Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 193 Wie bügelt man ein Oberhemd?

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Hemden bügeln? Selbst ist der Mann! Bundeswirtschaftsminister Rösler und Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit zeigen, dass sie wissen, wie's geht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich stehe jedes Wochenende aufs Neue vor der Frage, wie man beim Bügeln von Oberhemden denn nun eigentlich wirklich am sinnvollsten vorgeht. Welche Methode ist die effektivste? Und wieso habe ich noch keinen Stoff gefunden, der mir das Bügeln erspart hätte? (fragt Jürgen B. aus Mettmann)

Für einen befreundeten Selbstbügler ist klar: Unempfindliche Hemdteile werden zuerst gebügelt, das, was man unter dem Jackett sieht, zuletzt. Dieser aufgrund seiner großen praktischen Bügel-Erfahrung befragte Anzugträger schwört darauf, mit den Manschetten und dem Kragen zu beginnen, sich über die Ärmel zum Rücken vorzuarbeiten, dann die vordere Hälfte mit der Knopflochleiste zu glätten und die Bügelaktion mit der Seite, auf der sich die Tasche befindet, abzuschließen. Das klingt systematisch und zielführend, und wenn das Ergebnis tatsächlich ein faltenfreies Hemd ist, warum nicht?

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Nach den Vorgaben der Hauswirtschaftsprofis: zum faltenfreien Hemd in 15 Schritten.

Die "Arbeitsanleitung zum rationellen Bügeln von Hemden", die unter Profis, den Hauswirtschaftlern nämlich, kursiert, schlägt allerdings eine andere Strategie vor. Sie zielt darauf ab, das Bügelgut möglichst selten unter dem heißen Eisen drehen zu müssen. Dafür wird das Hemd zunächst mit der Vorderseite nach oben auf dem Bügelbrett platziert, der Kragen schließt mit der hinteren Kante ab, der rechts liegende Ärmel breitet sich quer auf der Mitte des Bügelbrettes aus. Und dann kann der Spaß beginnen:

Den Anfang macht die vor einem liegende Manschette (erst innen, dann außen), gefolgt vom anschließenden Ärmel. Nun wird das Hemd gedreht, die Knopflochleiste liegt parallel zur Bügelbrettkante und wird von innen geglättet. Dann geht es dem Hemd an den Kragen. Der wird von den Spitzen zur Mitte hin bearbeitet. Da sich aber am Kragen weder Stoff noch Einlage verschieben dürfen, wird die Bügeleisenspitze dort nur aufgesetzt und nicht hin- und hergeschoben. Danach stehen die Knopfleiste an, samt Tasche (beides von links), und der zweite Ärmel. Anschließend geht es an die großen Flächen, natürlich in einer bestimmten Reihenfolge: Nach dem rechten Ärmel folgt jetzt zuerst die rechte Vorderseite des Hemdes, dann wird der Rückenteil vom Knitterlook befreit, und mit der linken Vorderseite findet das Bügelvergnügen seinen Abschluss. Fürs Erste. Weiter geht es mit dem nächsten Hemd vom Stapel aus dem Wäschekorb …

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Es ist nie zu spät, Neues zu lernen: Dieser Herr lässt sich von einer Hauswirtschaftsmeisterin in die hohe Kunst des Bügelns einweisen.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Wohl dem, der darüber in meditative Verzückung gerät. Alle anderen sehnen sich – wie offenbar auch unser Leser – früher oder später nach der ultimativ bügelfreien Business-Bekleidung. Doch mal ehrlich: Selbst wenn das Hemden-Etikett solche Wonnen verspricht: Ganz ohne Bügeleisen geht es nach dem Waschen dann doch nicht. "Es ist tatsächlich so, dass man wohl keinen Stoff so hinkriegen wird, dass er knitterfrei aus der Maschine kommt", bestätigt Mathias Paas vom Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

Knitterfrei gibt es nicht

In den sechziger Jahren experimentierte man mit "Nyltest"-Hemden aus Kunstfasern. Pitschnass auf einen Bügel gehängt, boten sie nach dem Trocknen einen ansehnlichen, durchaus faltenfreien Anblick. Doch wie Paas zu bedenken gibt: "Die knitterfreie Ausrüstung ist etwas, was die natürliche Eigenschaft der Baumwolle deutlich einschränkt. Denn wenn zum Beispiel Kunstharze auf die Faser gegeben werden, beeinflusst das zwar das Knitterverhalten der Faser, doch auch das normale Feuchtigkeitsaufnahmeverhalten wird damit massiv eingeschränkt." Im Klartext bedeutet das: Wer komplett auf Kunstfasern setzt, umgeht zwar das Bügelproblem, ist dafür aber meterweit zu riechen. Der Schweiß fließt und hinterlässt nicht nur eine meist eher unangenehme Duftspur, sondern auch gelbe Ränder im Hemd. Dann doch lieber bügeln, oder?

Zumal es Baumwollstoffe gibt, die immerhin weniger faltenanfällig sind als andere. "Wenn Sie zum Beispiel mit einem gezwirnten Faden arbeiten im Gewebe", so Textiltechniker Paas, "dann ist die Struktur des Materials schon besser, es wird etwas steifer und damit auch glatter. Das ist bei dichtgeschlagenen Geweben so, also etwa bei Twill und Popelin. Bei lockeren Geweben hat man eher Knitter drin."

Doch wie erkennt der Laie einen gezwirnten Faden und dichtgeschlagenes Gewebe? "Das sind die festeren Stoffe", erklärt der Experte. Und es sind ganz einfach auch die hochwertigeren. Weniger bügeln zu müssen, hat eben auch seinen Preis.

Quelle: n-tv.de

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