bleibt bzw. wie alt es in den einzelnen Reservoirs wird, ist sehr unterschiedlich.

"In der Atmosphäre", sagt Lennartz, "hat Wasser eine Verweildauer von acht bis zehn Tagen." So schnell also verdunstet Wasser durch Sonneneinstrahlung, steigt auf, kondensiert zu Wolken und kehrt in Form von Niederschlag wieder auf die Erde zurück.

Ein immerwährender Kreislauf: Wasser zirkuliert.
Ein immerwährender Kreislauf: Wasser zirkuliert.(Foto: Wikipedia / CC BY-SA 3.0)

In Seen und Flüssen beträgt die Verweildauer des Wassers drei bis vier Wochen, im Boden ein halbes bis ganzes Jahr. Bei Grundwasser dauert es schon sehr viel länger, bis es den Wasserkreislauf einmal durchlaufen hat. Dort variiert die Verweildauer –  je nach Ort – zwischen hundert und mehreren tausend Jahren. "Es gibt auch fossile Grundwasserressourcen", so der Hinweis des Experten. "Die sind teilweise mehrere zehntausend Jahre alt. Sie stammen aus anderen Klimazeiten und nehmen nicht mehr am Wasserkreislauf teil. So etwas findet man zum Beispiel in der Sahara."

Bis sich das Wasser in den Meeren einmal, wenn man so will, vollständig erneuert hat, sind im Mittel 2600 Jahre vergangen. In den Gletschern der Eiskappen hält es sich mitunter gar hunderttausend Jahre.

Wasser geht nicht verloren

Welchen Zustand auch immer es annimmt, ob das Wasser flüssig ist, gasförmig oder gefroren: Nichts von der im System Erde vorhandenen Wassermenge geht verloren. "Wenn es nicht großen Meteoriteneinschläge oder andere Ereignisse gibt, bei denen etwas hinzukommt oder herausgeschleudert wird, dann bleibt die Menge des Wassers auf der Erde nahezu konstant", bestätigt Lennartz. "Es gibt eine globale Wassermenge, die zirkuliert. Global betrachtet, bleibt sie gleich. Doch regional ist sie sehr unterschiedlich verteilt."

Diese Verteilung kann sich künftig stark verändern: Fällt im Zuge des Klimawandels irgendwo ein Gebiet trocken, bedeutet das zwangsläufig, dass es woanders umso nasser wird. Auch die Zeiten, in denen es ausgeprägt regnet – man denke an den Monsun – können plötzlich andere sein. Sie können sich innerhalb des Jahres verschieben, kürzer werden oder auch ungewöhnlich lange anhalten.

Ungleich verteiltes Menschenrecht

Unweigerlich wirken sich solche Veränderungen auf die regionale Wasserverfügbarkeit und Trinkwassermenge aus. Das kann auch in Deutschland spürbar werden. Im Osten der Republik sind die Niederschläge deutlich geringer als im Westen. Gibt es weitere Verschiebungen, könnte das zum Problem werden. "Zum Trinken braucht man die geringste Menge an Wasser", sagt Lennartz. "Aber man braucht viel für die Lebensmittelproduktion, für die Landwirtschaft. Bei großer Trockenheit im Sommer müsste man bewässern, um die Produktion sicherzustellen. Dafür braucht man erhebliche Mengen. Dann sinkt die Wasserverfügbarkeit dramatisch."

Dass insgesamt kein Wasser verloren geht, bewahrt den Menschen folglich nicht vor Mangelsituationen in der Zukunft. Ganz im Gegenteil. "Die Weltbevölkerung wächst", gibt der Hydrologe zu bedenken. "Das bedeutet: Bei gleicher Menge an Trinkwasser muss diese auf mehr Köpfe verteilt werden. Die Verfügbarkeit pro Kopf sinkt." Regenreiche Regionen werden davon wenig merken. Doch Süßwasser ist auf der Erde nicht gerecht verteilt. Ein uraltes Gut. Eine Milliarde Menschen aber haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. 2010 wurde die Ressource daher zum Menschenrecht erklärt.

Quelle: n-tv.de

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